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11-01-2009 Ukraine
Naftogas Ukrainy wird auch in diesem Jahr nicht imstande sein Schulden zu tilgen
Die ukrainische Öl- und Gasgesellschaft "Naftogas Ukrainy" hat im Jahr 2008 die Gewinnmarge vom Verkauf des von Russland gelieferten Erdgases in der Ukraine in vollem Umfang bekommen. Das erklärte der ukrainische Geschäftsmann Dmitri Firtasch, Mitbesitzer der Gesellschaft "RosUkrEnergo" mit Sitz in der Schweiz, in einem heute veröffentlichten Interview mit der Zeitung "Wedomosti".



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Firtasch erklärte, dass "Naftogas Ukrainy" im vorigen Jahr Erdgas zum Preis von 179,5 US-Dollar pro 1000 Kubikmeter an der russisch- ukrainischen Grenze bekommen und zum Preis von 320 Dollar pro 1000 Kubikmeter auf ukrainischem Territorium abgesetzt hatte.

"Die große Frage: Wo ist das Geld?", bemerkte ein Journalist. Die Antwort von Firtasch lautete wie folgt: "Naftogas Ukrainy ist heute unter völliger Kontrolle des Ministerkabinetts mit Julia Timoschenko an der Spitze. Diese Frage ist an sie zu richten."

"Besorgniserregend ist die Tatsache, dass Naftogas Ukrainy dem Konzern Gazprom nicht das durch den Gasverkauf gewonnene Geld, sondern die von der Nationalbank der Ukraine gewährten Kredite gegeben hat. Naftogas hat also nicht nur Geld von ukrainischen Verbrauchern gesammelt und irgendwie vertut, sondern auch Kredite genommen", so Firtasch.

Seiner Auffassung nach "besteht das größte Problem des Jahres 2009 darin, dass Naftogas, unabhängig von den im künftigen Vertrag festzusetzenden Preisen, nicht imstande sein wird, das Kassieren des Gewinns zu organisieren und das bekommene Erdgas zu bezahlen. Gazprom wird wieder in dieselbe Situation geraten: Naftogas wird nicht für das Erdgas zahlen können, welches von ukrainischen Verbrauchern bezahlt sein wird."

Die Premierministerin der Ukraine, Julia Timoschenko, hatte im vorigen Jahr mehrmals gesagt, "RosUkrEnergo", der ehemalige exklusive Gaslieferant, werde nicht auf ukrainischem Territorium arbeiten, denn "Naftogas Ukrainy" solle das ganze von Russland zu liefernde Erdgas bekommen.

50 Prozent der Gesellschaft "RosUkrEnergo" gehören dem Konzern "Gazprom", 45 Prozent dem Ukrainer Dmitri Firtasch, fünf Prozent seinem Landsmann Iwan Fursin.

Keine Gaslieferung seit Anfang des Jahres

Gazprom hatte am 1. Januar um 10.00 Uhr Moskauer Zeit (08.00 Uhr MEZ), nach Ablauf des Liefervertrages zwischen Russland und der Ukraine und auf Grund des fehlenden Vertrages für das Jahr 2009 die Gaslieferungen in dieses Land eingestellt.

Die ukrainisch-russischen Gasgespräche, die vor dem Jahreswechsel in Moskau geführt worden waren, hatten kein Ergebnis. Russland hatte der Ukraine den günstigen Gaspreis von 250 US-Dollar je 1000 Kubikmeter angeboten (im Jahr 2008 waren es 179,5 US-Dollar). Nach Auffassung der Ukraine sollte der Gaspreis zwischen 200 und 235 US-Dollar je 1000 Kubikmeter liegen. Da Kiew das russische Angebot abgelehnt hat, will Gazprom nun das Gas zum europäischen Preis von 450 US-Dollar in die Ukraine liefern.

Ukraine blockiert Transitleitungen nach Europa

Am 7. Januar musste Russland den Transit von Erdgas nach Europa durch ukrainisches Territorium vorübergehend einstellen, nachdem Experten des russischen Gaskonzerns Gazprom festgestellt hatten, dass europäische Abnehmer das von Russland gepumpte Gas nicht erhalten.

In der Nacht zum 7. Januar hatte die ukrainische Seite den Gastransit nach Europa gestoppt. Seit Jahresbeginn zapfte die Ukraine illegal mehr als 86 Millionen Kubikmeter Gas ab, das für Europa bestimmt war. Zudem sperrte Kiew dem Gaszwischenhändler RosUkrEnergo den Zugang zu Untergrundspeichern auf dem Territorium der Ukraine. Täglich sollte RosUkrEnergo 25 Millionen Kubikmeter erhalten.

Alle Jahre wieder

Russland hatte der Ukraine vor genau drei Jahren schon einmal zwischenzeitlich den Gashahn zugedreht. Nach über einjährigen Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine Anpassung des Gaspreises stoppte die Ukraine die Verhandlungen.

Russland war durch Vorgaben der WTO und der EU gezwungen die Gaspreise den Weltmarktpreisen anzupassen. Die Ukraine zahlte bis zum Januar 2006 lediglich einen Bruchteil des Weltmarktpreises, welches zu Wettbewerbsverzerrungen führte.

Nach den Ergebnislosen Verhandlungen stoppte Russland die Gaslieferungen in die Ukraine. Illegale Gasentnahmen aus den Transitleitungen nach Europa durch die Ukraine führten zu einem Druckverlust auf den Transitpipelines der auch die Lieferungen nach Deutschland einschränkte.

Deutschland bezieht mehr als ein Drittel seines Erdgases aus Russland. Rund 80 Prozent der russischen Gasexporte nach Westeuropa laufen durch die Ukraine. Um aus dieser Transitabhängigkeit wegzukommen beschlossen Russland und Deutschland den Bau einer direkten Pipeline durch die Ostsee ohne Transitstaaten. [ russland.RU ]


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