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01-03-2008 Ukraine
Gasstreit Russland-Ukraine geht in die nächste Runde - Gazprom kündigt Einschränkung der Gaslieferung an
Nach einem erneuten Aufflammen des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine hat der russische Staatskonzern Gazprom eine Verringerung seiner Lieferungen angekündigt. Die Verhandlungen mit dem ukrainischen Staatsunternehmen Naftogaz am Donnerstag und Freitag seien ohne Ergebnisse geblieben, erklärte Gazprom-Sprecher Sergej Kuprianow in Moskau.



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"In Anbetracht dessen, dass die Lage in eine Sackgasse geraten ist, wird Gazprom, um seine wirtschaftlichen Interessen zu schützen, die Gaslieferungen an die ukrainischen Verbraucher um 25 Prozent verringern". Die Liefereinschränkung trete am Montag um 10.00 Uhr Ortszeit (08.00 Uhr MEZ) in Kraft, hieß es weiter.

Gazprom kürzt ab Montag Gaslieferungen in Ukraine um 25 Prozent

"Die Verhandlungen mit der ukrainischen Seite am Donnerstag und Freitag haben keine Ergebnisse gebracht. In Anbetracht der ausbleibenden Fortschritte wird Gazprom in seinen Wirtschaftsinteressen am 3. März um 10.00 Uhr Moskau-Zeit seine Gaslieferungen für die ukrainischen Verbraucher um 25 Prozent reduzieren", betonte der offizielle Gazprom-Sprecher Sergej Kuprijanow.

Nach seinen Worten bleibt das Problem der Schuld für das im Jahr 2007 verbrauchte Erdgas teilweise ungeregelt. "In der Ukraine sind bis zuletzt etwa 1,9 Milliarden Kubikmeter russisches Gas für schätzungsweise 600 Millionen US-Dollar ausgefallen", präzisierte Kuprijanow. "Außerdem wurden immer noch nicht die Abkommen unterzeichnet, die das künftige Kooperationsschema in der Gasbranche bestimmen sollen."

Die Europa-Kommission und die europäischen Partner Russlands seien von der entstandenen Situation benachrichtigt worden, fügte Gazprom-Sprecher hinzu. Gazprom hatte am 26. Februar gewarnt, dass die Gaslieferungen am 3. März reduziert werden können, sollte die ukrainische Seite ihre Schuld nicht begleichen. Naftogas Ukrainy informierte am nächsten Tag über die vollständige Tilgung der Schuld bei der Firma RosUkrEnergo für das 2006 und 2007 verbrauchte Gas. Dem Pressedienst des Konzerns zufolge geht es um 774 Millionen US-Dollar. Kuprijanow nannte allerdings die Mitteilungen von Naftogas Ukrainy über die vollwertige Schuldentilgung "etwas vorzeitig".

Am 12. Februar war bei den russisch-ukrainischen Verhandlungen im Kreml und im Gazprom-Hauptquartier die Tilgung der ukrainischen Schuld und die Erarbeitung eines neuen Schemas von Gaslieferungen vereinbart worden. Laut dieser Vereinbarung sollen Gazprom und Naftogas Ukrainy ein Joint Venture gebildet werden, das das russische Gas importieren wird. Die beiden Konzerne werden sich an der Firma zu 50 Prozent beteiligen. Darüber hinaus soll ein weiteres Unternehmen entstehen, das das Gas unter ukrainischen Verbrauchern verteilen wird. Dabei muss Naftogas Ukrainy bis Ende Februar alle Probleme um die Gaslieferungen aus Russland regeln.

Die Ukraine bezieht drei Viertel ihres Gasbedarfs aus Zentralasien und ein Viertel aus Russland. Sämtliche Lieferungen erfolgen über Pipelines durch Russland. Russland hatte der Ukraine vor rund zwei Jahren schon einmal zwischenzeitlich den Gashahn zugedreht. Nach über einjährigen Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine Anpassung des Gaspreises stoppte die Ukraine die Verhandlungen.

Russland war durch Vorgaben der WTO und der EU gezwungen die Gaspreise den Weltmarktpreisen anzupassen. Die Ukraine zahlt bis zum Januar 2006 lediglich einen Bruchteil des Weltmarktpreises, welches zu Wettbewerbsverzerrungen führte.

Nach den Ergebnislosen Verhandlungen stoppte Russland die Gaslieferungen in die Ukraine. Illegale Gasentnahmen aus den Transitleitungen nach Europa durch die Ukraine führten zu einem Druckverlust auf den Transitpipelines der auch die Lieferungen nach Deutschland einschränkte.

Deutschland bezieht mehr als ein Drittel seines Erdgases aus Russland. Rund 80 Prozent der russischen Gasexporte nach Westeuropa laufen durch die Ukraine. Um aus dieser Transitabhängigkeit wegzukommen beschlossen Russland und Deutschland den Bau einer direkten Pipeline durch die Ostsee ohne Transitstaaten. [ russland.RU ]

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