8.9.1991 Nach tagelangen Demonstrationen wird der Oberste Sowjet der Tschetschenisch-inguschetischen Autonomen
Sowjetrepublik aufgelöst.
Oktober 1991 General Dudajew übernimmt an der Spitze eines Exekutivkomitees die Macht und wird zum Präsidenten
gewählt. Moskau erkennt die Wahl nicht an. Dudajew erklärt die Unabhängigkeit Tschetscheniens.
9.11.1991 Als direkte Reaktion ruft Präsident Boris Jelzin den Notstand aus und entsendet Truppen des Innenministeriums
nach Tschetschenien. Die Truppen müssen in der Folge abgezogen werden, weil der russische Oberste
Sowjet das Notstandsdekret ablehnt.
November 1991 Das russische Parlament verabschiedet ein Gesetz über die Bildung einer separaten Inguschetischen Republik.
1992
12.03.1992 Dudajew proklamiert ein zweites Mal die Unabhängigkeit Tschetscheniens. In der Folge kommt es zu schweren
Unruhen zwischen Anhängern und Gegnern Dudajews. Er verhängt den Ausnahmezustand.
Herbst 1992 Wegen des unklaren Grenzverlaufs zwischen Inguschetien und Nordossetien kommt es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen,
bei denen mehrere 100 Menschen ums Leben kommen.
1993
November 1993 Wiederholte gewaltsame Auseinandersetzungen wegen des unklaren Grenzverlaufs zwischen Inguschetien
und Nordossetien.
1994
November 1994 Angehörige der russlandfreundlichen tschetschenischen Opposition greifen erfolglos die Dudajew-Regierung
in Grosny an.
28.11.1994 Ultimatum Jelzins an Tschetschenien, bis zum 15.12. die Waffen niederzulegen.
11.12.1994 Einmarsch russischer Streitkräfte in Tschetschenien.
31.12.1994 Beginn des Angriffs auf Groznyj, der zunächst unter hohen russischen Verlusten scheitert.
1995
14.–18.6.1995 Tschetschenische Guerillakämpfer unter Ismail Basajew besetzen Teile des Orts Budennovsk, Region Stavropol,
und nehmen ca. 1.000 Geiseln. Nach dem gescheiterten Versuch, die Geiseln mit Gewalt zu befreien,
beginnt die russische Regierung Verhandlungen. Die Guerillas erhalten gegen Freigabe der Geiseln freien
Abzug, einen Waffenstillstand in Tschetschenien und das Versprechen der Aufnahme von Friedensverhandlungen.
Juli 1995 Militärabkommen zwischen Russland und Tschetschenien. Kein politisches Abkommen.
1996
9.1.1996 Tschetschenische Guerillakämpfer besetzen die Ortschaften Kizljar und Perwomajsk und nehmen Geiseln.
Beim Angriff russischer Kräfte auf Perwomajsk stirbt ein großer Teil der Geiseln. Die Guerillakämpfer können
sich in der Mehrzahl absetzen.
6.8.1996 Groznyj wird kurzzeitig von tschetschenischen Guerillakämpfern besetzt. Die russischen Truppen erleiden
hohe Verluste: 250 Tote, über 1.000 Verwundete.
3.9.1996 Ein Abkommen über die Beendigung des Krieges in Tschetschenien, vermittelt von General Alexander Lebed,
wird unterzeichnet. Ende des ersten Tschetschenienkrieges. Eine politische Lösung des Konfliktes wird
nicht gefunden.
1997
27.1.1997 Bei den tschetschenischen Präsidentenwahlen siegt der gemäßigte Nationalist Aslan Maschadow mit etwa 60
Prozent der Stimmen klar vor seinen Konkurrenten Jandarbijew und Basajew.
27.5.1997 Der tschetschenische Präsident Aslan Maschadow führt in Moskau Verhandlungen. Es wird ein neuer Waffenstillstand
vereinbart.
1999
7.8.1999 Tschetschenische Guerillakämpfer unter Führung von Basajew und Chattab besetzen mehrere Dörfer in
Dagestan. Russland entsendet gegen diese Gruppe Streitkräfte. Unter Einsatz von ca. 15.000 Mann können
die Dörfer am 25.8. freigekämpft werden.
5.9.1999 21.45 Uhr. Bombenattentat auf eine Wohnanlage der russischen Streitkräfte in Bujnaksk (Dagestan).
8.9./ 13.9. / 16.9.
