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08-02-2008 Ukraine
Gaskrieg Russland–Ukraine geht in die nächste Runde
Der russische Energiekonzern Gazprom hat der Ukraine mit einem Stopp der Gaslieferungen ab kommender Woche gedroht. Die Ukraine habe bei Gazprom noch Schulden in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar (rund eine Milliarde Euro) zu begleichen, erklärte Gazprom-Sprecher Sergej Kuprianow am Donnerstag in Moskau zur Begründung.



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Über die Ukraine fließt auch ein großer Teil des russischen Gases nach Deutschland. Russland hatte vor rund zwei Jahren der Ukraine den Gashahn zwischenzeitlich zugedreht. Damals waren auch die Lieferungen nach Deutschland eingeschränkt worden, weil die Ukraine illegal Gas aus den Transitpipelines abzweigte. Die Ukraine fordert von Russland derzeit ihrerseits mehr Geld für den Transit des Erdgases nach Westen.

"Wenn die ukrainische Seite bis Montag das Problem nicht löst, wird Gazprom gezwungen sein, die russische Gasversorgung für die Ukraine zu unterbrechen", erklärte der Gazprom-Sprecher mit Blick auf die angeblichen ausstehenden Zahlungen der Ukraine. Die russische Drohung erfolgt wenige Tage vor dem Besuch des ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko in Moskau am Dienstag.

1,5 Milliarden US-Dollar Zahlungsrückstände

„Die Ukraine bezieht seit Anfang 2008 über das Unternehmen RosUkrEnergo nicht nur zentralasiatisches, sondern auch russisches Gas. Dabei kann die ukrainische Seite nicht deutlich informieren, wer dieses Gas verbraucht und wann und von wem die russischen Gaslieferungen bezahlt werden“, sagte Kuprijanow.

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Ihm zufolge wird russisches Gas weiterhin inoffiziell verbraucht, als Folge nehme die Verschuldung zu. „Der Preis für das russische Gas, das seit Jahresanfang in die Ukraine geliefert wird, beträgt 314,7 US-Dollar je 1000 Kubikmeter. Es haben sich bereits 1,5 Milliarden Kubikmeter russisches Gas in der Ukraine angesammelt. Somit liegt die Verschuldung für das russische Gas, das seit dem 1. Januar geliefert wurde, bei nahezu 500 Millionen US-Dollar, und die gesamten Zahlungsrückstände für die Gaslieferungen in die Ukraine haben bereits 1,5 Milliarden US-Dollar erreicht“, so der Gazprom-Sprecher.

Der Monopolimporteur von Gas in die Ukraine ist RosUkrEnergo, an dem Gazprom einen 50-prozentigen Anteil hat. Ende 2007 wurde vereinbart, dass der Preis für zentralasiatisches Gas für die Ukraine 179,5 US-Dollar je 1000 Kubikmeter betragen wird. Laut Kuprijanow waren mehrere Staaten, so die Türkei, Griechenland und die Ukraine, Anfang 2008 mit Lieferausfällen durch Verschulden der Gasversorger in dritten Ländern konfrontiert.

„Russland hat den Bitten seiner Geschäftspartner entsprochen und die eigenen Gaslieferungen in diese Länder vergrößert. Alle unsere Geschäftspartner leisten termingemäß ihre Zahlungen, nur mit der Ukraine ist eine paradoxe Situation entstanden, indem dieses Land die von ihm benötigten Gasmengen von uns bezieht und dabei nichts dafür bezahlt“, sagte Kuprijanow.

Im Hinblick darauf, dass die russischen Gaslieferungen in die Ukraine in der Bilanz der Gasholding für das Jahr 2008 nicht vorgesehen seien, müsse die ukrainische Seite zum weiteren Gasbezug unverzüglich eine juristische Grundlage schaffen, entsprechende Verträge und Akte unterzeichnen und die vollständige Tilgung der angesammelten Verschuldung sichern. „Sollte die ukrainische Seite am Montag diese Situation nicht regeln, wird Gazprom gezwungen sein, die Lieferungen von russischem Gas in die Ukraine einzustellen“, sagte der Sprecher.

