Georgien erwägt Bierboykott gegen Russland als Reaktion auf Weinboykott
Der Streit zwischen Russland und Georgien über die Lieferung alkoholhaltiger Getränke hat sich verschärft: Der georgische Verteidigungsminister Irakli Okruaschwili drohte am Dienstag mit einem Boykott von russischem Bier, nachdem Moskau im März den Import von georgischem Wein untersagt hatte.
Der Bierboykott würde "den georgischen Firmen sehr zu Gute kommen, die sich hinter den russischen nicht verstecken müssen", sagte Okruaschwili, der für die Kontrolle der georgischen Weinexporte zuständig ist.
Russisches Bier hat in Georgien derzeit einen Marktanteil von 15 Prozent.
Die russische Brauerei-Branche reagierte empört. "Das ist ein ungeschickter Versuch, sich an Russland für das Import-Verbot schlechten Weins zu rächen", zitierte die Nachrichtenagentur ITAR-TASS Wjatscheslaw Momontow von der Union russischer Brauer.
Russland hatte im März dem Import von Wein aus Georgien und Moldawien untersagt und behauptet, dieser enthalte "gefährliche" Pestizide. Die Spannungen zwischen Russland und Georgien wachsen seit 2004, als der pro-westliche Präsident Michail Saakaschwili in Tiflis an die Macht kam.
Saakaschwili droht mit Austritt Georgiens aus der GUS
Der georgische Präsident Michail Saakaschwili hat am Dienstag erneut angedeutet, dass sein Land aus der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten austreten könne.
Saakaschwili beauftragte die Regierung, binnen zwei Monaten die wirtschaftliche Zweckmäßigkeit der weiteren Mitgliedschaft Georgiens in dem Zusammenschluss von Nachfolgestaaten der Sowjetunion zu überprüfen.
"Wenn die Mitgliedschaft in der GUS Georgien nichts außer Demütigungen bringt, so müssen unser Parlament und unser Volk eine entsprechende Entscheidung (über einen Austritt) treffen", erklärte Saakaschwili im georgischen Parlament.
Er forderte die Regierung auf, mit den anderen GUS-Staaten in Verhandlungen über Visaerleichterungen und über wirtschaftliche Beziehungen zu treten.
Georgischer Minister warnt vor voreiligem Austritt aus der GUS
Der georgische Premier Surab Nogaideli hat bestätigt, dass sich Georgien jetzt mit der Frage des Ausstiegs aus der GUS befasst.
"Die Regierung arbeitet an dieser Frage. Ich kann nichts Näheres dazu sagen", äußerte der Regierungschef in einer Pressekonferenz, die im Anschluss an eine Regierungssitzung stattfand.
Wie der Staatsminister für Wirtschaftsreformen, Kacha Bendukidse, vor dem Beginn der Sitzung vor Journalisten gesagt hatte, würden in Georgien im Falle eines voreiligen Austritts aus der GUS Visaprobleme mit den Ländern der Gemeinschaft aufkommen.
"Das ist eine konkrete Frage, die die Privilegien unserer Bürger und unserer Waren betrifft. Wollen wir beispielsweise das visafreie Regime mit Weißrussland erhalten, müssten wir im Rahmen der GUS bleiben oder Abkommen mit Minsk über den visafreien Verkehr unserer Bürger und über den freien Handel schließen. Sie sollten Rücksicht darauf nehmen, dass es in Weißrussland Georgier gibt, die dort arbeiten und Geschäftspartner haben", so Bendukidse.
Nach seiner Ansicht sollte der Austritt aus der GUS nicht überstürzt erfolgen. Die Regierung müsse mit den einzelnen Ländern der Gemeinschaft über den Abschluss bilateraler Abkommen zu Visafragen verhandeln, so der Staatsminister.
[ RIA Novosti / afp / russland.RU – die Internet - Zeitung ]