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Feiertage > Weihnachten

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Flattr this 31-12-2004 Weihnachten
Das russische Neujahrsfest
Zum Neujahrsabend im heutigen Russland gehört vor allem ein grüner Tannenbaum ins Zimmer, schwarzer und roter Kaviar, Sekt mitten auf der festlich gedeckten Tafel und schließlich der Ehrengast: Väterchen Frost mit einem Sack voller Geschenke. Während Fische und Kaviar auf eine Tradition von anderthalb Jahrtausenden zurückschauen, ist der Tannenbaum erst vor relativ kurzer Zeit - vor nur 200 Jahren - nach Russland gekommen, und zwar aus Deutschland.

Es war die Zarin Alexandra Feodorowna, die Gemahlin von Zar Nikolaus I., eine Deutsche, die diese Sitte einführte. Sie hatte die Tradition ihrer Kinderjahre in Deutschland, das Haus mit grünen Tannenzweigen zu schmücken, nicht vergessen.

Diese grünen Zweige zu Weihnachten beinhalteten gleich mehrere sakrale Momente: das grüne Licht des Sterns von Bethlehem, der in der Geburtsstunde Christi am Himmel aufgegangen war und den drei Weisen mit ihren Gaben den Weg gewiesen hatte. Zugleich erinnerten die grünen Tannenzweige die Gläubigen an den Einzug Jesu in Jerusalem, wo das Volk grüne Palmenzweige unter die Hufe seiner weißen Eselin streute.

Der Brauch, die Wohnung mit üppigem Grün zu schmücken, ist in Europa ein Erbe der Römer, ein Anzeichen der Saturnalien, bei denen die Häuser der Patrizier mit frischen Blumengirlanden geschmückt wurden.

Mitten im europäischen Winter sind Blumen natürlich ein Luxus, deshalb wurden Rosen und Hyazinthen auf natürliche Weise durch grüne Mistel-, Wacholder- und eben Tannenzweige abgelöst.

Zuerst handelte es sich wirklich um Zweige oder Bündel von solchen Zweigen, mit denen die Deutschen ihre festlichen Tafeln vor Weihnachten und zu Neujahr zu schmücken begannen.

Die Tannen wurden zuerst als Detail des Festtafel, als eine Art ästhetische Beigabe zu den Speisen, empfunden.

Wie schon gesagt, Zarin Alexandra Feodorowna, von Nikolaus I. im Jahr 1817 geehelicht, führte die Sitte des fernen Deutschland in Russland ein. Kleine Tannen schmückten seitdem die Tafeln im Winterpalais in Erinnerung an die für das Herz der ehemaligen Prinzessin Charlotte von Preußen teure Heimat, in der solche Bäumchen mit brennenden Kerzen an den Zweigen ihre ganze Kindheit verschönerten.

Diese stille Feier in der Zarenfamilie wurde durch die Sitte der Bescherung ergänzt. Die Geschenke lagen auf einer Tafel unter der Tanne oder hingen an den stachligen Zweigen. Die Bescherung wurde immer üppiger. Und mit der Zeit wurden für das Zarenfest größere Tannenbäume benötigt. Eines Tages traf in dem Saal des Palais eine wahre Waldschönheit ein, an deren Zweigen die Geschenke für die gesamte Zarenfamilie samt Kindern Platz fanden.

Wer verfügt hatte, die zerbrechlichen Zweiglein durch einen Tannenbaum aus dem Wald zu ersetzen, ist unbekannt, am ehesten war es wohl der Zar selbst.

Ebendort, in der verzärtelten Aura der deutschen Träume in Petersburg, entstand auch eine besondere Zivilisation des Tannenschmuckes. An den Zweigen glitzerten plötzlich Sterne, mit Flittergold übersäte Knallfrösche, vergoldete Nüsse und der übrige rührende Kleinkosmos.

Also erschien im Palais ein Tannenbaum, der wie eine Hofdame geputzt war.

Unvorstellbar schön!

