russland.RU berichtet in Wort und Bild aus Russland und über Russland. Ungebunden, unabhängig und überparteilich. Ohne Vorurteile und Stereotypen versucht russland.RU Hintergründe und Informationen zu liefern um Russland, die Russen und das Leben in Russland verständlicher zu machen. Da wo die großen Verlage und Medienanstalten aufhören fängt russland.RU an.


Archiv:
2003   2004   2005   2006   2007   2008   2009   2010   2011   2012   2013


07-01-2009 Ukraine
Russland und Ukraine zu neuen Verhandlungen bereit - Naftogaz-Chef nach Moskau – Ukraine will Preise vom Stand 2005
Russland und die Ukraine sind nach Angaben der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft zu neuen Gesprächen zur Beilegung ihres Gasstreits bereit. Die "einzige Lösung" der Krise sei eine direkte Rückkehr an den Verhandlungstisch, sagte Tschechiens Industrieminister Martin Riman am Dienstag nach einem Treffen mit dem Vize-Chef des russischen Energielieferanten Gazprom, Alexander Medwedew, in Berlin.



Werbung


"Die russische Seite ist bereit, diesen Schritt zu machen. Wir sind es auch. Und nach den Gesprächen in Kiew denke ich, dass die ukrainische Seite auch bereit ist", fuhr Riman fort. Die EU-Delegation hatte sich vor ihrer Ankunft in Berlin mit ukrainischen Vertretern in Kiew getroffen.

Die EU sei nicht in der Position darüber zu urteilen, welche der beiden Streitparteien im Recht sei, fuhr Riman fort. Aber sie wisse, dass sie es sich nicht leisten können, dass Kunden in Europa auf ihre Gaslieferungen warten müssten. Der aktuelle Streit zwischen der Ukraine und Russland um die Lieferbedingungen für russisches Gas beeinträchtigt derzeit auch die Lieferungen nach Westeuropa. Viele europäische Staaten hatten am Dienstag plötzliche Versorgungsausfälle gemeldet.

Russland will mit seinen europäischen Partnern am kommenden Donnerstag in Brüssel über die Energieversorgung sprechen. Dies teilte der Gazprom-Chef Alexej Miller am Dienstag bei einem Treffen mit Regierungschef Wladimir Putin in Moskau mit, wie der Fernsehsender Westi 24 berichtete. Zugleich beschuldigte Miller die Ukraine, "fast 15 Prozent" des russischen Gases, das durch die Leitungen des Landes nach Europa geleitet werde, zu stehlen.

Naftogaz-Chef fährt zu Gesprächen über Gasstreit nach Moskau

Der Chef des ukrainischen Gasversorgers Naftogaz, Oleg Dubina, will am Donnerstag zu Gesprächen nach Moskau reisen. Die Entscheidung sei nach einem Telefonat mit dem Chef des russischen Energiekonzerns Gazprom, Alexej Miller, gefallen, sagte Dubina am Dienstag auf einer Pressekonferenz in der ukrainischen Hauptstadt Kiew.

"Ich habe mich mit dem 'Gasprom'- Chef, Alexej Miller, in Verbindung gesetzt und ich fliege am 8. Januar zur Fortsetzung der Verhandlungen nach Moskau ab", betonte Dubina. Die jüngste Verhandlungsrunde war am 31. Dezember 2008 erfolglos zu Ende gegangen, wonach 'Gasprom' seine Gaslieferungen an die Ukraine eingestellte.

Nach Angaben von Gazprom hatte der ukrainische Staatschef Viktor Juschtschenko persönlich den Abbruch der Gespräche verfügt.

'Naftogas Ukrainy' hat keinen Vertrag über die Lieferungen von Importgas für 2009 geschlossen, weil es mit dem vom russischen Energiekonzern 'Gasprom' angebotenen Preis nicht einverstanden ist", sagte Dubina.

Gazprom ist bereit, Gasgespräche mit Naftogas jederzeit wieder aufzunehmen

Der russische Energiekonzern Gazprom ist laut seinem Pressesprecher Sergej Kuprijanow in jeder Minute bereit, die abgebrochenen Gaserhandlungen mit der Ukraine wieder aufzunehmen.

Die Ankündigung der Ukraine, die Gasgespräche erst am 8. Januar wieder aufnehmen zu wollen, sei erstaunlich, sagte Kuprijanow am Dienstag. „Wir sind bereit, die Verhandlungen in jeder Minute zu beginnen."

