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23-01-2009 Ukraine
Wedomosti: Ukraine als Sieger im Gasstreit mit Russland
Das war der größte Energiekonflikt seit dem arabischen Erdölembargo gegen den Westen in der 70er Jahren. Die Folgen des Gasstreits sind direkte Einnahmenverluste des russischen Energieriesen Gazprom in Höhe von mindestens zwei Milliarden Dollar, Haushaltseinbußen wegen ausgebliebenen Exportzöllen von mehr als 700 Millionen Dollar und massiver Imageschaden des früher zuverlässigen Brennstofflieferanten.



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Die Einzelheiten des neuen Gasabkommens, das am vergangenen Wochenende in Moskau geschlossen wurde, sind nicht ganz eindeutig. Doch eines ist klar: Statt eines festen Gaspreises für das ganze Jahr 2009 in Höhe von mehr als 400 Dollar je 1000 Kubikmeter, worauf Gazprom bestand, hat die Ukraine eine flexible Bindung an die europäischen Gaspreise bekommen, die mit den sinkenden Weltölpreisen rutschen werden.

Der Rest ist nebelhaft: Die Mengen der Gaslieferungen je Quartal wurden bislang nicht publik gemacht. Da die Ukraine in ihren Speichern etwa 17 Milliarden Kubikmeter Gas gesammelt und die allmonatliche Gasgewinnung um 50 Prozent gesteigert hat, während die Masutpreise fallen, kann das Land im ersten Quartal und sogar im ersten Halbjahr 2009 überhaupt ohne das teure russische Gas auskommen. Gegen Ende 2009 könnte der Gaspreis für die Ukraine auf weniger als 150 Dollar abstürzen.

Für Gazprom ist ab 2010 ein "europäisches" Niveau des Gastransittarifs vorgesehen. Was damit gemeint ist, bleibt ein Rätsel: Premier Wladimir Putin spricht von 3,4 Dollar für das Durchpumpen von 1000 Kubikmeter und 100 Kilometer, die ukrainischen Politiker nennen einen Tarif von acht bis zehn Dollar.

Die Gastransportpreise sind in Europa recht unterschiedlich. Russland hat die Energiecharta jedoch nicht ratifiziert und verfügt deshalb über keine juristischen Mechanismen, einen gerechten Transittarif durchzusetzen.

Im Ergebnis hat die Ukraine statt des festen Jahresdurchschnittspreises, auf dem Gazprom bestand, die Anpassung der Gaspreise an den sinkenden Ölpreis erkämpft. Deshalb haben die Ukrainer alle Chancen, einen Jahresdurchschnittspreis von etwa 200 Dollar zu erreichen und den Weg zu einer unbegrenzten Tariferhöhung für Gazprom zu ebnen.

Hat Gazprom um den Preis der völligen Stopps der Gaslieferungen an die Ukraine und an Europa für solche Ergebnisse gekämpft?, fragt die russische Zeitung Wedomosti ernüchtert.

Timoschenko sagte dementsprechend am Donnerstag, die Ukraine wolle trotz der jüngsten Gasvereinbarung auch im kommenden Jahr einen Preisnachlass für russisches Gas aushandeln. "2009 hat man uns einen Nachlass von 20 Prozent von der Preisformel gewährt. Auch 2010 soll eine Preisformel berechnet werden. Wir werden über einen Vorzugspreis verhandeln."


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