russland.RU berichtet in Wort und Bild aus Russland und über Russland. Ungebunden, unabhängig und überparteilich. Ohne Vorurteile und Stereotypen versucht russland.RU Hintergründe und Informationen zu liefern um Russland, die Russen und das Leben in Russland verständlicher zu machen. Da wo die großen Verlage und Medienanstalten aufhören fängt russland.RU an.


Archiv:
2003   2004   2005   2006   2007   2008   2009   2010   2011   2012   2013


13-12-2004 Ukraine
Politologin bezeichnet Ukraine als Schauplatz der Konfrontation zwischen Russland und Westen
Die Ukraine stellt heute einen Schauplatz der Konfrontation zwischen Russland und dem Westen dar. Diese Meinung äußerte die Leiterin des Zentrums für die Eliteforschung des Soziologieinstituts der Russischen Akademie der Wissenschaften, Olga Kryschtanowskaja.

Der Westen habe dabei einen Trumpf, bei dem es sich um eine starke demokratische Ideologie handle. Diese Ideologie propagiere hohe Werte wie Freiheiten und Menschenrechte. Russland könne kaum eine Alternative dafür bieten. „Die einheimische Politikelite gibt keine Antwort auf die Frage, für welche sittliche Zwecke Russland die Ukraine in seinen Einflussbereich hineinzieht", sagte Olga Kryschtanowskaja auf einer RIA-Nowosti-Pressekonferenz.

Vor dem Hintergrund der russischen Bestrebung nach einer führenden Rolle im postsowjetischen Raum sehe zwar Russlands offene und aktive Teilnahme am politischen Prozess in der Ukraine strategisch begründet aus. Moskau habe jedoch ernsthafte taktische Fehler begangen. Der Kreml handle zu unflexibel bei der Prioritätensetzung, indem er einen Kandidaten als ideal für Russland betrachte und den anderen strikt ablehne. Wegen dieser starren Position war Russland laut Kryschtanowskaja auf das Szenario nicht gefasst, bei dem „nicht unser Kandidat" gewinnt.

Es habe außerdem einen „Managerfehler" gegeben. Selbst in Russland bedeute die völlige Unterstützung eines Kandidaten durch die Staatsmacht keine Garantie für dessen Wahlsieg.

Die Politologin äußerte sich auch dazu, wie sich die Situation in der Ukraine weiter entwickeln kann. Falls die Opposition gewinne, breche die Ukraine die Beziehungen mit Russland zwar nicht ab, distanziere sich aber maximal von Moskau. In diesem Fall lande die Ukraine im Einflussbereich der Europäischen Union und trete wahrscheinlich der Nato bei.

Komme der prorussische Wahlkandidat an die Macht, so werde die Ukraine zu einer parlamentarischen Republik umgestaltet, inder der Chef der Mehrheitspartei zum Ministerpräsidenten werde und das Kabinett bilde. Das sei dann die „Generalprobe" der Reform, die die russische Führung 2008 nach dem Ende von Putins Amtszeit plane, damit der heutige Präsident an der Macht bleibe. (Putin werde dann Regierungschef und übernehme im Zuge der Reform all die relevanten Machtfunktionen in Russland.) Außerdem sei es für eine erfolgreiche Integration Russlands und der Ukraine vorteilhaft, dass die beiden Länder die gleichen politischen Systeme hätten.

Das radikalste Szenario wäre laut Kryschtanowskaja die Spaltung der Ukraine in den östlichen und den westlichen Teil. „Die Spannungen lassen sich abbauen, wenn etwa zwei Drittel der Wähler für einen Kandidaten stimmen und ein Drittel den anderen unterstützt. In der Ukraine wird es aber kaum dazu kommen", hieß es.

In den beiden Wahlgängen habe der landesweite Abstand zwischen Juschtschenko und Janukowitsch weniger als drei Prozent betragen. Im Westen des Landes und in der Hauptstadt habe die absolute Mehrheit der Wähler für den Oppositionskandidaten gestimmt. Im Süden sowie im industriellen Osten der Ukraine war das Gegenteil zu beobachten, so Kryschtanowskaja weiter. Dass Juschtschenko nun im Süden und im Osten und Janukowitsch im Westen und in Kiew Unterstützung finde, sei fast unwahrscheinlich.

„Eine Spaltung der Ukraine ist aus meiner Sicht höchst wahrscheinlich. In der Ukraine sehen wir zwei Eliten und zwei Wahlvölker. Möglicherweise wird es auch zwei Präsidenten auf zwei Territorien geben", hieß es.

Kryschtanowskaja sagte, in nächster Zeit erwarte sie einen harten taktischen Kampf unter allen beteiligten Kräften. (RIA)

Archiv:
2003   2004   2005   2006   2007   2008   2009   2010   2011   2012   2013