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22-12-2004 Ukraine
Ukraine fand besseren Wahlkandidaten als Juschtschenko und Janukowitsch: den Weihnachtsmann
Im Vorfeld des "dritten Wahlgangs" am 26. Dezember, dessen Konsequenzen im Moment nicht voraussagbar sind, erlauben sich die Ukrainer ein bisschen Spaß. Neben den Zelten der standhaftesten Fans der Orangerevolution, die trotz der kommenden Silvester- und Weihnachtsfeierlichkeiten nicht nach Hause gehen wollen,

sind Menschen mit Spruchbändern aufgekreuzt, auf denen geschrieben steht: "Der Weihnachtsmann ist unser Präsident." Die Herausforderung wurde angenommen: Nun verläuft der Kampf um das Präsidentenamt auf dem Unabhängigkeitsplatz nicht zwischen Juschtschenko und Janukowitsch, sondern zwischen Juschtschenko und dem Weihnachtsmann.

Gott weiß, ob das von gesundem Menschenverstand des ukrainischen Volkes zeugt oder von einer leichtsinnigen Euphorie, die, wie die Geschichte zeigt, oft einer großen Tragödie vorausgeht. Wenn man Memoiren glaubt, gab es keine heiterere Zeit in Europa, als die vor dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg. Das gilt auch für Russland, das sich vor dem Beginn des Ersten Weltkrieges und der darauf folgenden Revolution prächtig amüsiert hatte.

Eigentlich gibt es in der durch politische Wirren in zwei Hälften gespaltenen Ukraine nichts zu lachen. Einer der Wahlkandidaten, Herr Juschtschenko, warnt, die Wahl könne vereitelt werden, denn seine Opponenten seien dabei, ein Komplott vorzubereiten. Der andere Kandidat, Herr Janukowitsch, erklärt im Voraus, sein Gegner werde selbst im Fall eines Wahlsieges nicht zum Präsidenten. Janukowitsch mahnt, Zehntausende von seinen "blauweißen" Anhängern seien zu einem Marsch auf die Hauptstadt bereit und kaum aufzuhalten. Wenn man berücksichtigt, dass sich dort die Marschteilnehmer auf Zehntausende von "orangen" Juschtschenko-Anhängern treffen, so kann man sich auf etwas gefasst machen. Nicht umsonst schließt die ukrainische Polizei, die sich erst vom zweiten Wahlgang erholt hat, die Anwendung von Waffen nicht aus.

Auch andere Berichte aus Kiew sind alles andere als witzig. Der OSZE-Vertreter in der Ukraine, Herr Nicholas, verstößt gegen sein Mandat, indem er von der Unterstützung für Juschtschenko spricht und keinen Hehl daraus macht, dass er das Geld der internationalen Organisation für die Unterstützung eines der Kandidaten ausgibt. Herr Brzezinski, der gewöhnlich hinter der Kulisse hervortritt, bevor irgendwo ein Feuer entbrennt, sagt, die Ukraine dürfe unter keinen Umständen an Russland abgetreten werden.

Woher kommt aber der ganze Streit? Juschtschenkos Anhänger von der Jugendorganisation Pora gaben auf einer Pressekonferenz in Moskau offen zu, ihr Kandidat werde ein "schlechter Präsident" sein. Sie seien auf den Unabhängigkeitsplatz gekommen, weil Janukowitsch noch schlechter sei. Es ist also höchste Zeit, sich zu amüsieren.

Unter diesen Umständen wäre der Weihnachtsmann in der Tat der beste Wahlkandidat. Erstens ist er eine Kompromissfigur, und zweitens kann er schlimmstenfalls den Bürgern in der Silvesternacht die Nasen abfrieren lassen. (Pjotr Romanow, politischer Kommentator der RIA Nowosti).

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