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17-03-2005 Ukraine
"Satan" wurde friedlich und wird erfolgreich verkauft
(Juri Saizew, Experte des Instituts für Weltraumforschung). Die Gefechtsbesatzungen der Weltraumtruppen haben mit der Vorbereitung auf den für das zweite Quartal 2005 geplanten Start der Trägerrakete "Dnepr" begonnen.

Die "Dnepr" ist die Konversionsvariante der interkontinentalen ballistischen schweren Rakete R-36M2 "Wojewoda", die nach der NATO-Klassifikation SS-18 Satan heißt. Es sollen gleich 15 kosmische Flugkörper aus Ägypten, Saudi-Arabien, Russland und den USA auf Umlaufbahnen gebracht werden. Der Starttermin wird nach Maßgabe der Bereitschaft des Bodenkomplexes, der Trägerrakete und der kosmischen Flugkörper präzisiert, wurde bei der Russischen Weltraumagentur betont.

Zum ersten Mal wurde 1999 eine R-36 als Trägerrakete "Dnepr" zu friedlichen Zwecken von Baikonur gestartet. Danach gab es noch drei Starts. Insgesamt wurden 20 Satelliten in Umlaufbahnen gebracht.

"Der Einsatz der ausgemusterten interkontinentalen ballistischen Raketen für die Einsteuerung von unterschiedlichen kommerziellen und wissenschaftlichen Nutzlasten in Umlaufbahnen ist ein recht vorteilhaftes Geschäft auf dem Weltmarkt der Startleistungen", meint Anatoli Perminow, Leiter der Föderalen Weltraumagentur (Roskosmos). "Dabei ist hier der Vorteil doppelt und sogar dreifach. Wir werden überschüssige Raketen los, die wir in Übereinstimmung mit dem Abkommen über die Reduzierung der Offensivwaffen zu vernichten verpflichtet sind. Nach den Ergebnissen des Starts bewerten wir den Zustand der Raketen, die vorläufig im Diensthabenden System bleiben. Für die Einsteuerung einer Nutzlast in den Kosmos bekommen wir von den ausländischen Auftraggebern Geld, das es uns ermöglicht, die kosmische Produktion und die Infrastruktur der Kosmodrome aufrechtzuerhalten."

Heute stehen über 100 R-36-Raketen unterschiedlichen Jahrganges und verschiedener Modifikationen im Diensthabenden System der strategischen Raketentruppen (Russ. Abk.: RWSN). In diesem System werden sie sichwenigstens bis zum Jahr 2016 befinden und können im Zeitraum bis zum Jahr 2020 für den Start kosmischer Flugkörper eingesetzt werden.

Die Arbeiten beim kommerziellen Einsatz von "Dnepr"-Raketen werden durch die Internationale kosmische Korporation (MKK) Kosmotrans durchgeführt, der Unternehmen und Organisationen Russlands und der Ukraine angehören, die den Raketenkomplex R-36 entwickelt haben sowie die Garantieaufsicht und die Kontrolle im Prozess seiner Nutzung ausüben.

Nach einer Erklärung von MKK-Generaldirektor Wladimir Andrejew habe die Korporation fünf interkontinentale ballistische Raketen, die für den Umbau zu Trägerraketen bestimmt seien. Sollte es notwendig sein, werde man alle im Diensthabenden System stehenden Raketen in Trägerraketen umbauen können.

Mit den Möglichkeiten der Rakete ist alles klar: Die 100-prozentige Zuverlässigkeit, die für alle Kampfkomplexe kennzeichnend ist, und die sogar nach kosmischen Gradmessern enorme Tragfähigkeit - 9 Tonnen in einer niedrigen Basisumlaufbahn und 3,7 Tonnen in Umlaufbahnen in Höhen von 300 bis 800 Kilometern - ermöglichen den Start praktisch jeglicher kosmischer Flugkörper mit ihrer Hilfe. Der Start kostet auch nicht viel. Die Rakete wurde noch in der UdSSR entwickelt. Deshalb hat sie heute einen recht "bedingten" Marktpreis. Die erste und die zweite Stufe der Rakete sowie deren Triebwerke werden ohne irgendwelche Modernisierungen genutzt. An der dritten Stufe wird nur einer der Blocks des Steuersystems modernisiert.

