russland.RU berichtet in Wort und Bild aus Russland und über Russland. Ungebunden, unabhängig und überparteilich. Ohne Vorurteile und Stereotypen versucht russland.RU Hintergründe und Informationen zu liefern um Russland, die Russen und das Leben in Russland verständlicher zu machen. Da wo die großen Verlage und Medienanstalten aufhören fängt russland.RU an.


Archiv:
2003   2004   2005   2006   2007   2008   2009   2010   2011   2012   2013


01-12-2004 Ukraine
Krise in Ukraine könnte sich auf Russlands Wirtschaft auswirken
Bei der Einschätzung von Folgen der „orangefarbenen Revolution" für Russlands Wirtschaft sind Experten vorwiegend pessimistisch eingestellt, schreibt die „Nowyje iswestija".

Nach Ansicht von Viktor Wereschtschagin, Vizedirektor des Experteninstituts, leidet Russlands Wirtschaft bereits jetzt unter der Krise in der Ukraine, weil das ukrainische Unternehmertum die Geschäftsbeziehungen bis zur Klärung der Situation eingefroren hat. „Sollten Kräfte an die Macht kommen, die gegenüber Russland nicht freundlich eingestellt sind, so könnte der Eigentumsbesitz von Russlands Großunternehmertum in der Ukraine in Frage gestellt werden", meinte er. Die Verluste der größten Brennstoff- und Energie- sowie Hütten-, Kfz- und anderen Gesellschaften schätzte der Experte auf zehn bis 100 Milliarden Dollar.

Nach Meinung von Andrej Schastitko, Vizedirektor des Russischen Büros für Wirtschaftsanalyse, liegt die Schwachstelle im Bankensystem der Ukraine. „Sollte es zu Schaden kommen, so würde der reale Wirtschaftssektor Schwierigkeiten verspüren, unter anderem mit der Geldüberweisung an russische Partner." Zugleich räumt der Analytiker ein, dass einige Branchen der russischen Wirtschaft, in denen die Ukraine und Russland miteinander konkurrieren, aus der Krise beim Nachbarn gewisse Vorteile ziehen könnten. Es handelt sich unter anderem um das Hüttenwesen: Die im Vergleich zu russischen preiswerten Erzeugnisse der ukrainischen Hüttenindustrie haben den russischen Metallproduzenten schon immer Kopfschmerzen bereitet.

Michail Deljagin, wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Globalisierungsprobleme, ist mit diesem Standpunkt nicht einverstanden: Als Ergebnis eines Zusammenbruchs der Wirtschaft des Donez-Kohlebeckens (der Osten der Ukraine mit der hochentwickelten Industrie) würden einige russische Hüttenunternehmen vorübergehende Vorteile bekommen. Danach aber werden die arbeitslosen Ukrainer nach Russland kommen und den Russen Arbeitsplätze wegnehmen, während die Hüttenunternehmen für die soziale Unterstützung der Erwerbslosen zumindest die gleichen Summen ausgeben würden, was sie an einem Zusammenbruch der ukrainischen Konkurrenten gewinnen würden."

Die nächste Gefahr bestehe nach Deljagins Ansicht in einer Desorganisation des ukrainischen Finanzsystems. In der Perspektive könnte sich die Situation weiter verschärfen. „Zu befürchten ist eine Entwendung von Gas (bis zu 80 Prozent von russischem Erdgas wird über das Territorium der Ukraine exportiert), sogar nicht um sich zu bereichern, sondern um unter den Bedingungen der Krise zu überwintern", äußerte der Experte. (RIA)

Archiv:
2003   2004   2005   2006   2007   2008   2009   2010   2011   2012   2013