russland.RU berichtet in Wort und Bild aus Russland und über Russland. Ungebunden, unabhängig und überparteilich. Ohne Vorurteile und Stereotypen versucht russland.RU Hintergründe und Informationen zu liefern um Russland, die Russen und das Leben in Russland verständlicher zu machen. Da wo die großen Verlage und Medienanstalten aufhören fängt russland.RU an.


Archiv:
2003   2004   2005   2006   2007   2008   2009   2010   2011   2012   2013


18-03-2005 Ukraine
Die Ukraine von heute ist Russland von gestern
Russlands Präsident Wladimir Putin wird am 19. März nach Kiew reisen. Eine nicht gerade einfache Mission steht ihm bevor. Er wird mit einem Präsidenten zusammentreffen, auf den er nicht gesetzt hat, und mit einer Regierungschefin, gegen die in Russland ein Strafverfahren eingeleitet wurde.

Nach der "orange Revolution" müssen die bilateralen Beziehungen neu gestaltet werden. Zwar konnten die russisch-ukrainischen Beziehungen mit dem Moskau-Besuch Viktor Justschenkos im Januar wieder in den Rahmen der Anständigkeit gebracht werden, das war aber ein Protokollbesuch und kein Geschäftstreffen.

Eine offensichtliche Tatsache besteht indessen darin, dass sich in allen der GUS angehörenden früheren Unionsrepubliken nach dem Zerfall der UdSSR keine ernsthaften und wirklich revolutionären Umwälzungen ereignet haben - dort kam einfach die frühere örtliche Sowjet-Nomenklatur an die Macht, die sich, soweit sie in der Lage dazu war, den neuen Bedingungen anzupassen versuchte. Die einzige Ausnahme bildete eben Russland, wo es in der Jelzin-Epoche zu einer demokratischen Revolution mit allen deren Vor- und Nachteilen kam.

So manchen GUS-Staatschefs halfen die reichen politischen Erfahrungen, wie beispielsweise Gejdar Alijew in Aserbaidschan. Turkmenistans Staatschef profitierte vom Erdgas und von der im Volk tief sitzenden Gewohnheit, im Feudalismus zu leben. Anderenorts - etwa in der Ukraine - halfen den Machthabern Demagogie und Wendigkeit. Nun, mit einer gewissen historischen Verzögerung, fangen die über den postsowjetischen Raum verstreuten revolutionären Minen an, zu explodieren. Zum Glück sind diese - natürlich prognostizierbaren - Explosionen in Samt verpackt.

In einem Kommentar zum Abschluss der ersten Amtszeit von Präsident Wladimir Putin verwies ich unter anderem auf besonders deutliche Risiken des Präsidenten im außenpolitischen Bereich, die den Kremlherrn in absehbarer Zukunft erwarten könnten. Zu diesen zählte in erster Linie gerade die politische Instabilität in einigen Nachbarstaaten. Dort hieß es auch: Zu den Aufgaben des Präsidenten Russlands für die zweite Amtszeit gehört die Aufrechterhaltung normaler Beziehungen mit den Nachbarn, unabhängig davon, wer dort an die Macht kommen mag.

Natürlich hängt nicht alles vom russischen Staatschef ab. Angesichts des Gewichts Russlands traf Moskau natürlich die Hauptverantwortung für die Aufrechterhaltung der Stabilität an Russlands Grenzen und für den Schutz der nationalen Interessen.

In Georgien und in Moldawien hatte Moskau Pech mit den Verhandlungspartnern. Insofern sollte Wladimir Putin nicht allzu stark für die Abkühlung der Beziehungen mit diesen Ländern gerügt werden. Die Unberechenbarkeit von Herrn Saakaschwili und Herrn Woronin hat Russlands Außenamt bereits mehrmals in eine Sackgasse geführt.

Um die Ukraine ist es anders bestellt. Dort sind Russlands Interessen unvergleichbar größer, und auch die Fehler, die gerade die russische Seite begangen hat, sind recht offensichtlich. Das Wichtigste besteht aber darin, dass vieles, was heute in der Ukraine vor sich geht, im Unterschied zu Georgien, leicht vorhersagbar war. Mehr noch: Was heute in der Ukraine geschieht, ist eine Art déjà vue.

Die Ukraine von heute ist nämlich Russland von gestern, nämlich Russland der Epoche Jelzins. Wir sehen den gleichen Startelan, die gleiche revolutionäre Unduldsamkeit, die gleiche Romantik zum Nachteil eines besonnenen Pragmatismus wie auch die Verteilung nicht erfüllbarer Versprechungen an die Bevölkerung und das leider unvermeidbare personelle Durcheinander an der Spitze. Und schließlich auch den blinden Glauben an den Westen, der "unbedingt helfen" werde.

All das kann nur die Zeit heilen - aber auch Russland, das die gleichen Krankheiten erst vor kurzem durchgemacht hat.

bei russland.RU
Schwerpunkt – Ukraine
Als ein erfahrener Patient könnte Russland derUkraine viele sachliche Ratschläge geben, um zumindest einen Teil der Fehler zu vermeiden, die die russischen Jungreformer begangen haben. Vorausgesetzt natürlich, dass die Ukrainer bereit sind, den Russen Gehör zu schenken. Wenn das nicht heute geschieht, dann vielleicht morgen oder übermorgen. Putins Aufgabe besteht nur darin, diesen Augenblick taktvoll zu nutzen.

Darüber, dass ein solcher Augenblick kommen wird, besteht kein Zweifel. Es gibt Gesetze der Marktwirtschaft und der Geopolitik, die sich in den Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine nicht außer Kraft setzen lassen, egal wie sich das so manche wünschen mögen.

Das Wichtigste besteht darin, dass Russland, das in der Ukraine kurzfristig verloren hat, langfristig dennoch gewinnen wird. Sobald das begriffen wird, kann man sich viel ruhiger auf den Weg nach Kiew machen. Es besteht nicht der geringste Grund zur Panik. (Pjotr Romanow, politischer Kommentator der RIA Nowosti).

Archiv:
2003   2004   2005   2006   2007   2008   2009   2010   2011   2012   2013