Ruslan Auschew ist ein Mann mit Prinzipien.
Vor allem beim Thema Tschetschenien will sich der frühere Präsident der
Kaukasusrepublik Inguschetien nicht mit der Moskauer Machtriege über einen
Kamm scheren lassen. Auschew ist einer der wenigen Politiker, die offen die
russische Tschetschenien-Politik kritisieren.
Wegen seiner Standhaftigkeit
genießt der ehemalige General im Kaukasus viel Respekt. Nun ruht auf seinen
breiten Schultern die Hoffnung auf ein unblutiges Ende des Geiseldramas in
Nordossetien.
Einen ersten Erfolg konnte der 49-Jährige am Donnerstag verbuchen: Nach
stundenlangen Verhandlungen mit den bewaffneten Geiselnehmern ließen diese
eine Gruppe von 26 Frauen und Kindern aus der Schule in Beslan frei. Auschew
vertritt seit langem die Meinung, dass mit den nach Unabhängigkeit von
Russland strebenden tschetschenischen Rebellen verhandelt werden müsse. Damit
widerspricht er der Linie von Präsident Wladimir Putin.
Doch Auschew scheut keine Meinungsverschiedenheiten mit Moskau. Nach acht
Jahren als Präsident von Inguschetien trat der stattliche Mann mit den dunklen
Haaren und dem breiten Schnauzbart 2001 wegen eines Streits über die Dauer
seiner Amtszeit zurück. Seinen Rücktritt als Vertreter Inguschetiens im
russischen Föderationsrat erklärte Auschew 2002 nach nur drei Monaten: Er warf
dem Oberhaus des Parlaments vor, die "Gräueltaten" Russlands in Tschetschenien
zu "akzeptieren". "Wir hätten die Situation in Tschetschenien regeln müssen,
wo weder Krieg noch Frieden herrscht, wo Zivilisten und Soldaten weiterhin
sterben", sagte er damals.
Stets setzte sich der hoch anerkannte Ex-General, der in der Sowjet-Armee
vor allem während des Krieges gegen Afghanistan 1979 bis 1989 zu Ruhm gelang,
für Tschetschenien und seine Bewohner ein: Zu seiner Zeit als Präsident von
Inguschetien nahm sein Land 1999 bis zu 300.000 Flüchtlinge aus dem
Nachbarland auf - bei einer Einwohnerzahl von nur 450.000 Inguscheten. Es
gelang ihm, dass der Konflikt nicht auf Inguschetien überschwappte.
Während des ersten Tschetschenien-Kriegs 1994 bis 1996 war Auschew neben
dem russischen General Alexander Lebed an den Friedensverhandlungen zwischen
Moskau und den Rebellen beteiligt, die zur Unterzeichnung eines
Friedensabkommen führten. Nach Beginn des zweiten Kriegs 1999 diente Auschew
ebenfalls eine Zeit lang als Vermittler. Als Präsident wurde Auschew nach
seinem Rücktritt von einem früheren General des russischen
Inslandsgeheimdienstes FSB abgelöst, dem vom Kreml unterstützten Murat
Siasikow. Dieser bekommt nur schwer die Kontrolle über die Kaukasusrepublik.
Wer helfen will, der findet auf der Seite alle notwendigen Informationen über Spendenkonten, aber auch über die Verwendung der Mittel. Die Spender werden, soweit sie es wünschen, namentlich genannt. Täglich verlängert sich die Liste derjenigen, die ihren finanziellen Beitrag leisten, um die Terroropfer zu unterstützen.
Von Kai Ehlers. In Beslan, Nord-Ossetien haben Geiselnehmer zum 1. September eine ganze Schule (Männer, Frauen und Kinder) als Geiseln genommen....
Kondolenzbuch
Die Schweizer Internetseite www.kondolenzregister.ch hat ein Online Kondolenzbuch für die Opfer der Geiselnahme in Beslan eingerichteteingerichtet.
Die Kondolenzeintragungen werden nach 6 Wochen in einem Sammelband der
Botschaft der Russischen Föderation in Bern übergeben.
Die südrussische Republik Nordossetien gehört seit Jahren zu den Krisenherden im Nordkaukasus. Mit einer Fläche von 8000 Quadratkilometern - etwa halb so groß wie Thüringen - ist sie eine der kleinsten Republiken der Russischen Föderation.