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21-09-2004 Ukraine
Wer löst ukrainischen Staatschef Kutschma ab?
Die renommiertesten Politologen haben fast keinen Zweifel daran, dass entweder der heutige Regierungschef Viktor Janukowitsch oder Ex-Premier Viktor Justschenko zum neuen ukrainischen Präsidenten gewählt wird. Nach Auffassung der Beobachter stehen die Chancen fifty-fifty.

„Es wird der Ukraine nicht leichtfallen, zwischen zwei Viktors zu entscheiden. Wer von ihnen gewinnt, wohin er sein Land führen wird und was all dies für Russland bedeutet, sind Fragen, die heute selbst der künftige Gewinner kaum beantworten kann", sagte Viktor Kuwaldin von der Gorbatschow-Stiftung.

Die Stiftung „Einheit im Namen Russlands" hat am Dienstag eine Diskussion über die ukrainische Wahl veranstaltet. Am Gespräch nahmen die renommiertesten russischen und ukrainischen Experten teil.

Die meisten Analytiker meinen, Janukowitsch werde sich für einen „prorussischen Kurs" entscheiden. Justschenko wähle dagegen einen „prowestlichen" Weg.

Das bedeute allerdings nicht, dass Janukowitsch ein rein „prorussischer" und Justschenko ein „prowestlicher" Politiker sei. „Weder ein prorussischer noch ein prowestlicher Politiker kann mit dem höchsten Staatsposten in der Ukraine rechnen. In ukrainischen Gebieten herrscht ein gesunder Nationalismus einer sich herausbildenden Nation", so Kuwaldin.

Nach Auffassung einiger Politologen würde Justschenkos Sieg weder den russischen Staatsinteressen noch den Interessen russischer Geschäftsleute entsprechen. Wenn der „prowestliche" Justschenko gewinne, so verkompliziere das die molitärtechnische Kooperation zwischen Russland und der Ukraine sowie verursache Probleme mit der russischen Marinebasis auf der ukrainischen Halbinsel Krim, sagte Analytiker Sergej Markow.

„Ich befürchte sogar die Verdrängung russischer Geschäftsleute aus geopolitischen Gründen", meinte Markow.

Im Gegensatz zu ihren russischen Kollegen glauben ukrainische Experten kaum, dass die Beziehungen zwischen den beiden Ländern von der kommenden Wahl abhängen.

„Die Einwirkung der Wahlergebnisse auf die Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine sollte nicht hyperbolisiert werden. Über die Architektur der Beziehungen wird man nicht mit der Regierung, sondern eher mit dem Parlament verhandeln müssen, aber auch mit Finanz- und Industriegruppen, die sich in Donezk oder Dnepropetrowsk befinden, den Großstädten im Osten der Ukraine, die historisch eine Neigung zu Russland haben", so Dmitri Wydrin, Direktor des Europäischen Instituts für Integration und Entwicklung.

Das „Machtzentrum" in der Ukraine würde sich laut Wydrin nicht in Richtung des Präsidenten, sondern in Richtung des Parlaments driften.

„Die Beziehungen mit Russland werden sich von den jetzigen nicht so krass unterscheiden, wie das heute erscheint. Ohne eine überzeugende Mehrheit bekommen zu haben, wird der Gewinner gezwungen sein, sich vor den Wählern des Verlierers zu rehabilitieren. Janukowitsch ist dann gezwungen, prowestlicher und Justschenko proöstlicher zu werden", sagte Alexander Litwinenko, stellvertretender Direktor des Instituts für strategische Studien. (RIA)

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