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01-12-2004 Ukraine
Revolutionäres Szenario der Machtergreifung wird der ukrainischen Opposition keinen Erfolg bringen
(Wjatscheslaw Nikonow, Präsident des Fonds "Politika" ) Die Wahrscheinlichkeit eines Erfolgs der ukrainischen Opposition im Falle der Zusammenstöße auf der Straße ist ziemlich gering. Und ein solcher Ausgang wie in Belgrad und Tiflis im Verlauf der "samtenen Revolutionen" ist in Kiew bei weitem nicht offensichtlich. Und das ungeachtet dessen, dass sich Fachleute für solche Revolutionen in der Ukraine aufhalten.

Russland ist äußerst daran interessiert, dass die Situation in der Ukraine nicht entstabilisiert wird, und dass die Ukraine sich als starker und selbständiger Staat weiter entwickelt.

Das offizielle Moskau hat bei den Präsidentschaftswahlen in der Ukraine offen demonstriert, dass es Viktor Janukowitsch den Vorzug gibt, und ist dabei davon ausgegangen, dass es eigene Interessen in diesem Land hat, die dazu noch in vieler Hinsicht mit den Interessen jener übereinstimmen, die die Ukraine als ein wirklich freies, unabhängiges und prosperierendes Land sehen möchten.

Es liegt nicht daran, dass Moskau von Janukowitsch bezaubert ist. Für es ist Viktor Juschtschenko aus zwei Gründen unakzeptabel: Erstens ist er ein Anhänger des Austritts der Ukraine aus dem Einheitlichen Wirtschaftsraum, den sie gemeinsam mit Russland, Weißrussland und Kasachstan schafft. Juschtschenko und seine Anhänger haben im Parlament gegen den Einheitlichen Wirtschaftsraum gestimmt. Wenn die Ukraine aus dem Einheitlichen Wirtschaftsraum austritt, so wird dadurch sowohl die russische Wirtschaft als auch in höherem Maße die ukrainische zu Schaden kommen. Zweitens würde die Wahl Juschtschenkos den NATO-Beitritt der Ukraine in zwei-drei Jahren bedeuten. Das hat der Leiter der Opposition Washington und Washington dem Leiter der Opposition versprochen. Ich glaube, dass es sich erübrigt, lange zu erklären, warum die 6. Flotte der USA in Sewastopol und Odessa, sympathische dunkelhäutige Marineinfanteristen in Kiew, die Bombenflugzeuge derNATO auf dem Flugplatz bei Poltawa und die Komponenten des amerikanischen Raketenabwehrsystems irgendwo im Gebiet Lugansk oder auf der Krim den Interessen der Brudervölker nicht in vollem Maße entsprechen. In einem solchen Fall sollten wir die Freundschaft mit der Ukraine und sie selbst die erst vor kurzem erlangte Souveränität der Vergessenheit anheimfallen lassen.

Die Menschen, die Russland die "Einmischung" in die Präsidentschaftswahlen in der Ukraine vorwerfen, gehen gleichsam davon aus, dass sich niemand anderer in das Geschehen in der Ukraine einmische. Aber nur sehr naive oder sehr arglistige Menschen können annehmen, dass Juschtschenko keine Unterstützung von Außen bekommt. Alle Spitzenvertreter der westlichen Staaten haben ihrer Sympathie für ihn Ausdruck gegeben. Sie hätten das auch offiziell getan, wenn sich unter ihnen jemand gefunden hätte, der in der Ukraine auch ein Zehntel des Ansehens, die Putin genießt, genossen hätte. Die USA haben allein auf der Staatsebene Dutzende Millionen Dollar für verschiedene mit der Kampagne von Juschtschenko zusammenhängende Programme zur "Unterstützung der Demokratie" ausgegeben. Viel mehr ist durch die Kanäle westlicher Wohltätigkeitsfonds und nicht staatlicher Organisationen zugeflossen, die freigebig die "demokratischen" /das heißt juschtschenkofreundlichen/ Organisationen und Massenmedien, Programme zur Mobilisierung der jungen Wählerschaft, die orangefarbene kulturelle und Konzerttätigkeit usw. finanziert haben. Dutzende westliche /nebenbei gesagt, auch russische/ Politologen und Imagemaker haben im Stab der Opposition gearbeitet. Allein die Zahl der amerikanischen Beobachter bei den Wahlen übertraf die Zahl der russischen auf das Dreifache. Geschweige denn, westliche Massenmedien. Während im Fernsehen, im Rundfunk und in den Zeitungen Russlands eine Mannigfalt der Meinungen über Juschtschenko und Janukowitsch zu finden war, gab es im Westen nichts desgleichen. Ausnahmslos alle Massenmedien leierten wie aus einem Munde unausgesetzt: "Das ist unsere letzte und entscheidende Schlacht!", der Sieg des "Demokraten und auf den Westen orientierten" Juschtschenko über dem "Reaktionär und Russophil" Janukowitsch würde ermöglichen, "die Russland-Frage für immer zu schließen", "dem russischen Imperialismus ein Ende zu setzen". Wenn es nämlich gelingen sollte, Russland von seinen historischen Wurzeln loszureißen, so könnte es für immer in einen Krähwinkel hineingetrieben werden, wo es still sitzen und nicht murksen sollte. Was in dieser Position der westlichen Presse akzeptiert werden könnte, ist, dass wir tatsächlich ohne Wurzeln geblieben wären: Moskau ist nämlich von den Kiewern gegründet worden, in der Ukraine befinden sich fiele unserer nationalen Heiligtümer. Am Anfang unserer mit den Ukrainern gemeinsamen Zivilisation war das Kiewer Russland.

