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05-03-2005 Ukraine
Ukrainischer Ex-Minister begeht offenbar Selbstmord – Dunkle Wolken über Ex-Präsident Kutschma
Der in der Ukraine tot aufgefundene frühere Innenminister Juri Krawtschenko soll in einem Abschiedsbrief den früheren Präsidenten Leonid Kutschma belastet haben.

Krawtschenko hatte sich laut Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine am Freitagmorgen in seinem Landhaus erschossen.
Info
Juri Fjodorowitsch Krawtschenko wurde am 5. März 1951 in der Stadt Alexandrija, Gebiet Kirowograd, Ukraine, geboren.

Ab 1974 war er im Innenministerium tätig.

1989 - 1992 Leiter der Verwaltung für innere Angelegenheiten des Gebietes Kirowograd.

1992 - 1994 stellvertretender Innenminister und Leiter der Kriminalmiliz der Ukraine,

1994 - 1995 Vorsitzender des Staatlichen Zollkomitees der Ukraine.

Von Juli 1995 bis 2001 war er Innenminister der Ukraine.

Krawtschenko hat seine Ehefrau und zwei Töchter hinterlassen.
Der Politiker war in die Staatsaffäre um den Mord an dem Journalisten Georgi Gongadse verwickelt und sollte am Vormittag bei der Staatsanwaltschaft aussagen.

Abgeordnete forderten die sofortige Festnahme von Ex-Präsident Leonid Kutschma, der derzeit im tschechischen Karlsbad Urlaub macht. Er wird beschuldigt, im Jahr 2000 die Beseitigung des unliebsamen Journalisten befohlen zu haben.

Krawtschenkos Leiche habe "Spuren einer Schussverletzung" an der Schläfe aufgewiesen; der 53-Jährige habe eine Pistole in der Hand gehabt, berichrtete Interfax-Ukraine.

Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko sagte in einer ersten Reaktion, der frühere Innenminister habe sich selbst gerichtet.

Die "Affäre Gongadse" hatte seinerzeit Massenproteste in der Ukraine ausgelöst und die Oppositionsbewegung gestärkt, die unter Juschtschenko im Dezember den Machtwechsel herbeiführte. Der neue Präsident und Nachfolger Kutschmas hatte es als eines seiner größten Ziele bezeichnet, die Affäre aufzuklären.

Der Chefredakteur der oppositionellen Internet-Zeitung „Ukrainskaja Prawda" („Ukrainische Wahrheit"), Georgi Gongadse, war am 16. September 2000 in Kiew verschwunden.

Gongadse hatte in der Internetzeitung mehrfach kritische Berichte über Kutschmas Regierung veröffentlicht.

Anfang November 2000 wurde in einem Wald im Kreis Taraschtschany des Gebietes Kiew eine Leiche ohne Kopf aufgefunden. Eine Untersuchung unter Beteiligung ausländischer Experten ergab, dass die „Leiche von Taraschtschany" mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,6 bis 99,9 Prozent als der vermisste Journalist identifiziert werden konnte.


Der Oberste Rat der Ukraine bildete eine zuständige Kommission für die Untersuchung des Mordes an Gongadse unter Leitung des Abgeordneten Grigori Omeltschenko.

Der frühere Staatssicherheitsoffizier Nikola Melnischenko schmuggelte Tonbänder außer Landes, auf denen ein Gespräch zwischen Kutschma und Krawtschenko aufgezeichnet sein soll.

Der Chef der Parlamentsfraktion der Sozialistischen Partei der Ukraine, Alexander Moros, verlas am 28. November 2000 von der Tribüne des Obersten Rates die Tonaufzeichnung von Verhandlungen, die im Arbeitsraum des Präsidenten Leonid Kutschma von seinem Leibwächter Nikolai Melnitschenko aufgenommen worden sein sollen. In dem aufgezeichneten Gespräch wurde unter anderem Georgi Gongadse erwähnt. Kutschma gab darin angeblich die Anweisung, den unliebsamen Journalisten zu beseitigen.

Nach der Veröffentlichung der Tonaufzeuchnung brach eine schwere innerpolitische Krise - der sogenannte „Kassetten-Skandal" - in der Ukraine aus. Zu den wichtigsten handelden Personen gehörten Leonid Kutschma selbst, der Innenminister der Ukraine, Juri Krawtschenko, der Vorsitzende des Sicherheitsdienstes der Ukraine, Leonid Derkatsch, und der Chef des Präsidentenstabs, Wladimir Litwin.

Krawtschenko musste zurücktreten, als die Affäre Gongadse ihren Höhepunkt erreichte.

Nikolai Melnitschenko, der Asyl in den USA bekommen hat, besteht darauf, dass diese Tonbänder den Akten über den Fall Gongadse beigeführt werden, der von der Generalstaatanwaltschaft der Ukraine untersucht wird.



Über Ex-Präsident Kutschma ziehen sich Wolken zusammen

Der Tod des ukrainischen Ex-Innenminister Juri Krawtschenko bestätigt laut Sergej Markow, Direktor des Moskauer Instituts für politische Studien, dass hinter dem Mord an dem oppositionellen Journalisten Georgi Gongadse die frühere ukrainische Führung steckte.

"Heute kann man zwei Versionen des Todes Krawtschenkos untersuchen: Entweder war es Selbstmord, denn er wusste, dass er einer Strafe nicht entgehen würde, oder jemand war an Krawtschenkos Tod interessiert, um die Spuren zu verwischen, die zu den Drahtziehern (der Ermordung von Gongadse) führen", meinte Markow.

bei russland.RU
Schwerpunkt – Ukraine
All das lasse darauf schließen, dass hinter dem Mord an dem oppositionellen Journalisten Georgi Gongadse die frühere ukrainische Führung steckte. "Die oberste Staatsführung wusste von diesem Mord (an Gongadse). Dass er nicht aufgeklärt wurde, spricht für die Korruptheit des Regimes", sagte der Politologe.

Er räumte ein, dass nach dem Tod des Ex-Innenministers der frühere ukrainische Staatspräsident Leonid Kutschma mit dem Fall Gongadse in Zusammenhang gebracht werden kann.

"Die jetzige Führung wird versuchen, Kutschma zu kriegen und über eine mögliche Mittäterschaft von ihm an der Ermordung des Journalisten zu ermitteln", äußerte Markow. Viele Mitarbeiter der Administration des jetzigen Präsidenten Viktor Juschtschenko "hassen Kutschma", ergänzte er.

"Alle wollen mit Kutschma abrechnen. Das Bedauerlichste ist, dass keiner für Kutschma eintreten kann, wenn die Vorwürfe zu schwer sind", so Markow weiter.

Indessen hat die kommunistische Fraktion des Obersten Rates nach dem plötzlichen Tod des ehemaligen Innenministers Juri Krawtschenko die Verhaftung des ukrainischen Ex-Präsidenten Kutschma dringend gefordert, der sich jetzt in der Republik Tschechien privat aufhält.

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