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11-02-2008 Ukraine
Russland blufft bei Gaslieferstopp-Drohung an Ukraine
Genauso wie vor zwei Jahren droht Gasprom, der Ukraine den Gashahn abzudrehen, wobei das Risiko besteht, dass die Versorgung von Westeuropa gefährdet wird, schreibt die russische Zeitung „Moskowski Komsomolez“. Aber auch im heutigen Fall jetzt geht es im slawischen Gaskrieg zunächst gar nicht darum, was auf den ersten Blick ins Auge fällt. In Wirklichkeit ist es nicht ein Konflikt zwischen den beiden Staaten, sondern ein Ringen von mehreren politischen Clans.



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Hierbei passt der russischen Elite die Rolle als „Geisel der ukrainischen politischen Spiele“ ausgezeichnet in den Kram. Alle Drohungen, den Gashahn für lange Zeit abzuschalten, sind lediglich ein Bluff.

Die abermalige Regierungschefin Julia Timoschenko versucht, den „Schlüssel zur ukrainischen Wirtschaft“ - das System von Gasverteilung und -transit - in ihre Hände zu nehmen. Dazu aber muss der jetzige Zwischenhändler, mit dem die frühere Regierung von Premier Viktor Janukowitsch sympathisierte, aus dem Spiel.

Warum könnte Gasprom die Aufgaben von RosUkrEnergo mit ihren undurchsichtigen Eigentumsverhältnissen nicht ausüben? Die Anhänger der aktuellen Lage in der russisch-ukrainischen Gasfreundschaft würden eine Großzahl von finanziellen und technischen Gründen anführen können, die das absolut unmöglich machen würden. Aber nach Ansicht von Experten sind alle technischen Schwierigkeiten in Wirklichkeit ohne Weiteres zu überwinden. Etwas anderes ist es allerdings, dass die Existenz der Gashändler den korporativen Interessen der russischen Elite 200-prozentig passt. Denn dort, wo es Vermittler gibt, eröffnen sich ausgezeichnete Möglichkeiten für wahrlich große Taten. Aber auch in der ukrainischen Elite fehlen Leute mit hochfliegenden Träumen nicht. Ebendeshalb sind Timoschenkos Beschwörungen hinsichtlich der „Schäden durch die Vermittler“ nur als Nebelkerze aufzunehmen. Ihr wahres Ziel ist es, den einen Vermittler durch einen anderen zu ersetzen.

Es gibt da natürlich auch noch den Westen, der die Abhängigkeit seiner Gasversorgung von den periodischen Zänkereien zwischen den russischen und den ukrainischen Partnern im Gasgeschäft endgültig satt hat. Aber die Experten in den europäischen Hauptstädten wissen sehr wohl, dass Moskau einfach keine Möglichkeit hat, die Gaslieferungen über die Ukraine langfristig zu sperren.

Es ist technisch unmöglich, die Gasförderung auf den Vorkommen vorübergehend zu verringern. Falls die bestehenden Gasleitungen gesperrt sind, kann Gas entweder verflüssigt oder in Tanker beziehungsweise unterirdische Gasspeicher gepumpt werden. Aber Russland hat nach wie vor keine großen Gasverflüssigungswerke und auch keine ernst zu nehmende Flotte an Gastankern. Was die verfügbaren Kapazitäten in den unterirdischen Lagern angeht, so würden sie, wie Experten schätzen, nur für etwas mehr als vier Tage reichen. Danach werde sich Moskau vor dem Dilemma sehen: entweder die Lieferungen an die „hinterlistigen Ukrainer“ wieder aufzunehmen oder Gas einfach zu verbrennen.  RIA Novosti 

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