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03-12-2004 Ukraine
In Kiew kühlten sich politische Leidenschaften ab
Am Donnerstag, dem elften Tag der "orangefarbenen Revolution", ist in der ukrainischen Hauptstadt relative Stille eingekehrt. Auf dem Platz der Unabhängigkeit findet zwar nach wie vor eine Kundgebung statt und die Opposition setzt die Blockade der Gebäude des Ministerkabinetts und der Administration des Präsidenten fort, aber die Anhänger von Viktor Juschtschenko haben Donnerstag keine Aktivitäten unternommen.

Die Zahl der Protestierenden ist in der Stadt geringer geworden, denn der Schnee wurde von Regen abgelöst, von den Hügeln fließen Wasserströme auf die Kreschtschatik-Straße hinab. Die Zelte der "Orangefarbenen" sind durchnässt, das Brennholz in den Kanonenöfen qualmt.

"Diesen Tag werden wir in den Schützengräben, auf dem Brückenkopf verbringen, den wir der Macht abgerungen haben", sagte Juri Luzenko, Abgeordneter der Obersten Rada, der zur Führung der Opposition gehört, an die auf dem Platz Versammelten gewandt.

Aus dem Regierungsviertel kann nicht einmal Müll fortgeschafft werden: Drei Offiziere haben vergebens versucht, zwei Frauen mit orangefarbenen Armbinden, die vor dem alten gusseisernen Tor Wache standen, dazu zu überreden, einen Müllwagen durchzulassen.

"Wir werden keine Provokationen zulassen", sagten resolut die Frauen.

Die Opposition wartet auf den Beschluss des Obersten Gerichts, das in seiner Sitzung weiterhin die Beweise im Verfahren aufgrund der Beschwerde der Vertreter von Juschtschenko, die die Ergebnisse der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen bestreiten, untersucht.

Eine geringe Zahl der Anhänger der Opposition, die aus verschiedenen Gebieten der Ukraine gekommen sind, halten vor dem Gebäude des Obersten Gerichts den ganzen Tag durch eine Kundgebung ab und rufen immer wieder im Sprechchor Losungen.

"Gerechtigkeit gibt es!", rufen sie.

Ein abseits stehender Beobachter kann den Eindruck bekommen, dass imZentrum von Kiew nur einige wenige Stadtbewohner geblieben sind, denn die Passanten versuchen vergeblich, sich bei einander nach dem Weg zur Kreschtschatik-Straße, zum Platz der Unabhängigkeit, zur Obersten Rada, zum Obersten Gericht usw. zu erkundigen.

Am Donnerstag erklärte die Opposition, dass die am Mittwoch abend auf der Round-table-Konferenz unter Teilnahme der internationalen Vermittler getroffenen Vereinbarungen ohne der dritten Seite - das Volk auf dem Platz - unwirksam seien.

"Wir werden nicht erlauben, die Sache in die Länge zu ziehen", erklärte Julija Timoschenko, die zur Führung der Opposition gehört, auf der Pressekonferenz und forderte von der Macht sofortige Aktionen.

Die Opposition hat es eilig, das Wetter begünstigt nicht die Proteste auf der Straße. (RIA)

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