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17-02-2005 Wirtschaft
Russland baut einmaliges Atomkraftwerk im iranischen Buschir
1500 russische Fachleute packen bereits die Koffer, um nach Buschir an der iranischen Küste des Persischen Golfes zu reisen. Dort wird das erste Atomkraftwerk in der Islamischen Republik Iran gebaut. 2000 russische Experten sind bereits vor Ort im Einsatz.

Der riesige Bau bot auch 2000 Iranern einen Arbeitsplatz. Aber in der abschließenden Phase der Bauarbeiten sind noch mehr Arbeitskräfte erforderlich.

„Alle Montagearbeiten sollen noch in diesem Jahr zu Ende gehen", sagte der Vizepräsident des Konzerns Atomstroiexport und Direktor der Verwaltung zum Bau des Atomkraftwerks Buschir, Alexander Afrow. „Der Reaktor ist schon fertiggestellt, die meisten Ausrüstungen wurden bereits 2002 montiert. Jetzt werden einzelne Systeme dazugebaut. Im März soll die Montage von Systemen zu Ende gehen, die die Inbetriebnahme der Energieanlage ermöglichen. Es handelt sich um Systeme zur Brandbekämpfung, zur Stromversorgung, zur Zufuhr von entsalzenem Wasser, Kälte u.a. für die Deckung des Eigenbedarfs des Atomkraftwerks", sagte der Experte.

Das AKW Buschir befindet sich auf einer kleinen Halbinsel im Persischen Golf. Das Vorhandensein von Wasser ist eine Hauptbedingung für den Betrieb eines Atomobjektes. In diesem Fall handelt es sich um Salzwasser. Deshalb sind Sonderausrüstungen notwendig, die unter diesen Bedingungen eingesetzt werden könnten. Die Deutschen vom Siemens-Konzern, die seinerzeit mit dem Bau des Kraftwerks begonnen hatten, konnten viel leisten, darunter den Löwenanteil der Ausrüstungen liefern. Aber wegen der islamischen Revolution musste Deutschland Buschir 1979 verlassen. Das Objekt war im Laufe von 20 Jahren heftigen Winden und gleißender Sonne ausgesetzt, bevor sich russische Fachleute seiner angenommen haben. Die Iraner hatten keinen Wettbewerb ausgeschrieben, weil niemand Interesse an der schwer angeschlagenen Atom-Baustelle bekundete. Es war einfach unvorstellbar, was in Buschir alles gemacht werden sollte. Russische Fachleute sagen heute: „Gott behüte vor einem ähnlichen Bau!"

Die Einmaligkeit der Aufgabe bestand vor allem darin, dass zwei verschiedene Projekte - das russische und das deutsche - ineinander integriert werden mussten. Nach einer gemeinsamen russisch-iranischen Ingenieurexpertise, die einige Jahre dauerte, wurde beschlossen, von den 35 000 Einheiten deutscher Ausrüstungen 30 000 auszumustern. Alles, was geblieben war, musste an russische Technik angepasst werden. Abmessungen waren unterschiedlich. Und die Zusammensetzung der Komponenten war auch anders. Die ausgemusterten Ausrüstungen wurden demontiert und durch neue ersetzt. „Vor kurzem wurde die Ausrüstung eines Pumpwerks durch neue ersetzt werden, das Wasser für die Abkühlung des Turbinen-Kondensators liefert. Dasselbe betrifft auch die Entsalzungsanlage, weil einige Metallteile unbrauchbar geworden sind", sagte Afrow. Demnächst sollen neue einmalige Ausrüstungen nach Buschir geliefert werden - aus Titan und Kunststoffen -, die der zerstörerischen Kraft des Meeres standhalten können.

„Die iranische Führung ist sich darüber im klaren, dass unsere Probleme objektiven Charakter haben und auf die Einmaligkeit des Projekts zurückzuführen sind", fuhr der Generaldirektor fort. „Wir arbeiten nach dem Plan und übersteigen die Vertragslimits nicht. Die gesamte Kritik iranischer und russischer Massenmedien, geschweige denn die Vorwürfe, nach denen die Arbeiten bewusst hinausgezögert werden, kann ich nur mit dem Fehlen objektiver Informationen, möglicherweise mit Voreingenommenheit erklären", sagte Afrow.

Die russischen Fachleute sind gewillt, ihre Verpflichtungen gegenüber der iranischen Seite in der vom Vertrag vorgesehenen Zeit zu erfüllen und sich somit neue Verträge in diesem Land zu sichern, das die Atomindustrie aktiv zu entwickeln plant.

Der Druckwasserreaktor vom Typ WWER-1000 mit einer Leistung von 1000 Megawatt, der in Buschir gebaut wird, entspricht dem Grad seiner Sicherheit und den Betriebseigenschaften allen internationalen Standards. Das wurde denn auch von einer Expertise durch die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) bestätigt. (Tatjana Sinizyna, Kommentatorin der RIA Nowosti)

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