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10-09-2008 Ukraine
Traum von der Heimkehr zu Mütterchen Russland
[ Von Ania Tsoukanova ] Angelina Mamontschikowa zeigt schon mit ihren weiß-blau-rot lackierten Fingernägeln Flagge. "Wir träumen davon, dass die Krim wieder russisch wird", sagt Mamontschikowa energisch. Dafür ist sie erst vor ein paar Tagen mit rund hundert anderen Russlandtreuen auf die Straße gegangen. "Yankee go home", riefen sie vor der Ankunft eines US-Kriegsschiffes am Kai in Sewastopol, dem Heimathafen der russischen Schwarzmeerflotte.



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Jeder einzelne von ihnen glaube fest an die Zukunft der Krim an der Seite Moskaus - "ansonsten würden wir verrückt werden", sagt Mamontschikowa.

Auch wenn nur wenige öffentlich für die Annäherung der autonomen ukrainischen Republik Krim an Russland demonstrieren, hegt doch ein Großteil der Bewohner diesen Wunsch. Während sich im vergangenen Jahr noch nicht einmal jeder Dritte dafür aussprach, sind es nach der Anerkennung der abtrünnigen georgischen Provinzen Abchasien und Südossetien durch Russland schon deutlich mehr. "Die Zahl ist durch die Ereignisse in Georgien gestiegen. Es gibt viele Menschen hier, die sich die Hände reiben", sagt der Analyst Olexander Formantschuk.

Moskau übt auf die Krim seit jeher eine starke Anziehungskraft aus. Russland annektierte die Halbinsel an der Schwarzmeerküste im 18. Jahrhundert. Dass Nikita Chruschtschow sie 1954 im Handstreich quasi über Nacht der Sowjetrepublik Ukraine übertrug, geschah in den Augen der Bewohner zu Unrecht. Von ihnen bezeichnen sich heute rund 60 Prozent als russischstämmig. Nur jeder Vierte ist Ukrainer; 13 Prozent sind Krim-Tataren. Für 85 Prozent der Bewohner ist Russisch Muttersprache.

Die zerstrittene Regierung in Kiew schert sich nach Ansicht der Krimbewohner kaum um den südlichsten Zipfel des Landes. "Was tut die Ukraine Gutes für uns? Nichts!", empört sich der Taxifahrer Wadim aus Sewastopol. Auf dem Zeugnis seines Sohnes sei Russisch als "Sprache der ethnischen Minderheit" bezeichnet gewesen. "Wofür halten die sich? Sie sind in der Minderheit hier", sagt er wütend.

Auch aus den Kreisen der Sicherheitskräften in Simferopol verlautet, dass die Ukraine nichts für die Krim tue. "Man könnte sagen, sie pfeifen darauf", sagt ein ranghoher Beamter, der seinen Namen lieber nicht in einer Zeitung lesen will.

Doch die pro-russischen Kräfte sind in lokalen Volksvertretungen auf der Krim kaum vertreten. Selten trommeln sie für ihre Demonstrationen mehr als hundert Menschen zusammen. Und auch die Minderheit der extrem anti-russischen Krimtartaren, erschwert nach Meinung von Beobachtern jegliche ihrer Bemühungen auf Abspaltung von der Ukraine.

Allein schon die Geografie dürfte den Befürwortern einen Strich durch die Rechnung machen: Wie solle es weitergehen, wenn sich die Krim wirklich von der Ukraine loseise, fragt sich der Unternehmer Wladimir Suchomlinow aus Sewastopol. Wie sollten die Bewohner der Halbinsel, die keine Landgrenze zu Russland hat, dann mit Lebensmitteln versorgt werden? "Die Ukraine wird sicher nicht zulassen, dass sich das alles in ihren Zollgrenzen abspielt", mutmaßt Suchomlinow.


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