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13-10-2004 Ukraine
In Russland wird im Vorfeld der ukrainischen Präsidentenwahl um Stimmen „russischer Ukrainer" gekämpft
In der elitärsten Versammlungshalle der russischen Hauptstadt, dem Säulensaal des Gewerkschaftshauses, hat eine Tagung der gesellschaftlichen Organisationen der Ukrainer in Russland stattgefunden. Teilnehmer waren 1 200 Vertreter der Ukrainer, die ständig in Russland wohnen.

Um sich mit ihnen zu treffen, kam der ukrainische Regierungschef, Präsidentenkandidat Viktor Janukowitsch. Er hielt einen Vortrag über die Situation in seiner Heimat. Außerdem wurden Janikowitsch und der Präsident der Ukraine, Leonid Kutschma, vom russischen Staatschef Wladimir Putin in seiner Sommerresidenz Nowo-Ogarjowo empfangen. Putin sprach sich für einen umfassenden Ausbau der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen den beiden Ländern aus, aber auch für die Förderung der Kontakte zwischen den einfachen Menschen.

„Russland wird jede Wahlentscheidung des ukrainischen Volkes respektieren", betonte Russlands Präsident. Diese Entscheidung sei den Russen jedoch nicht gleichgültig. Auch die Delegierten der Ukrainer-Tagung nahmen kein Blatt vor den Mund, als sie über die Präsidentenwahl im Nachbarland sprachen. Für Russland sei es am wichtigsten, dass das ukrainische Volk auf einen Kandidaten setze, der die „brüderliche Freundschaft und Kooperation" zwischen den beiden Staaten weiter festige.

Praktisch jeder Tagungsteilnehmer hat Verwandte in der Ukraine. Aus Russlands nördlichen und fernöstlichen Regionen, in denen heute über 200 000 ethnische Ukrainer leben, wurde in den schwierigen Jahren massenweise Geld in ukrainische Städte und Dörfer überwiesen, um den Verwandten zu helfen, die es schwer hatten.

Die meisten qualifizierten Bauarbeiter, Bus- und Straßenbahnfahrer, aber auch Händler auf den unzähligen Moskauer Märkten stammen aus der Ukraine. Laut verschiedenen Schätzungen leben in Russland insgesamt zwischen fünf und sieben Millionen ethnische Ukrainer. Es ist ihnen, genau so wie der Staatsführung, nicht egal, wie sich die Beziehungen zwischen den beiden Bruderstaaten nach der Wahl am 31. Oktober gestalten.

Die Wahlversprechen, das Recht auf die doppelte Staatsbürgerschaft, von der die Ukrainer in Russland träumen, in der ukrainischen Verfassung zu verankern, das Russische zur zweiten Staatssprache zu machen, die Grenztransport-Regelung für die Bürger der beiden Staaten zu vereinfachen sowie einen einheitlichen Wirtschaftsraum zu gründen, sind Balsam für die Seelen der Ukrainer und der Russen.

Die Annäherung an Russland soll aber keine Entfernung von Europa und dem Westen bedeuten, sagte Janukowitsch. Die Ukraine wolle nicht der Nato beitreten, denn für die ukrainische Verteidigungsindustrie, den Eckpfeiler des Produktionspotentials des Landes, würde das tödlich sein: Das Nordatlantische Bündnis brauche keine Waffen und keine Kriegstechnik, die von ukrainischen Betrieben produziert wurden. Andererseits ist es heute laut Janukowitsch unmöglich, die Sicherheit und die Verteidigungsbereitschaft des Landes zu gewährleisten oder gegen den internationalen Terrorismus zu kämpfen, ohne mit den europäischen Ländern, den USA und Russland zu kooperieren. Die Ukraine bleibe ein blockfreier Staat, arbeite aber mit allen Nachbarländern militärisch zusammen.

Dasselbe betreffe auch die Wirtschaft. Die Ukraine strebe weiterhin die Annäherung an die Europäische Union, den WTO-Beitritt sowie die Gründung eines einheitlichen Wirtschaftsraumes mit Russland, Weißrussland und Kasachstan an. Dieser Kurs kann sich nicht verändern, denn er trägt zum Wohlstand der Ukraine bei, hieß es. (Viktor Litowkin, RIA Nowosti)

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