Ukraine hält Weltmarktpreise für unannehmbar

Der Erste Vizeleiter des ukrainischen Präsidentensekretariats, Alexander Schlapak, hat den Preis für russisches Gas von 417 bis 450 US-Dollar je 1 000 Kubikmeter als einen wirtschaftlichen Druck auf die Ukraine bezeichnet. Das machte Schlapak am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Kiew klar, die nach Abschluss des Treffens mit einer Delegation der EU-Kommission stattfand.

"Dieser Preis hat mit realen Preisen, die es derzeit in Europa gibt, nichts zu tun,", meint er. Die Ukraine trete für die Einbeziehung einer dritten Partei in den Verhandlungsprozess zu Problemen der Gasversorgung ein, so Schlapak. Dennoch habe die russische Seite diesen Vorschlag nicht akzeptiert, setzte er fort.

Auch alte Sonderpreise für die Ukraine zu hoch

Die Ukraine hält den vom russischen Gaskonzern "Gasprom" angebotene Preis von 250 US-Dollar je 1 000 Kubikmeter ebenfalls für unannehmbar, wenn der Transittarif von zwei bis 2,2 US-Dollar für 1 000 Kubikmeter je 100 Kilometer ausmacht, Schlapak am Dienstag.

Seinen Worten zufolge sei die Erhaltung der Gebühr für den Transit von russischem Gas in die EU-Länder von 1,7 US-Dollar für 1 000 Kubikmeter je 100 Kilometer nur dann möglich, wenn der Preis für russisches Gas für die Ukraine auf dem Vorjahresniveau (179,5 US-Dollar) bleiben wird.

"Dennoch besteht die russische Seite darauf, dass die Tarife für den Gastransit über ukrainisches Territorium unverändert bleiben", sagte Schlapak. "Diese Position der russischen Partner widerspricht prinzipiell unseren zuvor erzielten Vereinbarungen. Wir bieten an, zum Jahr 2005 zurückzukehren, als der Preis für russisches Gas für die Ukraine und den Transittarif in Regierungsabkommen festgelegt worden waren", setzte er fort.

Keine Gaslieferung seit Anfang des Jahres

Gazprom hatte am 1. Januar um 10.00 Uhr Moskauer Zeit (08.00 Uhr MEZ), nach Ablauf des Liefervertrages zwischen Russland und der Ukraine und auf Grund des fehlenden Vertrages für das Jahr 2009 die Gaslieferungen in dieses Land eingestellt.

Die ukrainisch-russischen Gasgespräche, die vor dem Jahreswechsel in Moskau geführt worden waren, hatten kein Ergebnis. Russland hatte der Ukraine den günstigen Gaspreis von 250 US-Dollar je 1000 Kubikmeter angeboten (im Jahr 2008 waren es 179,5 US-Dollar). Nach Auffassung der Ukraine sollte der Gaspreis zwischen 200 und 235 US-Dollar je 1000 Kubikmeter liegen. Da Kiew das russische Angebot abgelehnt hat, will Gazprom nun das Gas zum europäischen Preis von 450 US-Dollar in die Ukraine liefern.

Russland hatte der Ukraine vor genau drei Jahren schon einmal zwischenzeitlich den Gashahn zugedreht. Nach über einjährigen Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine Anpassung des Gaspreises stoppte die Ukraine die Verhandlungen.

Russland war durch Vorgaben der WTO und der EU gezwungen die Gaspreise den Weltmarktpreisen anzupassen. Die Ukraine zahlte bis zum Januar 2006 lediglich einen Bruchteil des Weltmarktpreises, welches zu Wettbewerbsverzerrungen führte.

Nach den Ergebnislosen Verhandlungen stoppte Russland die Gaslieferungen in die Ukraine. Illegale Gasentnahmen aus den Transitleitungen nach Europa durch die Ukraine führten zu einem Druckverlust auf den Transitpipelines der auch die Lieferungen nach Deutschland einschränkte.

Deutschland bezieht mehr als ein Drittel seines Erdgases aus Russland. Rund 80 Prozent der russischen Gasexporte nach Westeuropa laufen durch die Ukraine. Um aus dieser Transitabhängigkeit wegzukommen beschlossen Russland und Deutschland den Bau einer direkten Pipeline durch die Ostsee ohne Transitstaaten. [ russland.RU ]


Archiv:
2003   2004   2005   2006   2007   2008   2009   2010   2011   2012   2013