russland.RU berichtet in Wort und Bild aus Russland und über Russland. Ungebunden, unabhängig und überparteilich. Ohne Vorurteile und Stereotypen versucht russland.RU Hintergründe und Informationen zu liefern um Russland, die Russen und das Leben in Russland verständlicher zu machen. Da wo die großen Verlage und Medienanstalten aufhören fängt russland.RU an.


Archiv:
2003   2004   2005   2006   2007   2008   2009   2010   2011   2012   2013


20-11-2004 Ukraine
Russland verfolgt aufmerksam die Wahlen in der Ukraine
(Jewgeni Koschokin, Direktor des Russischen Instituts für strategische Forschungen)Am 21. November findet die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen in der Ukraine statt. Zwei Hauptkandidaten - Viktor Janukowitsch und Viktor Juschtschenko, entsprechend der heutige und der frühere Premier, haben praktisch gleiche Chancen.

Gewählt wird in der Ukraine, die Folgen werden sich aber auch in Russland spürbar machen.

Von allen Märkten der GUS ist nämlich der ukrainische Markt der aufnahmefähigste und perspektivreichste /der russische Markt nicht mitgerechnet/. Er liegt territorial nah und ist in höherem Maße voraussagbar als andere GUS-Märkte. Davon, ob der Markt der Ukraine für uns offen bleiben, ob die technologische Kooperation bestehen bleiben werde, hängen Arbeitsplätze in der russischen Atomindustrie, im Maschinenbau, im Verlagswesen und sogar im Militär-Industrie-Komplex ab. Somit ist Russland bei den heutigen ukrainischen Wahlen ein sehr interessierter "Fan".

Viktor Janukowitsch wird sich in seiner Eigenschaft als Präsident von Russland nicht absperren, denn das liegt nicht im Interesse der Ost- und der Südukraine, die seine Stütze sind. Wahrscheinlich wird der Druck auf die russische Sprache nachlassen. Die Drift der Ukraine in Richtung NATO und EU wird nicht aufgehalten, zugleich aber keine fixe Idee der gesamten internationalen Tätigkeit des Staates sein.

Was Viktor Juschtschenko betrifft, so fällt es hierbei schwerer, Prognosen zu stellen, denn das Team seiner Anhänger und auch er selbst sind seit langem schon nicht an der Macht. Zu der nächsten Umgebung des Anwärters gehören hauptsächlich rationale Pragmatiker. Sie leiden weder an Russlandphobie noch an der Phobie gegenüber der russischen Sprache. Sie meinen einfach, dass es vorteilhafter sei, nach West zu gehen, und dass Englisch viel wichtiger sei als Russisch. Es gibt aber auch einen anderen Teil der Anhänger von Viktor Juschtschenko - die gut bekannten romantischen Ideologen, die seit vierzehn Jahren schon den Kalten Krieg gegen Russland führen. In Russland wird dieser Krieg zum größten Teil missachtet: Nur ab und zu äußert das Außenministerium seine Unzufriedenheit mit der zielstrebigen Schließung russischer Schulen, und russische Journalisten beklagen sich über die Verdrängung russischer Massenmedien aus der Ukraine.

Im Falle des Wahlsieges von Juschtschenko werden solche Ideologen am wahrscheinlichsten keine Schlüsselposten erhalten, ihnen wird die Führung der "wenig bedeutsamen" Bereiche - des Bildungswesens, der Kultur und der Massenmedien anvertraut. Und sie werden diese Instrumente für die Bearbeitung der Öffentlichkeit zugunsten des NATO- und EU-Beitritts benutzen. Aber der Beitritt zum Klub der Starken, sei es die NATO oder die EU, bedeutet noch nicht, dass der Neuling stark wird.

Andererseits brauchen sowohl Russland als auch die Ukraine solche Wirtschaften, die nicht an sowjetischen Vorläufen parasitieren, sondern auf den zukünftigen wissenschaftlich-technologischen Durchbruch orientiert sind. Eine enge Kooperation tut not, weil Russland und die Ukraine unter den Bedingungen der Globalisierung als einzelne Länder wirtschaftlich schwach sind.

Laut Angaben des Kiewer internationalen Instituts für Soziologie haben nach den Ergebnissen der öffentlichen Befragung über die Einstellung der Fernsehteilnehmer zu den in der Ukraine durchgeführten Debatten der Präsidentschaftskandidaten 45 Prozent der Befragten die Meinung geäußert, dass die Debatten im allgemeinen Viktor Janukowitsch gewonnen hat, 34 Prozent gaben die Palme des Sieges Viktor Juschtschenko. Der Meinung anderer Befragten nach sind die Debatten unentschieden geendet. Laut Angaben der Befragung erklärten die Befragten Viktor Janukowitsch zum Sieger im sozialen, innenpolitischen und außenpolitischen Block, Viktor Juschtschenko aber im wirtschaftlichen Block.

Laut den Angaben der Gesellschaft Sozis meinen 38,8 Prozent der Befragten, dass Janukowitsch aus den Debatten als Sieger hervorgehangen, 35,6 aber dass es Juschtschenko gewesen sei. Dabei gefiel Janukowitsch mehr 42,6 Prozent der Betragten, Juschtschenko - 42,0 Prozent. Ihren Entschluss in bezug auf die Abstimmung haben nach den Debatten 4,8 Prozent der Befragten geändert, 48 Prozent erklärten, dass die Debatten ihre Entscheidung nicht beeinflusst hätten.

Somit sind die Chancen von Janukowitsch und Juschtschenko in der zweiten Runde faktisch gleich. Russland erwartet mit angespanntem Interesse die Ergebnisse der zweiten Runde, die Einwohner Russlands sind vor der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen in der Ukraine stark interessierte Fans. (RIA)

Archiv:
2003   2004   2005   2006   2007   2008   2009   2010   2011   2012   2013