Die Ukraine argumentiert wiederum, sie zahle für russisches Erdgas dreieinhalb Mal mehr als noch 2006. Die Einnahmen aus dem Transit von russischem Gas seien jedoch praktisch unverändert geblieben. Laut ukrainischen Zeitungsberichten peilen die Behörden in Kiew deshalb eine Erhöhung der Transitgebühren auf bis zu 9,32 Dollar (rund 6,30 Euro) je 1000 Kubikmeter Erdgas und je 100 Kilometer genutzte Pipeline an. Derzeit berechnet die Ukraine dafür etwa 1,70 Dollar. Im vergangenen Jahr lag der Tarif bei 1,60 Dollar.

Schon Anfang 2006 hatte es einen erbitterten Streit zwischen Russland und der Ukraine um Gaspreis und Transitgebühren gegeben. Nach dem vorübergehenden Lieferstopp hatte die Ukraine damals einer Erhöhung des Gaspreises zugestimmt.

Bis 2006 zahlte die Ukraine einen Gaspreis, der nur einen Bruchteil des Weltmarktpreises ausmachte. Russland hat auf Druck der WTO und der EU die Gaspreise Stück für Stück den Weltmarktpreisen angenähert.

Gazprom informiert EU-Kommission über Probleme bei Gasversorgung der Ukraine

Der russische Gasmonopolist Gazprom hat die EU-Kommission über Probleme bei der Gasversorgung der Ukraine informiert. Das teilte der Sprecher der EU-Kommission, Ferran Terradellas, am Donnerstag Journalisten in Brüssel mit. Über das Territorium der Ukraine wird russisches Gas auch nach Westeuropa transportiert. "Gazprom hat Kontakt zu uns aufgenommen und uns über die entstandenen Probleme in Kenntnis gesetzt", sagte Tarradellas.

Gazprom hat eine reibungslose Versorgung Europas zugesichert, erklärte Terradellas, unter Berufung auf eine Erklärung von Gazprom. Die EU-Kommission rief Russland und die Ukraine auf, schnellstmöglich eine Lösung dieses rein kommerziellen Problems herbeizuführen. "Wir werden die Weiterentwicklung aufmerksam beobachten", sagte Tarradellas.

Juschtschenko macht Timoschenko für Gazprom-Drohung verantwortlich

Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko hat seine Regierungschefin für die Drohungen des russischen Energieriesen Gazprom mit einem Lieferstopp verantwortlich gemacht. Mit ihrem "Gerede über Änderungen der Transitbedingungen" habe Julia Timoschenko der Ukraine eine Gaspreiserhöhung um 30 Prozent eingehandelt, sagte der Präsident am Donnerstag im Fernsehsender 1+1.

Timoschenko: Es wird keine Probleme um russische Gaslieferungen geben

Die ukrainische Ministerpräsidentin Julia Timoschenko verspricht, alle Probleme um die Gaslieferungen aus Russland zu lösen. "Alle Fragen werden vom Tisch geräumt. Es wird keine Probleme um die Lieferungen von Erdgas in die Ukraine geben", sagte sie am Donnerstag Journalisten in einem Kommentar zur jüngsten Erklärung der Gazprom-Führung über die mögliche Einstellung des Gasexports in die Ukraine.

Deutschland bezieht mehr als ein Drittel seines Erdgases aus Russland. Rund 80 Prozent der russischen Gasexporte nach Westeuropa laufen durch die Ukraine.

Mit dem Bau einer Pipeline durch die Ostsee wollen Deutschland und Russland derzeit unabhängiger von den Landtrassen durch Osteuropa werden. Bereits mehrfach drohten die Ukraine wie auch Weißrussland mit einem Durchlassstopp nach Europa um ihre Forderungen durchzusetzen. [ russland.RU ]




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