1999
Bombenattentate auf zwei Wohnhäuser in Moskau und in Volgo-Donsk mit zahlreichen Toten und Verletzten.
17.9.1999 Russische Luftstreitkräfte greifen Ziele auf dem Territorium der Republik Tschetschenien an. Teile der tschetschenischen
Zivilbevölkerung beginnen in die Nachbarrepubliken zu flüchten.
1.10.1999 Russische Streitkräfte überschreiten die Grenze der Republik Tschetschenien.
2000
7.2.2000 Groznyj befindet sich in der Hand der russischen Truppen.
29.2.2000 Heftige Gefechte im Argun-Tal in Tschetschenien. Eine Kompanie des 104. Luftlanderegiments wird nahezu
aufgerieben. Sie verliert zwischen dem 29. Februar und dem 3. März 84 Mann.
8.6.2000 Putin dekretiert die Bildung einer provisorischen Verwaltung in Tschetschenien, die direkt dem russischen
Präsidenten untersteht. Zu ihrem Leiter wird Achmed Kadyrow, ein tschetschenischer Geistlicher, bestimmt.
20.8.2000 In Tschetschenien finden Nachwahlen für die russische Staatsduma statt, bei der dreizehn Kandidaten antreten.
Nach russischen Angaben beträgt die Wahlbeteiligung 50%.
2001
22.1.2001 Putin überträgt die Verantwortung für die Koordinierung der Operationen in Tschetschenien, die bisher
beim Verteidigungsministerium lag, dem Inlandsgeheimdienst FSB. Darüber hinaus kündigt der Präsident
eine Reduzierung der in Tschetschenien stationierten Truppen an.
17.9.2001 Gruppen tschetschenischer Guerillakämpfer in Stärke von mehreren hundert Mann greifen überraschend
die Städte Gudermes, Argun und Noschaj Jurt an. Es kommt zu heftigen Gefechten, in deren Verlauf nach
russischen Angaben 15 Guerillas und 12 russische Soldaten getötet werden. Bei den nachfolgenden Säuberungsaktionen
werden 400 Personen festgenommen.
6.10.2001 Russische Truppen leiten in mehreren Bezirken Tschetscheniens Sonderoperationen ein. Im Laufe von 14 parallel
durchgeführten Aktionen werden mindestens 13 Guerillakämpfer getötet. Zahlreiche Personen werden
festgenommen.
10.10.2001 Die georgischen Behörden protestieren gegen das Eindringen russischer Kampfflugzeuge in ihren Luftraum.
Georgischen Quellen zufolge greifen die russischen Luftstreitkräfte Gruppen georgischer und tschetschenischer
Guerillakämpfer im Kodori-Tal an.
18.11.2001 Auf dem Moskauer Flughafen Scheremetevo-2 tre. en sich Viktor Kazanzew, Bevollmächtigter des Präsidenten
für die Südbezirke, und Achmed Zakajew, der Vertreter des tschetschenischen Präsidenten Maschadow.
2002
12.3.2002 Die „Süddeutsche Zeitung“ und die „Frankfurter Rundschau“ berichten, dass russische Truppen in Tschetschenien
systematisch Verhaftete foltern und ermorden.
15.8.2002 In Zürich treffen sich Achmed Zakajew, der Vertreter des tschetschenischen Präsidenten Aslan Maschadow,
und Ivan Rybkin, ehemaliger Sekretär des russischen Sicherheitsrates, um Chancen für eine Beendigung des
Tschetschenienkrieges zu erörtern.
19.8.2002 In der Nähe von Groznyj wird ein Transporthubschrauber vom Typ Mi-26 mit 147 Personen an Bord von
tschetschenischen Freischärlern abgeschossen. Nur 32 der Insassen überleben. Putin ordnet eine Untersuchung
an.
23.–26.10.2002 Eine Gruppe von 41 tschetschenischen Freischärlern – 22 Männer und 19 Frauen – unter Führung von
Mowsar Barajew besetzt das Theaterzentrum an der Dubrowka in Moskau, in dem das Musical „Nord-Ost“
gespielt wird. Die Angreifer nehmen Schauspieler und Zuschauer, insgesamt etwa 700 Personen, als Geiseln
und fordern den Abzug der russischen Truppen aus Tschetschenien. Am 26.10. dringen russische Spezialkräfte
unter Einsatz von Betäubungsgas in das Theater ein, töten die tschetschenischen Geiselnehmer und
befreien die Gefangenen. Fünf der Geiseln sterben durch Schussverletzungen, die Mehrheit erleidet Gasvergiftungen,
an der in der Folge 123 Personen sterben.
