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30-10-2007 Ukraine
Charkow will Andenken an die Hungersnot der 1930er Jahre in der Ukraine verewigen
Der Rat des ukrainischen Gebiets Charkow hat ein für 2007/2008 anberaumtes Programm zur Verewigung des Andenkens an die Opfer der Hungersnot der 1930er Jahre in der Ukraine bestätigt. Zugleich weigerten sich die Abgeordneten, die Hungersnot in den Jahren 1932/1933 als Genozid am ukrainischen Volk einzustufen, wurde am Dienstag nach der Sitzung in Charkow mitgeteilt.




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Im November 2006 hatte die Oberste Rada in Kiew ein Gesetz verabschiedet, nach dem die Hungersnot in der Ukraine als Völkermord zu bezeichnen ist. Diese Position wurde bislang offiziell von elf Ländern geteilt. Am 25. November wird in der Ukraine der Tag des Andenkens an die Opfer politischer Repressionen und der Hungersnot begangen. Nach Schätzung ukrainischer Historiker waren 1932/1933 bis zu zehn Millionen Menschen in der Ukraine an Unterernährung gestorben.

Nach Angaben russischer Historiker wütete der Hunger von 1932/1933 in den wichtigsten Getreideregionen der damaligen Sowjetunion: Ukraine, Nordkaukasus, Gebiete im mittleren und unteren Wolgalauf, zentrales Schwarzerdegebiet, Kasachstan, Westsibirien und Südural. Insgesamt seien bis zu acht Millionen Menschen verhundert, darunter 3,5 Millionen in der Ukraine, zwei Millionen in Kasachstan und Kirgistan und etwa 2,5 Millionen in der Russischen Föderation. Vom Hunger sei die gesamte multinationale Bevölkerung der oben genannten Regionen betroffen worden, hieß es.

Am schlimmsten war die Situation gerade im Gebiet Charkow, wo nach Schätzung etwa zwei Millionen Menschen verhungerten.

Der Entwurf des Programms wurde im Laufe von zwei Stunden erörtert. Gegen das Dokument wandten sich kategorisch die Kommunisten und Anhänger der Progressiven sozialistischen Partei der Ukraine von Natalia Witrenko. Ihre Hauptforderungen liefen darauf hinaus, die Hungersnot nicht als Völkermord anzuerkennen und das Programm zur Verewigung der Toten nicht zu finanzieren.

"Wenn es sich um den Genozid am ukrainischen Volk handelt, heißt es in juristischem Sinne, dass das ukrainische Volk von Völkern anderer Nationalitäten bewusst vernichtet wurde", sagte Alla Alexandrowskaja, Abgeordnete von den Kommunisten, in der Sitzung. "Genozid bedeutet Handlungen, die auf die Vernichtung von Menschen nach Rassen- oder Nationalitätenmerkmalen gerichtet sind. Indes hatte die Macht in der Ukraine die Bevölkerung nicht nur nicht vernichtet, sondern den Hungernden geholfen", begründete sie ihre Position.

Natalia Petschorskaja, Leiterin der Abteilung Innenpolitik in der Gebietsverwaltung, sagte beim Vorstellen des Programms, dass die Tatsache der Hungersnot bislang von etwa 70 Ländern anerkannt wurde. Zudem hätten die Parlamente von elf Staaten dies als Genozid eingestuft.

Der Oberbürgermeister von Kiew, Michail Dobkin, sprach sich für die Verewigung des Andenkens an die Hungersopfer aus. "Ich bin davon überzeugt, dass wir aller Menschen zu gedenken haben, die in den Hungerjahren qualvoll sterben mussten. Das müssen wir tun, insbesondere in Charkow, das die Hauptstadt der Ukraine gewesen war." Der Bürgermeister teilte mit, dass 2008 in Charkow ein Gedenkkomplex gebaut wird. [ria]

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