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07-12-2005 Ukraine
Ukraine schlägt Russland ihre Gaspreise vor
Der Ausschuss der Obersten Rada der Ukraine für Fragen des Brennstoff-Energie-Komplexes, Nuklearpolitik und nukleare Sicherheit schlägt ein neues Schema für den Kauf von russischem Erdgas vor: Ab 1. Januar 2006 will die Ukraine 17 Milliarden Kubikmeter Gas für 50 Dollar je 1 000 Kubikmeter und 8 Milliarden Kubikmeter für 80 bis 82 Dollar je 1 000 Kubikmeter kaufen.

Darüber berichtete Valeri Jasew, Vorsitzender des Ausschusses für Energetik, Verkehrs- und Nachrichtenwesen der russischen Staatsduma, nach seinem Treffen mit Andrej Kljujew, Vorsitzender des analogen ukrainischen Ausschusses, auf der abschließenden Pressekonferenz.



Jasew sagte u. a.: "Die Ukrainer schlagen vor, zu einem Schema überzugehen, nach dem sie 17 Milliarden Kubikmeter für 50 Dollar je 1 000 Kubikmeter und die restlichen 8 Milliarden Kubikmeter für 80 bis 82 Dollar je 1 000 Kubikmeter kaufen wollen."

Bis zum Herbst wolle die Ukraine den Tarif auf 90 bis 95 Dollar erhöhen und dann im Laufe mehrerer Jahre zu Marktpreisen übergehen.

Der Transit von russischem Gas über das Territorium der Ukraine soll nach wie vor 1,09 Dollar je 1 000 Kubikmeter für 100 Kilometer betragen.

Jasew verwies darauf, dass vorgeschlagen wird, die acht Milliarden Kubikmeter Gas zu einem höheren Preis über das russisch-ukrainische Joint Venture Rosukrenergo zu verkaufen.

"Wenn wir zu 160 Dollar für Gas und 1,75 Dollar für den Gastransit über die Ukraine übergehen, erhält Gasprom 2,6 Milliarden Dollar mehr, und die Abführungen an den russischen Haushalt betragen etwa 1,15 Milliarden Dollar", erklärte er.

In seinem Kommentar zu den am Abend des Vortages abgeschlossenen Verhandlungen zwischen dem ukrainischen Unternehmen Naftogas und dem russischen Gasprom betonte Jasew: "Die Verhandlungen sind nicht gesprengt worden, das hat heute der stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Gasprom Alexander Rjasanow bestätigt."

Des Weiteren erläuterte Jasew: "Die Verhandlungen gehen weiter. Gestern wurden die erwünschten Vereinbarungen vielleicht nicht erzielt, und eben deshalb erklärte Gasprom, die Verhandlungen seien gescheitert."

Am Vortag hatte Gasprom einen Pressebericht verbreitet, worin es hieß, Gasprom und Naftogas Ukrainy hätten sich über die Frage der Gaslieferungen im Jahre 2006 wieder einmal nicht einigen können.

"Die abermalige Verhandlungsrunde zwischen der AG Gasprom und der Delegation der Ukraine über die Kooperation im Bereich Naturgas 2006 hat keine Ergebnisse gebracht, trotz der Erklärungen der obersten Führung der Ukraine, demnächst die Frage der Lieferungen und des Transits von russischem Gas zu Marktbedingungen zu lösen", hieß es im Bericht.

Sergej Kuprijanow, Pressesekretär des Vorstandsvorsitzenden der Gasholding, erläuterte der RIA Nowosti: Gasprom "schlägt der Ukraine diverse Varianten vor, trifft jedoch auf der ukrainischen Seite auf keinen konstruktiven Dialog. Sie sind nicht bereit, Veränderungen welcher Art auch immer zu erörtern."

Dabei hatte der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko am 2. Dezember erklärt, er habe vor, "offen, auf der Basis der Marktprinzipien die Problematik der Beziehungen im Bereich der Lieferungen von russischem Gas und seines Transits über das ukrainische Territorium zu regeln". Den Worten des ukrainischen Präsidenten zufolge müsse die Republik demnächst gerade zu solchen Bedingungen die Frage des Kaufs und Transits von russischem Gas lösen.

"Statt dessen wurde Gasprom vorgeschlagen, die Präferenzen bei den Lieferungen von russischem Gas in die Ukraine aufrecht zu erhalten, und unter Berufung auf das geltende Regierungsabkommen erklärt, der Übergang zu Geldverrechnungen nach Marktpreisen und bei den Transittarifen sei unmöglich", wurde bei Gasprom mitgeteilt.

Der ukrainische Minister für Brennstoffe und Energetik Iwan Platschkow hatte seinerseits noch früher erklärt: "Die Ukraine ist nicht bereit, die Bedingungen der Gaslieferungen für 2006 zu verändern", sie werde auch weiter "in Übereinstimmung mit dem ukrainisch-russischen zwischenstaatlichen Gasabkommen für den Zeitraum 2003 bis 2013" arbeiten.

In diesem Zusammenhang wurde bei Gasprom präzisiert, dass das (bis 2013 gültige) russisch-ukrainische Regierungsabkommen über zusätzliche Maßnahmen zur Absicherung des Transits von russischem Gas über das ukrainische Territorium vom 4. Oktober 2001 Folgendes vorsieht: Die Verrechnungen für die Transitleistungen auf dem ukrainischen Territorium könnten sowohl in Form von Gaslieferungen als auch in Geldform erfolgen.

Hierbei heißt es in Artikel 2 des Abkommens: "Das Volumen des Transits von russischem Erdgas über das Territorium der Ukraine sowie die Höhe der Zahlungen in Geldform und/oder das Volumen der Gaslieferungen zur Bezahlung des Transits werden durch jährliche Regierungsprotokolle für den jeweiligen Zeitraum präzisiert."

Aufgrund der jährlichen Protokolle zum Regierungsabkommen seien Gasprom und Naftogas Ukrainy verpflichtet, in dem zwischen ihnen laufenden Transitvertrag entsprechende Veränderungen vorzunehmen, wurde bei Gasprom erläutert.

"Somit widersprechen die Vorschläge der russischen Seite, für das Jahr 2006 das neue Preisniveau für Erdgas und die Transittarife, wie sie sich auf dem europäischen Gasmarkt ergeben haben, im Regierungsprotokoll zu fixieren, in keiner Weise den früher getroffenen Vereinbarungen", heißt es im Pressebericht.

In den letzten fünf Jahren war der Preis für russisches Gas für die Ukraine unverändert geblieben und betrug 50 Dollar je 1 000 Kubikmeter bei einem Basispreis von 80 Dollar. Im gleichen Zeitraum haben sich die Gaspreise auf dem europäischen Markt beinahe verdoppelt. Der marktgerechte Gaspreis für die Ukraine, der nach der net-back-Methode berechnet ist (Gaspreis auf dem Basis-Absatzmarkt abzüglich der Transportkosten) beträgt über 160 Dollar. (RIA)

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