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03-12-2004 Ukraine
Sieg der Opposition wäre kein Ausweg für die Ukraine
(Politologe Alexander Dugin). Der Oppositionskandidat Viktor Juschtschenko feiert bereits seinen Sieg, ohne das Urteil des Obersten Gerichts abzuwarten, das seine Klage wegen Fälschungen bei der Stichwahl um das Präsidentenamt prüft. Liegt denn der Sieg der Opposition, selbst wenn er zur Realität wird, im Interesse der Ukraine?

Bereits nach dem ersten Wahlgang bei der Präsidentenwahl in der Ukraine wurde klar, dass der Staat bald durch einen Bürgerkonflikt mit geopolitischer Schattierung in zwei verfeindete Lager gespalten wird.

Der geopolitische Sinn der Entwicklung in der Ukraine besteht darin, dass die ukrainische Staatlichkeit noch in Kinderschuhen steckt und sich die ukrainische Gesellschaft bislang nicht auf den weiteren Weg der Festigung der Staatlichkeit einigen konnte. Ein Teil der Ukrainer verbindet sein Schicksal mit einer schnellstmöglichen Abkehr zum Westen. Ein anderer Teil verbindet die Zukunft des Landes nur mit einem engen Bündnis mit Russland. Es liegt klar auf der Hand, dass nur eine gemäßigte und ausgewogene Politik, die beide Vektoren mit berücksichtigen würde, in dieser Situation in der Lage wäre, die Integrität des Landes zu erhalten. Das war Leonid Kutschma gelungen, der gekonnt zwischen Washington und Moskau manövrierte. Um die faktisch zwei Ukrainen zu einem einheitlichen Ganzen verschmelzen zu lassen, braucht man Jahre.

Juschtschenko hatte sich von Anfang an als ein ultrawestlicher Politiker positioniert, sowohl im Maßstab der Ukraine (Stützen auf die prowestlichen Gebiete Lwow, Iwano-Frankowsk und einige andere) als auch in umfassenderem Sinne (Orientierung auf die USA und atlantische Kräfte in der Europäischen Union). Juschtschenkos Ukraine brach abrupt mit der „Viel-Vektoren-Politik" Kutschmas und entschied sich unmissverständlich nur für den Westen. Das bedeutet, dass prorussische Erwartungen in der Ostukraine, auf der Krim und der russischsprachigen Bevölkerung durchkreuzt werden. Juschtschenko konnte nicht umhin zu verstehen, dass dieses Szenario unweigerlich zu einem Konflikt führen sollte und selbst ein Sieg bei den Präsidentenwahlen für ihn später immense Probleme zur Folge haben würde. Es entsteht der Eindruck, dass Juschtschenko darauf gefasst war, Präsident der halben Ukraine, ihres westlichen Teils, zu werden. Auch heute noch appelliert er an die Westukraine im Bestreben, den elektoralen Schlagabtausch zu einem massenhaften Aufstand und einen breiten nationalen Konflikt ausarten zu lassen.

Juschtschenkos Hauptrivale Viktor Janukowitsch konnte diese harte Strategie nicht klar mit der „Viel-Vektor-Politik" Kutschmas kontern und sah sich gezwungen, sich auf die Ostukraine, die Krim und sogar auf Moskau zu stützen. Ebenso der Kreml, der sich angesichts der aufrichtigen russophoben Rhetorik Juschtschenkos im Wahlprozess auf der Seite eines Moskau genehmen Kandidaten engagieren musste. Im Grunde genommen wurde Janukowitsch wider Willen dem prorussisch gesinnten östlichen Sektor der Wähler zugeordnet. Das ist seine einzige Stütze. Vor dem Hintergrund Juschtschenkos wurde Janukowitsch zum Präsidenten der anderen Hälfte der Ukraine, ihres östlichen Teils.

Da der vom Westen aktiv unterstützte Juschtschenko die fundamentale Spaltung des Landes initiierte, könnte angenommen werden, dass eine solche Entwicklung dem Westen durchaus passte.
bei russland.RU
Schwerpunkt – Ukraine


Über dieses Thema wird im Russland - Politikforum diskutiert - Gefährliches Zündeln in der Ukraine
Das entspricht insbesondere den Interessen der USA, die in diesem Fall Brüssel und Moskau aufeinander hetzen und somit ihre beiden geopolitischen Konkurrenten schwächen, die bei der Vereinigung ihrer Kräfte Washington künftig ersthafte Probleme bereiten würden, so im Energiebereich.

Russland konnte nicht die Entwicklung in der Ukraine unbeteiligt beobachten und musste Janukowitsch unterstützen. Russland verteidigte seine eigenen nationalen Interessen in einem Land, mit dem es durch tausendjährige Bande verbunden ist.

Juschtschenko setzt seinen Kurs fort. Sein von niemandem anerkannter Präsidenteneid, seine Appelle an nationalistisch gesinnte Revolutionsmassen und mehrere andere Handlungen führen vor Augen, dass er von diesem Kurs nicht abkehren wird. Die politischen Leidenschaften in der Ukraine sind so stark, dass sie kaum von selber friedlich abebben. Dabei wäre die Präsidentschaft Juschtschenkos entgegen einigen übereilten Schlussfolgerungen ebenfalls kein Ausweg. Selbst wenn sich die Ostukraine nicht sofort erhebt (der Grad der Mobilmachung bei diesem Teil der Bevölkerung ist erheblich geringer als bei den Westukrainern), wird sie sich morgen oder übermorgen infolge der Politik Juschtschenkos erheben. Und Russland wird sich erneut gezwungen sehen, sich einzumischen, um dem ukrainischen Volk zu helfen, die Integrität des Landes zu bewahren oder schlimmstenfalls die prorussischen Regionen der Ukraine nach Kräften zu unterstützen. (RIA)

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