russland.RU berichtet in Wort und Bild aus Russland und über Russland. Ungebunden, unabhängig und überparteilich. Ohne Vorurteile und Stereotypen versucht russland.RU Hintergründe und Informationen zu liefern um Russland, die Russen und das Leben in Russland verständlicher zu machen. Da wo die großen Verlage und Medienanstalten aufhören fängt russland.RU an.


Archiv:
2003   2004   2005   2006   2007   2008   2009   2010   2011   2012   2013


11-01-2009 Ukraine
Wieder Hindernisse im Gasstreit zwischen Russland und Ukraine


Im Streit über die für Europa bestimmten russischen Gaslieferungen durch die Ukraine sind neue Hindernisse aufgetreten. Nachdem nach Moskau auch Kiew ein Abkommen zum Einsatz von Beobachtern entlang der Gaspipelines unterschrieb, beklagte sich am Sonntag der russische Energieriese Gazprom darüber, noch keine unterzeichnete Fassung erhalten zu haben.




Werbung


Die Gaslieferungen für Europa ließen deshalb weiter auf sich warten.

Über die offiziellen Kanäle sei noch keine von Kiew unterzeichnete Fassung des Abkommens eingegangen, sagte der Sprecher des Energieriesen Gazprom, Sergej Kuprijanow, am Nachmittag im russischen Fernsehen. "Das zögert unsere Arbeit hinaus." Die Beobachter von Gazprom und der EU seien bereit, "so bald wie möglich" zu den Kontrollstationen entlang der Gaspipelines zu fliegen, versicherte Kuprijanow.

Nach Russlands Unterzeichnung am Samstag hatte am Sonntagmorgen auch die Regierung in Kiew das Abkommen über den Einsatz von Beobachtern zur Überprüfung der russischen Gaslieferungen unterschrieben. Demnach sollen gemischte Gruppen aus jeweils 25 Experten aus Russland, der Ukraine und der EU für die Überwachung der Lieferungen durch die Ukraine zuständig sein. Kiew habe alle Bedingungen akzeptiert, sagte EU-Ratspräsident Topolanek, der zwischen den beiden Seiten vermittelte. Der Gas-Transit nach Europa könnte noch Sonntag wieder anfangen, fügte Tschechiens Handelsminister Martin Riman hinzu. EU-Kommissionpräsident José Manuel Barroso erklärte, die Gaslieferungen könnten nun "endlich" wieder aufgenommen werden. Später kam dann die Erklärung von Gazprom, dass es neue Hindernisse gibt.

Die ersten EU-Beobachter waren am Freitag in Kiew eingetroffen. Sie sollen feststellen, wieviel russisches Gas an die Ukraine geliefert und wieviel davon an der Westgrenze des Landes nach Europa weitergeleitet wird. Strittig bleiben zwischen Moskau und Kiew weiter der Preis für das Gas, das direkt an die Ukraine geliefert wird, sowie die fälligen Strafzahlungen für zu spät beglichene Rechnungen in Milliardenhöhe.

Angesichts des Gasstreits beschloss die Slowakei, trotz eines EU-Verbots ein umstrittenes Atomkraftwerk teilweise wieder in Betrieb zu nehmen. Der erst am 31. Dezember stillgelegte zweite Reaktor des Atomkraftwerks in Jaslovske Bohunice solle wieder angefahren werden, teilte Ministerpräsident Robert Fico mit. Der österreichische Umweltminister Nikolaus Berlakovich protestierte gegen die Maßnahme, da der Reaktor "unsicher" sei.

Einige EU-Staaten litten wegen der Lieferausfälle weiter unter Engpässen. Bulgarien, das sein Gas sonst fast ausschließlich aus Russland bezieht, fuhr seine Industrieproduktion zurück. Kroatien will die kommenden zwei Wochen mit Lieferungen des deutschen Unternehmens Eon Ruhrgas und aus Italien überbrücken. Von Eon Ruhrgas kommen 42.000 Kubikmeter in der Stunde. In Budapest wurden Teil-Fahrverbote für Autos verhängt, weil wegen des erhöhten Verbrauchs von Heizöl die Luftverschmutzung dramatisch anstieg.

Selbst bei einer raschen Wiederaufnahme der russischen Lieferungen würde es schätzungsweise drei Tage dauern, bis wieder Gas in Westeuropa ankommt.

Keine Gaslieferung seit Anfang des Jahres

Gazprom hatte am 1. Januar um 10.00 Uhr Moskauer Zeit (08.00 Uhr MEZ), nach Ablauf des Liefervertrages zwischen Russland und der Ukraine und auf Grund des fehlenden Vertrages für das Jahr 2009 die Gaslieferungen in dieses Land eingestellt.

Die ukrainisch-russischen Gasgespräche, die vor dem Jahreswechsel in Moskau geführt worden waren, hatten kein Ergebnis. Russland hatte der Ukraine den günstigen Gaspreis von 250 US-Dollar je 1000 Kubikmeter angeboten (im Jahr 2008 waren es 179,5 US-Dollar). Nach Auffassung der Ukraine sollte der Gaspreis zwischen 200 und 235 US-Dollar je 1000 Kubikmeter liegen. Da Kiew das russische Angebot abgelehnt hat, will Gazprom nun das Gas zum europäischen Preis von 450 US-Dollar in die Ukraine liefern.

Ukraine blockiert Transitleitungen nach Europa

Am 7. Januar musste Russland den Transit von Erdgas nach Europa durch ukrainisches Territorium vorübergehend einstellen, nachdem Experten des russischen Gaskonzerns Gazprom festgestellt hatten, dass europäische Abnehmer das von Russland gepumpte Gas nicht erhalten.

In der Nacht zum 7. Januar hatte die ukrainische Seite den Gastransit nach Europa gestoppt. Seit Jahresbeginn zapfte die Ukraine illegal mehr als 86 Millionen Kubikmeter Gas ab, das für Europa bestimmt war. Zudem sperrte Kiew dem Gaszwischenhändler RosUkrEnergo den Zugang zu Untergrundspeichern auf dem Territorium der Ukraine. Täglich sollte RosUkrEnergo 25 Millionen Kubikmeter erhalten.

Alle Jahre wieder

Russland hatte der Ukraine vor genau drei Jahren schon einmal zwischenzeitlich den Gashahn zugedreht. Nach über einjährigen Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine Anpassung des Gaspreises stoppte die Ukraine die Verhandlungen.

Russland war durch Vorgaben der WTO und der EU gezwungen die Gaspreise den Weltmarktpreisen anzupassen. Die Ukraine zahlte bis zum Januar 2006 lediglich einen Bruchteil des Weltmarktpreises, welches zu Wettbewerbsverzerrungen führte.

Nach den Ergebnislosen Verhandlungen stoppte Russland die Gaslieferungen in die Ukraine. Illegale Gasentnahmen aus den Transitleitungen nach Europa durch die Ukraine führten zu einem Druckverlust auf den Transitpipelines der auch die Lieferungen nach Deutschland einschränkte.

Deutschland bezieht mehr als ein Drittel seines Erdgases aus Russland. Rund 80 Prozent der russischen Gasexporte nach Westeuropa laufen durch die Ukraine. Um aus dieser Transitabhängigkeit wegzukommen beschlossen Russland und Deutschland den Bau einer direkten Pipeline durch die Ostsee ohne Transitstaaten. [ russland.RU ]


Archiv:
2003   2004   2005   2006   2007   2008   2009   2010   2011   2012   2013