Aber das Problem besteht darin, dass die "Dnepr"-Starts von dem bei Kasachstan gepachteten Kosmodrom Baikonur nur unter großem Widerstand der kasachischen Behörden vorgenommen werden. Nach internationalen Verträgen mussten sie die Einstellung der Starts der umweltschädlichen Flüssigkeitsraketen von Baikonur noch 2002 erwirken. Kasachstan hat auch mehrmals gefordert, dass neben der Bezahlung der Pacht des Kosmodroms auch ein Teil des Gewinns aus den kommerziellen Starts an das Land abgeführt wird.

Ende Dezember des vorigen Jahres nahmen die strategischen Raketentruppen einen Übungs- und Gefechtsstart der Rakete R-36M2 "Wojewoda" nicht von einer speziell eingerichteten Stellung im Kosmodrom Baikonur, sondern unmittelbar aus dem Stellungsraum der Raketendivision bei Orenburg vor.

Der Startraum war im Voraus mit zusätzlichen Messmitteln ausgerüstet, die es ermöglichten, den Zustand der Rakete bei der Vorbereitung auf den Start und im Anfangsflug zu kontrollieren. Der ganze Flug wurde durch Funkmessmittel des Hauptversuchszentrums der Weltraumtruppen und der drei Kosmodrome - Baikonur, Plessezk und Swobodny - kontrolliert. Damit überprüften die Angehörigen der Raketentruppen nicht nur die Gefechtsbereitschaft der Rakete, die im Laufe von 16 Jahren im Diensthabenden System gestanden hatte, sondern bestätigten auch die Möglichkeit kommerzieller Starts von Orten der ständigen Dislozierung der ausgemusterten Raketen.

Die Starts von Stellungen bei Orenburg haben auch andere wichtige Vorzüge. Die Rakete fliegt über die nicht besiedelten Gebiete Sibiriens. Die Trennung und der Fall des Triebwerkes der ersten Stufe und des Aluminiumtreibstoffbehälters mit der Treibstoffreserve erfolgen im Zentrum einer Ellipse mit einem Radius von 30 bis 50 Kilometern in einem versumpften Raum im Gebiet Tjumen. Die zweite Stufe fällt schon auf das Territorium des speziell dafür vorgesehenen Versuchsgeländes Kura auf Kamtschatka.

Bis in die jüngste Zeit hinein, einschließlich des bevorstehenden Starts, brachte die "Dnepr"-Rakete vorwiegend leichte Satelliten in Umlaufbahnen, dabei mehrere Satelliten bei einem Start. Nunmehr steht die Aufgabe, mit den Starts von großen kosmischen Flugkörpern mit einer Länge von bis zu 5,3 Metern und einer Masse von 2 bis 3 Tonnen zu beginnen. Dabei wird die mehrmals erprobte Standardbugverkleidung der Rakete unverändert bleiben, um das hohe Niveau an Zuverlässigkeit zu erhalten.

Das Spektrum der "Dnepr"-Startleistungen wird durch einen autonomen ein- und zweistufigen Raumschlepper auch erweitert. Der Flug des Ersteren ist für 2005 und des Zweiteren für 2007 geplant. Unterzeichnet wurden Abkommen zum Einsatz der "Dnepr"-Trägerrakete durch das Unternehmen Astrium für den Start des deutschen kosmischen Flugkörpers Terra SAR-X und durch das Nationale Zentrum für Weltraumforschung CNES (Frankreich) sowie ein Vertrag mit der amerikanischen Korporation Bigelow Aerospace für den Start von sechs schweren Satelliten in den Jahren 2006-2008 nach einem Programm zur Entfaltung von verschiedenen Konstruktionen im Kosmos und zur Erprobung neuer Technologien im Orbit. Außerdem unterzeichnete Kosmotrans mit der deutschen Korporation Space Tech GmbH ein Abkommen über Zusammenarbeit beim Marketing der "Dnepr"-Trägerrakete auf dem Weltmarkt der Startleistungen. Dabei sehe das Abkommen, so Wladimir Andrejew, nicht nur die Marketingunterstützung, sondern auch eine technische Zusammenarbeit im kosmischen Raketenzweig vor.

Nach Expertenschätzungen könne der Bedarf des Startleistungsmarktes an der "Dnepr"-Trägerrakete in den Jahren 2005-2008 16 bis 18 Starts betragen.

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