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06-12-2004 Ukraine
Sicherheitsgrad der ukrainischen Wirtschaft - zwei Wochen bis zu einem Monat
Wenn sich die Weltmarktkonjunktur für die Produktion des Hüttenwesens und der chemischen Branche nicht verändern wird, so kann es sich die Ukraine leisten, im Laufe von einer oder zwei Wochen Kundgebungen abzuhalten. Aber nicht länger. Der maximale Sicherheitsgrad der ukrainischen Wirtschaft reicht für einen Monat aus.

Bekanntlich hat der Präsident der Ukraine Leonid Kutschma erklärt, dass die Verschleppung der politischen Krise in der Ukraine unumkehrbare Prozesse in der Wirtschaft zur Folge haben könne. Und er hat sogar seine Schlussfolgerungen mit Zahlen illustriert: Die Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts ging im Oktober gegenüber dem August fast auf die Hälfte zurück, die Zuwachsrate der Industrieproduktion ist heute um 60 Prozent niedriger als im Oktober des Vorjahres. "Die Auffüllung des Staatshaushalts, der ein empfindsamer Gradmesser des Zustandes der Wirtschaft ist, ging zurück", betonte er.

Der Präsident verwies ferner darauf, dass auch der Haushaltsprozess für 2005 gebremst worden ist. Ihm zufolge verliert das Land sein Ansehen auf den internationalen Märkten, was mit einer Hintertreibung des Kreditprogramms droht. Der Wert der staatlichen Obligationen ist auf den Außenmärkten bereits um drei Prozent gesunken.

Selbstverständlich besteht die direkte Pflicht des Präsidenten sein Volk vor möglichen Tragödien zu warnen. Wenngleich auch in der Ukraine einstweilen noch keine offensichtlichen Merkmale der heraufziehenden Krise zu beobachten sind. Die Wirtschaft eines ganzen Landes ist kein Kartenhaus, das augenblicklich auseinander fallen kann. Wenn es aber zu viele Momente geben wird, so kann sich alles verändern.

Es wird angenommen, dass die Ukraine auf Kosten der Pipeline, durch die Erdöl und Gas aus Russland im Transit nach Europa fließen /die Erdölleitung Freundschaft/ leben könne. Ja, sie bezieht dafür eine fixierte Rente. Aber dieser Einnahmeposten ist im Haushalt des Landes nicht ausschlaggebend.

Die Wirtschaft der Ukraine wird von den Exportzweigen, solchen wie Chemie und Metallurgie, vorwärts gebracht. Die Ukraine ist an Rohstoffquellen reicht. Hier sind einmalige Nickel-, Titan-, Kohle- und Tonerdevorkommen vorhanden. Und das hohe Tempo des Wirtschaftswachstums der Ukraine in den letzten Jahren ist von der guten Marktkonjunktur für die Rohstoffe bedingt. Traditionell gut ist in diesem Lande auch die Nahrungsgüterindustrie entwickelt. Hier werden die in Russland und im fernen Ausland gut bekannten Wodka-Sorten /Nemiroff, Sojuz-Viktan/, Ketcup uam. produziert. Dabei ist Russland der Hauptkäufer dieses Sortiments. Solange die Marktkonjunktur für die Exporterzeugnisse unverändert bleibt, droht der Wirtschaft der Ukraine nichts.

Die Revolution darf aber nicht in die Länge gezogen werden. Als erste kann dadurch das Banksystem als der gegen alle Erschütterungen empfindsamste Wirtschaftssektor zu Schaden kommen. Bekanntlich wird es heute schon wie vom Fieber geschüttelt. Das Volk lief in die Banken, Geld von den Terminguthaben abzuheben. Im Ergebnis verordnete die Nationalbank der Ukraine eine Sperre für die Terminguthaben. Nach dieser Verordnung stellten alle Währungsumtauschstellen den Verkauf der Dollars an das Volk ein und kaufen sie lediglich auf. In weniger als 24 Stunden ist der Kurs der amerikanischen Währung hier hochgeschnellt. Heute ist ein Dollar auf dem schwarzen Markt nicht etwas mehr als fünf Griwna, sondern sechs Griwna wert.

Dr. sc. oec. Alexej Beljankin meint: "Der Abfluss des Bargeldes ist für das Finanzsystem des Landes gefährlich. Wenn diese Situation mehr als zwei Wochen andauern wird, sind ernsthafte Folgen möglich. Wenn die Revolution einen Monat andauern wird, so können die Veränderungen unumkehrbar werden". Das bedeutet, dass das Banksystem des Landes einfach zusammenbrechen wird. Das würde aber ebenso viel bedeuten, wie das Blutsystem im Organismus abzusperren. Das Problem der Zahlungsverweigerung wird entstehen und die Produktion lahm liegen.

Wie aber Alexander Chandrujew, Erster Vizepräsident der Vereinigung der regionalen Banken Russlands, meint, "kommt es heute auf das Vertrauen der Bevölkerung an. Sobald es endgültig untergraben worden ist, wird sich der Prozess nicht mehr aufhalten lassen.
bei russland.RU
Schwerpunkt – Ukraine


Über dieses Thema wird im Russland - Politikforum diskutiert - Gefährliches Zündeln in der Ukraine
Die politischen Ereignisse in der Ukraine werden aber nicht zu einer umfassenden Bankkrise führen. Das Szenario der Katastrophen wird nicht umgesetzt".

Indessen beschloss aber die internationale Ratingagentur Moody's Investors Service sich doch abzusichern und änderte die Prognose des höchsten Ratings der Verbindlichkeiten der Ukraine in ausländischer Währung /B1/ von "positiv" auf "in Entwicklung begriffen" ab. Zugleich nahm sie das höchste Rating der ukrainischen Bankdepositen in ausländischer Währung /B2/ in die Liste für die Überprüfung in Richtung auf Rückgang auf. Die Prognose des Ratings der ukrainischen staatlichen Obligationen in nationaler Währung /B1/ ist ebenfalls von "positiv" auf "in Entwicklung begriffen" abgeändert worden.

Wenn aber die einander gegenüber stehenden Seiten in den nächsten Tagen zu einem Konsens kommen werden, so wird sich die Ukraine schnell nach den durchgemachten Erschütterungen erholen, denn ihre Wirtschaftsperspektiven sind gar nicht schlecht. Wer im Lande auch an die Macht kommen würde, werden die Investitionen ins Land fließen. Der Unterschied besteht lediglich in den Finanzierungsquellen. Siegt Viktor Janukowisch, so werden der Ukraine russische Investitionen sicher sein. Juschtschenko stützt sich aber, wie behauptet wird, auf westliches Geld.

Die Ukraine ist außer ihren Bodenschätzen auch noch durch ihre fruchtbaren Böden berühmt. Die ganze Westukraine liegt auf der Schwarzerde. Der Osten war aber schon zu den Zeiten des russischen Reichs eine Schmiede der Industrie. Saporoschje, Dnepropetrowsk und Poltawa sind auch heute große Industriezentren. Im Osten ist die Eisenbahndichte die höchste in der Welt. Und dazu noch sind die Arbeitskräfte am billigsten. Der Lohn eines Bergmanns ist in Großbritannien auf das Drei- bis Vierfache höher als in der Ukraine. Das färbt sich selbstverständlich auf den Preis der Erzeugnisse ab. Wenn also die revolutionäre Situation das Land nicht zur vollen Erschöpfung führen wird, so wird es voraussichtlich seine wirtschaftliche und Investitionsattraktivität nicht einbüßen. (Jana Jurowa, politische Kommentatorin der RIA Nowosti)

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