Das Auftauchen des stachligen Baumes in der Zarenfamilie blieb andernorts nicht unbemerkt. Vom Tannenbaum sprach man, als wäre er eine Palme gewesen. Alles, was zum Hof gehörte, wollte nun ebenfalls einen solchen - genau einen solchen! - Tannenbaum haben, und schon nach einem Jahr griff die Tannenbaummode wie ein grüner Brand zuerst in ganz Petersburg und dann auch in ganz Russland um sich.

Dazu trug die Sitte bei, alle Leute von den Petersburger Straßen, die das Neujahrsfest mit dem Zaren teilen wollten (aber nicht mehr als 4 000 Personen), in den Winterpalais einzulassen.

Tausende Augen sahen die kleinen Tannenbäume auf den festlich gedeckten Tafeln für die Zarenkinder und die Erwachsenen und den riesigen Baum im Mittelpunkt eines Ballsaales.

Im Nu schlossen die Russen den Tannenbaum - die Jolka - ins Herz.

Und zwar, weil das stachlige ewiggrüne Geheimnis des Baumes erstaunlich gut mit dem kalten russischen Winter und der Welt der slawischen Seele harmoniert. Sie griff so ungestüm den Gedanken auf, die harte Jolka in eine zarte Glücksbringerin zu verwandeln. Man darf nicht vergessen, dass die Russen, ursprünglich ein Volk von Fischern und Ackerbauern, inmitten des gigantischen russischen Waldes lebten. Jener uralte Wald verkörperte in der Mentalität der Russen ein heidnisches Ungeheuer. Das Christentum verwandelte diesen wilden Wald in eine Vision des Paradieses, einen Traum des Dickichts vom zivilisierten Park.

Deshalb ist der geschmückte Tannenbaum erklärter Liebling der Russen, wobei die Moskauer den echten einem Erzeugnis aus Kunststoff vorziehen. Der Tannenbaum hat nach Wald zu duften. Die synthetischen Schönheiten können das nicht.

Wie vielleicht bekannt, feiern die Russen Weihnachten nicht wie in Europa am 25. Dezember, sondern am 7. Januar, aber das neue Jahr kommt für alle gleichzeitig.

Ferner verlangt die russische Sitte, Neujahr mit Kindern zu feiern. Mehr noch, Neujahr gilt als ein Fest vor allem für die Kinder, und das macht aus dem Silvesterabend fast ein Kindertheater. Sich an den Händen haltend, tanzen die Erwachsenen zusammen mit den Kindern einen Reigen um den Baum und singen das dazu gehörige Liedchen von einer kleinen Jolka, dir im Walde geboren wurde und nun ihr Gast ist.

Das Liedchen ist der Hauptschlager des Landes.

Seine Worte sind mir seit meiner Kindheit unvergesslich.

Die Revolution hob das Jolka-Fest als Überbleibsel der bourgeoisen Denkweise auf, und durch ein Dekret des Rates der Volkskommissare vom 24. Januar 1918 wurde der neue Kalender mit einer Differenz von 13 Tagen eingeführt.

Für Kinder und ihre Eltern war das die düsterste Zeit.

Neujahr war nun ein gewöhnlicher Arbeitstag, man musste zeitig zu Bett gehen: Am nächsten Morgen wartete auf einen die Schicht. Keinerlei Geschenke, auch keine Tannenbäume: Verkauft wurden sie nicht mehr, und sich selbst eine aus dem Wald zu beschaffen war sogar gefährlich.

Der Schriftsteller Michail Bulgakow war der Erste, der es wagte, die Moskauer an die Schönheit der Zarenzeit zu erinnern.

Am Anfang des zweiten Aktes in der legendenumwobenen Inszenierung seines Stücks "Die Tage der Geschwister Turbin" im Moskauer Künstlertheater sahen die Zuschauer auf der Bühne - ach! - einen richtigen Weihnachtsbaum mit Kerzen und bunten Bändern und spürten den Duft von brennenden Wachslichtern zwischen den grünen Zweigen.

Einige Zuschauer fielen sogar in Ohnmacht.

Auf Verfügung der Direktion hielt sich während der Vorstellung ein Rettungswagen vor dem Theater bereit.

