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30-12-2005 Ukraine
Juschtschenko weist im Gasstreit Kreditangebot aus Russland zurück
Im Gasstreit mit Russland hat der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko einen Kreditvorschlag seines russischen Kollegen Wladimir Putin zurückgewiesen. "Wir brauchen diesen Kredit nicht", sagte Juschtschenko am Donnerstag nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax.

Putin hatte dem staatlichen ukrainischen Gaskonzern Naftogas einen Kredit über 3,6 Milliarden Dollar angeboten. Der russische Konzern Gasprom will den Gaspreis zum 1. Januar von 50 Dollar (rund 42,20 Euro) auf 220 bis 230 Dollar pro 1000 Kubikmeter anheben. Juschtschenko bezeichnete eine Erhöhung auf 75 bis 80 Dollar als "vernünftig". Putin warf Gasprom und Naftogas vor, eine "echte Krise" zwischen den beiden Ländern verursacht zu haben.

Die Ukraine werde "ihre eigenen Mittel" einsetzen, um das russische Gas zu einem "vernünftigen Preis" geliefert zu bekommen, sagte Juschtschenko. Der ukrainische Ministerpräsident Juri Jechanurow hatte gedroht, sein Land könne für die Weiterleitung russischen Gases nach Westen 15 Prozent der Lieferungen als "Transitgebühr" einbehalten. Der ukrainische Energieminister Iwan Platschkow war am Mittwoch nach Moskau gereist, um den angedrohten Stopp der Gaslieferungen ab dem 1. Januar abzuwenden. Von dem Streit könnten auch Europa und Deutschland betroffen werden, da die meisten russischen Gaslieferungen durch Leitungen in der Ukraine gehen.

"Das betrifft nicht nur den Energiesektor", sagte Putin, nachdem sich die beiden Seiten bis Donnerstag nicht auf neue Modalitäten für die Gaslieferung geeinigt hatten. "Das ist sehr schlecht." Die Ukraine hatte sich grundsätzlich bereit erklärt, mehr zu zahlen. Kiew besteht aber auf einer schrittweisen und geringeren Erhöhung der Preise, die schlagartige Erhöhung hatte Juschtschenko als "Provokation" zurückgewiesen.

Der deutsche Botschafter in der Ukraine ergriff in einem Zeitungsinterview Partei für Kiew: Die Ukraine habe ein Recht darauf, dass die Preise allmählich und nicht auf einen Schlag angehoben würden, sagte Botschafter Dietmar Stüdemann der ukrainischen Zeitung "Delo". Er kritisierte demnach das Ultimatum Moskaus. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte dazu auf Anfrage, die Bundesregierung betrachte den Streit weiterhin als ein "bilaterales Problem". Deutschland hatte eine Vermittlerrolle am Mittwoch abgelehnt.

Selbst im Falle eines Lieferstopps von russischem Erdgas als Folge des Streits müssen deutsche Haushalte nicht um ihre Wärmeversorgung fürchten. Wie die "Berliner Zeitung" (Donnerstagausgabe) unter Berufung auf den Verband der Gaswirtschaft berichtete, sind die Speicher der heimischen Gasversorger derzeit nahezu komplett gefüllt. Mit dieser Reserve könne der deutsche Gasbedarf über einen Zeitraum von 75 Tagen gedeckt werden, hieß es. Aus Russland kämen derzeit nur 35 Prozent der deutschen Gasbezüge, so dass sich auch ein deutlich längerer Ausfall der durch die Ukraine führenden Transit-Pipeline ausgleichen lasse.


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