Es mangelte nicht an Einmischung von allen Seiten. Und es wäre nur verwunderlich, wenn es sie nicht gegeben hätte. In den Demokratien ist es üblich, den ausländischen Mitstreitern und Gleichgesinnten Hilfe zu erweisen.
bei russland.RU
Schwerpunkt – Ukraine


Über dieses Thema wird im Russland - Politikforum diskutiert - Gefährliches Zündeln in der Ukraine
Die deutschen christlichen Demokraten oder Sozialdemokraten agitieren bei den Wahlen für die italienischen christlichen Demokraten oder Sozialisten, das ist in allen Ländern der Fall. Als 1996 alle Leader der "Großen Sieben" nach Moskau gekommen waren, um Boris Jelzin zu unterstützen, kam niemand /ausgenommen die Kommunisten/ auf die Idee, sich über "die Einmischung in innere Angelegenheiten" Russlands empört zu zeigen. Sollte Putin Janukowitsch zum Sieg gratulieren? Warum nicht? Ich zweifle nicht daran, dass Janukowitsch aus den Wahlen wirklich als Sieger hervorgegangen ist. Er konnte sie einfach nicht verlieren. Nach der ersten Runde, die nahezu unentschieden geendet hatte, spielten sich in der Ukraine zwei bedeutsame Ereignisse ab. Laut den Ergebnissen aller Befragungen hatte Janukowitsch bei den Fernsehdebatten mit Juschtschenko glatt gewonnen. Im Osten des Landes nahm merklich die Zahl der Wahlberechtigten zu, die in die Wahlokale gekommen waren. Zwei diese Ereignisse entschieden den Ausgang der Wahlen zugunsten von Janukowitsch. Auf seinen Sieg ließen die am Vorabend der Wahlen durchgeführten Befragungen der Öffentlichkeit und nicht zugunsten von Juschtschenko ausgefallene Exit-Polls schließen. Bei den Wahlen gab es zweifellos Fälschungen. Es steht aber nicht fest, auf welcher Seite ihre Zahl größer gewesen ist. 85 Prozent der Wahlberechtigten, die in der juschtschenkofreundlichen und depressiven Westukraine, deren Bevölkerung fast zur Hälfte im Ausland arbeitet, in den Wahllokalen erschienen waren, sind ebenfalls als ein Wahlwunder zu betrachten. Und die Omas in Lwow, die je 20 Pässe vorwiesen, um nach allen Stimmzettel zu erhalten. Warum sollen aber die Anhänger von Janukowitsch seinen Sieg nicht anerkennen? Die Position Russlands bei den ukrainischen Wahlen wird von den Menschen kritisiert, deren Zahl in der Welt groß ist, und die meinen, dass Russland keine nationalen Interessen habe und haben könne. Wie auch, dass Amerika und Australien mehr an der Ukraine gelegen ist als uns, die wir mit dem Brudervok durch Millionen kulturelle, historische und menschliche Fäden verbunden sind. Diese Bande werden aber bei jedem Ausgang der ukrainischen Krise erhalten bleiben. (RIA)

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