Ich bin so frei, anzunehmen, dass Stalin (der bekanntlich mindestens 15mal der Vorstellung beiwohnte!) gerade damals, beim Anblick der grünen Pracht auf der Bühne und beim Hören des trockenen Aufschluchzens im Zuschauersaal den Beschluss fasste, den Tannenbaum in unsere Wohnungen wieder einziehen zu lassen. Das Kommando, das Neujahrsfest wieder zu erlauben, kam aus dem Kreml im schrecklichsten Terrorjahr.

Am 10. Januar 1937 wurde der erste sowjetische Tannenbaum im Säulensaal des Moskauer Gewerkschaftshauses aufgestellt. Er war beinahe 15 Meter hoch. Eine Reportage aus dem Säulensaal wurde in der Wochenschau "Sowjetski Sojus" gezeigt. Schon im nächsten Jahr folgte man dem Beispiel des Kremls mit Hunderten von Jolka-Festen.

Der Krieg ließ das Neujahrsfest natürlich nicht zur Blüte kommen.

Ein wahrer Neujahrskult entstand in der UdSSR, als 1947 der 1. Januar endlich - wie in den guten vorrevolutionären Zeiten - für arbeitsfrei erklärt wurde.

Da geschah etwas Unfassbares.

Es kam zu einer wahren Explosion des Kultes von Silvester, Tannenbaum und Neujahr. Heute ist es überhaupt das bunteste und lustigste Fest des ganzen Jahres.

Mit dem Tannenbaum ist bei uns die Atmosphäre des Karnevals, die Zivilisation von Feuerwerkslichtern, Geschenken, Neujahrskarten und Tannenbaumschmuck wieder eingezogen. Es sind auch die Süßigkeiten des Kinderherzens wieder da. Lebkuchen, die mit ihren Rosinenaugen Grimassen schneiden, Lutschbonbons in Form eines Hahnenkopfes... Der deutsche Tannenbaum war, wie es sich erwies, die Haupttrophäe des gewonnenen Krieges. Im Grunde realisierte sich in der Atmosphäre eines Reigens um den Tannenbaum der Traum des Sowjetvolkes von einem wolkenlosen Glück.

An jene Neujahrsfeste und die Geschenktüten mit Pralinen und ein paar Mandarinen darin erinnere ich mich bis heute wie an die glücklichsten Tage meines Lebens.

Der Tannenbaum, die Jolka, ist nun für jeden Menschen das Symbol der Kindheit, und der Duft seiner Nadeln, das Glitzern des Tannenbaumschmuckes ist eine Kostbarkeit, die tief in der Seele bewahrt wird.

Der Tannenbaum ist der kleine Jesus im tiefen Schnee seines Schicksals, ein Säugling im Frost, ein grünes Lamm, das, vom römischen Beil gefällt, gefesselt zum Hinrichtungsplatz - zum Kreuz - geschleppt wird (wie der Tannenbaum zu seinem kreuzförmigen Gestell). Aber o Wunder! Der gekreuzigte Christus ersteht zur Freude der ganzen Welt wieder auf und steigt als Erlöser in den Himmel. Auf diese Weise wird in Russland die Kreuzigung und Wiederauferstehung Christi empfunden.

Nach dem Tannenbaum kommt ein weiterer Clou des Festes ins Haus: Väterchen Frost. Er kommt von der Straße und sieht aus wie der Weihnachtsmann: Pelzmantel, Mütze, dicke Handschuhe, der Wanderstab in den Händen und ein Sack mit Geschenken auf den Schultern. Der einzige Unterschied des russischen Väterchens Frost von seinem europäischen Vetter sind seine großen Filzstiefel, denen kein Frost etwas anhaben kann.

Die Geschichte des Aufkommens des Weihnachtsmanns ist recht rätselhaft.

bei russland.RU
Zur Einstimmung auf die Festtage haben wir einige Kleinigkeiten in einem Weihnachts – Neujahrsspezial zusammengestellt. Etwas zum mitsingen, eine Postkartenauswahl von 1959 bis 1992 und nicht zu vergessen, die Schläge der Turmuhr des Spasskaja-Turmes.

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Vor nur hundert Jahren gab es überhaupt keinen russischen Väterchen Frost.