25.–30.10.2002 Russische Truppen führen ca. 60 Säuberungsaktionen in Tschetschenien durch. Dabei töten sie etwa 30
Tschetschenen.
Herbst 2002 Russland beschuldigt Georgien, es unternehme nichts gegen „tschetschenische Terroristen“, die im Pankisi-
Tal Unterschlupf gefunden hätten.
27.12.2002 Bei einem Selbstmordattentat auf das Gebäude der russlandfreundlichen tschetschenischen Regierung in
Groznyj werden 80 Personen getötet und 152 verletzt. Die Attentäter hatten zwei mit Sprengsto. beladene
Fahrzeugen vor dem Gebäude zur Explosion gebracht.
31.12.2002 Das Militärgericht des Wehrbezirks Nordkaukasus spricht Oberst Jurij Budanow, dem Mordes und Vergewaltigung
eines tschetschenischen Mädchens vorgeworfen wird, frei, da er zum Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig
gewesen sei. Budanow wird in eine psychiatrische Klinik überstellt. Das Verfahren war einer
der ganz wenigen Strafrechtsprozesse wegen Menschenrechtsverletzungen russischer Armeeangehöriger in
Tschetschenien.
2003
20.3.2003 Zwei Kampfhubschrauber Mi-24 gehen über Südtschetschenien verloren.
23.3.2003 In Tschetschenien . ndet das Referendum über eine neue Verfassung und ein neues Wahlgesetz für Parlament
und Präsidenten statt. Nach offiziellen Quellen beträgt die Wahlbeteiligung 89,48%. Über 95% der Wähler
stimmen angeblich den Vorlagen zu.
6.6.2003 Die Duma verabschiedet in dritter und letzter Lesung ein Gesetz, das Personen, die in den letzten 10 Jahren
an den Kämpfen in Tschetschenien beteiligt waren, amnestiert.
5.7.2003 Bei einem Selbstmordattentat auf ein Rockfestival am Flughafen Tuschino in Moskau werden 16 Personen
getötet, darunter die beiden Täterinnen. Über 50 Personen werden mit Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert.
Eine der beiden Attentäterinnen wird anhand aufgefundener Papiere als Tschetschenin identifiziert.
1.–2.8.2003 In Tschetschenien werden in einem 48-stündigen Gefecht bei dem Dorf Dyschne-Vedeno 29 Soldaten und
Polizisten getötet.
20.8.2003 Heftige Gefechte in Awturi (Südtschetschenien). Beim Versuch, tschetschenische Guerillas einzukreisen,
sollen 25 tschetschenische Polizisten und 15 russische Soldaten getötet worden sein.
5.10.2003 Bei Präsidentenwahlen in Tschetschenien gewinnt der Amtsinhaber Achmed Kadyrow mit 80,84% der Stimmen
bei einer ungewöhnlich hohen Wahlbeteiligung von 86,6%. Nachdem sich im Vorfeld der Wahlen eine
Reihe ernstzunehmender Bewerber zurückgezogen hatten, wird die Wahl von vielen Beobachtern kritisch
gesehen. Die OSZE hatte davon Abstand genommen, Wahlbeobachter zu entsenden.
5.12.2003 Selbstmordattentäter bringen im Vorortzug Kislowodsk-Mineralnye Wody eine Bombe zur Explosion. 42
Personen werden getötet, über 150 verletzt.
9.12.2003 Bei einem Selbstmordattentat vor dem Hotel „National“ in Moskau werden 6 Personen getötet und 13
verletzt.
15.12.2003 25–50 tschetschenische Guerillakrieger dringen in die Ortschaft Schaure (Dagestan) ein, töten 9 Grenzsoldaten,
nehmen mehrere Geiseln und ziehen sich in Richtung auf die tschetschenische und die georgische
Grenze zurück. Die russischen Kommandobehörden leiten eine umfassende Verfolgungsaktion mit Militär
und Sicherheitskräften ein.
2004
6.2.2004 Im morgendlichen Berufsverkehr explodiert in der Moskauer U-Bahn zwischen den Stationen „Awtozavodskaja“
und „Pawelezkaja“ eine Bombe. Etwa 50 Personen werden getötet, über 120 verletzt. Es wird vermutet,
dass es sich um ein tschetschenisches Selbstmordattentat handelt.
Zusammengestellt von Hans-Henning Schröder.