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21-01-2004 Satire
Sternflüstern - 1 - Die Ankunft
oder: Sibirische Blutorgie
Fersehkritik von Ralf Brings

Zwei deutsche Familien und ihr Überlebenskampf in Sibirien.
Erstes Blutvergießen in Abenteuer-Dokumentation

Zur besten Sendezeit serviert das ZDF seit Dienstag einen Russland-Doku-Vierteiler.


Zwei deutsche Familien, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, werden am Baikalsee in Holzhäuser gesteckt. Hier sollen sie fünf Monate lang ohne Strom und fließend Wasser, mit wenig Rubel und viel Getier leben wie die Russen. Die Russen können kein Deutsch und die Deutschen kein Russisch.

Die Russen haben sich nicht auf die Deutschen vorbereitet, warum auch, und die Deutschen offensichtlich nicht auf Russland.

"Es gibt keine Pizza. Kein Mc Ribb, kein Milch-Shake und keine Bravo", beklagt sich Tochter Klapproth. Und genau das ist dann wohl auch der Witz. Mal sehen, wie es den Wohlstandsdeutschen im Land des ewigen Mangels ergeht. Tv-tauglich stellt sich die Frage kurz und dramatisch: Überleben die Deutschen? Schon naht Unheil. Denn der russische Winter steht vor der Tür. Was wird aus zarten Deutschen, wenn hier schon den Russen vor lauter Kälte "der Atem gefriert".

Spannung wird versprochen, ein Dokumentations-Abenteuer.

Und tatsächlich - kaum daß man sich versieht, ist auch auch schon das erste Blut gefloßen. Sibirien fordert seinen Tribut. Gerade noch hat Frau Möchel den Melkkurs gemeistert, da hat sich Frau Klapproth bei ihrer ersten "Wie-überlebe-ich-Sibirien-Holzhacken-Übung" fast das eigene Bein abgehackt. Zum Trost rupft Onkel Mischa dafür ein Möhrchen aus dem Boden. So ist wenigstens das Überleben am ersten Tag gesichert: Spasibo.

Beim Wettbewerb der zwei Familien haben die Bayern eindeutig die Nase vorne. Schon beim Start sind die Ostdeutschen aus Sachsen-Anhalt kläglich auf der Strecke geblieben. Kaum hat Herr Klapproth russischen Luftraum betreten, schießt ihm das Blut in die Nase. Nicht nur so mal eben, sondern ohne Ende. Klapproths KO in der Vorrunde ist neben Frau Möchels Einführung in die Melktechniken mit Kuhzitzen in Großaufnahme der dramatische Höhepunkt der ersten Folge.

Spannend geht es weiter: Herr Klapproth betritt mit großem Blutverlust russischen Boden. Und ab ins Krankenhaus. Ein Arzt befürchtet einen Schlaganfall. Die Medizinmänner im Krankenhaus diagnostizieren "wissokoje dawlenie", Bluthochdruck. Von einer Weiterreise raten sie dringend ab, Baikalsee ade, Krankenhausbetten sind nun angesagt. Oh, wie spannend: Schon wieder ein Abenteuer!
Überlebt Herrr Klapproth im russischen Krankenhaus? Schon bröckelt der erste Putz von den Krankenhauswänden.

Ein schlechtes Omen. Wird Klapproth jemals den mystischen Baikalsee erblicken?
Und vor allem:
Wird das Familienoberhaupt seine Familie, die ihn herzlos im Krankenhaus zurückläßt, jemals wiedersehen? Die Zuschauer drücken die Daumen: toi, toi, toi. Andere fragen, was für einen wackeren Überlebenskämpfer, der schon beim Warmlaufen die Segel streicht, das ZDF da ins Flugzeug gesetzt hat?
Regieeinfall oder komplettes Versagen der sportmedizinischen Abteilung beim Zweiten? Wie auch immer, Zwischenstand nach der ersten Runde:
2:O für Bayern gegen Sachsen-Anhalt.


( Copyrights: Ralf Brings. Veröffentlichung nur nach Rücksprache )
:
www.rosen-dornen-und-traeume.agdok.de