Zuerst erschien der Weihnachtsmann auf Neujahrskarten von Ende des 19. Jahrhunderts.

Er wurde von einem unbekannten Genie der Epoche des Art Nouveau erfunden, und zwar in mehreren Ländern zugleich.

Dieses Genie heißt neue Zeit.

In Deutschland war es Knecht Ruprecht und Weihnachtsmann, in England Santa Claus, in Frankreich Père Noël. Er sah sich überall ähnlich: ein hoher bärtiger Alter in einer Pelzmütze, einem roten Mantel, mit dem obligaten Wanderstab ausgestattet.

Komischerweise ist der Opa ein Zeitgenosse der Erfindung der Filmkunst, der ersten Flugzeuge und der Entdeckung der Radioaktivität.

In Russland war er nicht nur auf Postkarten zu sehen, sondern auch in den Jahrmarktsbuden der Fastnachtwoche: mit einem Bart aus Werg, einer roten Nase und in Begleitung seiner Enkelin Snegurotschka (Schneewittchen). Diese seine Gestalt nahm organisch Züge von Morosko, einer uralten Figur der russischen Volksmärchen, in sich auf. Aber den letzten Strich zur Abrundung der Gestalt von Väterchen Frost fügten die Weihnachtsgeschichten jener Zeit hinzu, worin die neue Figur in der neuesten Mission auftaucht: um nicht nur die Flüsse mit Eis zu bedecken, Eisbrücken und Schneepaläste zu bauen (wie in Nikolai Nekrassows Poem "Waldkönig Frost" (Moros krasny nos), sondern auch um zu Weihnachten den Kindern in seinem schweren Schultersack Geschenke zu bringen.

Diese Figur des gezähmten Waldkönigs Frost, eines durch christliche Predigt gebändigten Herrn über Schneestürme und grimmige Kälte, war der kostbarste Einfall der neuen Mythologie des Neujahrsfestes, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts seine endgültige Form annahm.

Kurzum, im Tannenbaum haben wir es mit einem - freilich festlich aufgemachten - Archetyp der Sitte, dem grausamen Gott der Zeit Chronos einen grünen Baum zum Opfer zu bringen. Ein uraltes Heidenfest zum Dank für die Güte des Himmels als Antwort auf die Gebete und Opfergaben des Menschen.

Nach der Bescherung der Kinder setzt sich Väterchen Frost - so will es der russische Brauch - an den festlich gedeckten, überquellenden Tisch, und sei es auch nur für eine Minute. Man gießt ihm Sekt oder Wodka ein. Aber am häufigsten setzt man Väterchen Frost heißen Tee mit Süßigkeiten vor.

Süßigkeiten künden das Finale der Feierlichkeit an. Auf der russischen Tafel sind es am häufigsten rosa Schaumkuchen, Marmelade, Pralinen, Biskuite, von der Hausfrau gebackene Kekse, Kastenkuchen mit Rosinen, Rumkugeln, Blätterteigpasteten mit Konfitüre, eine Mohnrolle, heiße feine Plinsen mit Honig, süße Fladen in Form eines Sterns und russische Tulaer Honigkuchen.

Als Krönung dieses Paradieses für Leckermäuler prangt auf der Tafel eine mit Krem über und über bedeckte Biskuittorte, die extra in der Bäckerei bestellt wird. Auf dem runden Oberteil einer solchen Torte kann der Bäcker einen kleinen Tannenbaum mit kandierten Früchten verzieren und ihm, Schnee imitierend, Schlagsahnenhaube aufsetzen.

Beim Sekt wird bengalisches Feuer angezündet, die Torte aber bei Kerzenlicht zerteilt und angeboten.

Die extravagantesten Russen feiern Neujahr in ihren bei Moskau gelegenen Villen. Dort findet sich immer ein echter Tannenbaum mitten im Schnee. Der Baum wird mit einer bunten Lampengirlande behängt, und man hört im Kofferradio, wie die Glocken am Erlöserturm des Kremls zwölf schlagen. Und in der Kälte wird natürlich nur Wodka getrunken, eine Salzgurke als Draufgabe. (Anatoli Koroljow, politischer Kommentator der RIA Nowosti).


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