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13-03-2008 Russischer Pressespiegel von RIA
Pressespiegel aus Russland vom 13.03.2008


"Wremja Nowostej": Russland für Verbleib von Nato-Truppen in Afghanistan Eine Aussage des russischen Nato-Botschafters Dmitri Rogosin sorgt für ein großes Echo in der westlichen Presse, schreibt die Zeitung "Wremja Nowostej" am Donnerstag.




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Rogosin: "Die Russen sind bereit, ihre Grenze für nicht-militärische Lieferungen zu öffnen, die für Nato-Operationen in Afghanistan bestimmt sind." Es erschienen Artikel, in denen behauptet wird, es fänden Konsultationen über die nicht-militärische Landtransporte durch Russland sowie Kasachstan und Usbekistan statt. Es bestehe die Hoffnung, versichern westliche Zeitungen, dass die Vereinbarung bereits beim Bukarester Nato-Gipfel erreicht werde.

Für die Nato wird die Möglichkeit eines durch Russland und Zentralasien führenden Transits nach Afghanistan immer aktueller, je mehr sich die Situation in Pakistan als meist genutztes Transitland verschlechtert und je lauter die Anschlagsdrohungen der Taliban werden, sagt Omar Nessar, Direktor des russischen Zentrums für neuere Afghanistan-Studien.

Andere russische Experten, die anonym zu bleiben wünschten, zweifeln an einer baldigen Möglichkeit, mit der Nato ein Abkommen über den Landtransit nach Afghanistan zu erreichen. "Zur Zeit arbeitet daran eine zwischenbehördliche Kommission des russischen Außen- und des Verteidigungsministeriums, man hat viele Fragen an die Nato-Vertreter", sagt einer der Experten. Die Skepsis beruht auf den Zweifeln an der Wahrhaftigkeit der von der Nato ausgegeben Absichten, die Antiterror-Operation in Afghanistan abzuschließen.

Die Operation dauere nun schon das sechste Jahr an, die Taliban gewinne an Stärke, die Situation in Afghanistan aber werde nur noch schlimmer, obwohl daran praktisch alle führenden Weltmächte beteiligt seien, sagen die russischen Experten. Einer von ihnen ist der Ansicht: "Dann aber eins von beiden: Entweder können sie die Operation nicht abschließen oder sie wollen es nicht."

Wenn das Letztere stimme, schlussfolgert einer der Experten gegenüber "Wremja Nowostej", bedeute das, dass die Nato in Afghanistan ein anderes Ziel verfolge: sich für lange Zeit in der Region festzusetzen.

Auf die Bitte der Zeitung, die Situation zu kommentieren, sagte Samir Kabulow, Russlands Botschafter in Afghanistan, am gestrigen Mittwochabend recht kategorisch in einem Telefongespräch: "Je länger die Nato in Afghanistan bleibt, desto schlimmer für sie. Doch wäre es ein schwerer Irrtum, zu glauben, in Russland wolle man den Abzug der Nato-Leute um jeden Preis durchsetzen. Wir werden sie nicht aus Afghanistan herauslassen, solange sie nicht alle von ihnen dort hervorgerufenen Probleme wie den internationalen Terrorismus oder den beispiellosen Anstieg des Drogenanbaus nicht gelöst und solange sie dort nicht einen starken Staat aufgebaut und die Wirtschaft wiederhergestellt haben werden."

Russische Presse: Kontroversen um schärfere Internetkontrollen in Russland

Das Internet galt in Russland bisher als freie Kommunikationsplattform. Doch zuletzt sind mehrere Gesetzesinitiativen vorgeschlagen worden, die auf die zunehmende Überwachung des russischen Webs ausgerichtet sind, schreiben russische Zeitungen am Donnerstag.

Ilja Jaschin, Vertreter der „Jabloko-Jugend", sagt: "Das Internet ist heute im Grunde der einzige zensurfreie Raum. In diesem Sinne ist es von einem absolut einmaligen Wert für alle Menschen, denen die Freiheitsideale teuer sind. Offensichtlich gibt es in der Macht viele Leute, denen eine solche Lage gar nicht passt."

Die Kontrolle über das Internet ist eine Frage des politischen Willens. Wenn die Regierung bestrebt ist, wirkliche Internetkriminelle wegen der Aufrufe zu Gewalt, der Verbreitung von Kinderpornos oder Gift- und Sprengstoffanleitungen zu bestrafen, zieht sie eine genaue Trennlinie zwischen der Redefreiheit einerseits und Beleidigungen, dem rassenmäßigen und konfessionellen Extremismus andererseits.

Doch können die Beamten unter dem Vorwand des Kampfes gegen Extremismus und Pornographie den Unterschied zwischen Meinung und Fakten, einem Blog und einer Internet-Ressource verwischen, die Zensur einführen, um die fortschrittlichen Köpfe in der Gesellschaft zu kontrollieren.

In Russland kämpfen zwei Trends gegeneinander - mit wechselndem Erfolg. Vorläufig hat die Staatsduma keinen einzigen der Gesetzentwürfe erörtert, deren Urheber jede Webseite als Massenmedium gleichsetzen wollten. Damit müssten die Websites beim Rosswjasochrankultura (Föderaler Dienst für Medienaufsicht und Wahrung des kulturellen Erbes) eingetragen werden. Nach einer dritten Warnung könnte die Website von einer zuständigen Behörde geschlossen werden.

Der Chef von Rosswjasochrankultura, Boris Bojarskow, ist der Ansicht, dass die jetzigen Gesetze für den Kampf gegen Rechtsverletzungen im Web genügen. "Es ist eine persönliche Angelegenheit des Websiteautors, sein Werk einzutragen oder nicht", erklärte er gestern. Doch regionale Beamte halten jede scharfe Äußerung im Internet für eine öffentliche Beleidigung.

Dmitri Taschlykow, der in einem Internet-Forum Nikolai Winogradow, Gouverneur des Gebiets Wladimir, beschimpfte, wurde im Dezember zu 10 000 Rubel Geldstrafe verurteilt (1 Euro = 36,65 Rubel). Gestern, am Tag der Internet-Freiheit, hat die Staatsanwaltschaft der Stadt Syktywkar eine Anzeige gegen den Musikers Sawwa Terentjew vors Gericht gebracht. Wegen einer negativen Aussage über Polizisten auf einer Internetseite wurde er wegen Anstiftung von „zwischennationalen und sozialen Konflikten“ beschuldigt. Praktisch wegen eines Plauschs "in der heimischen Küche" kann Terentjew zum ersten russischen Internetdissidenten werden: Ihm blühen zwei Jahre Haft.

Quellen: "Wedomosti", "Nowyje Iswestija" vom 13.03.08.

"Kommersant": Kosovo und Abchasien: Russlands Prinzipientreue gerät ins Wanken

Zum Kosovo-Problem führt die russische Diplomatie im UN-Sicherheitsrat Nachhutgefechte. Welche Ziele diese Aktion verfolgt, ist nicht ganz verständlich, schreibt Georgi Kunadse, Mitarbeiter am Instituts für Weltwirtschaft und Internationale Beziehungen in der Tageszeizung "Kommersant" (Moskau) am Donnerstag.

Wie der ehemalige russische Vizeaußenminister schreibt, ist es unmöglich, die Situation zurückzuversetzen und mit den Albanern am Verhandlungstisch den Kosovo-Status zu besprechen. Seine Unabhängigkeit haben inzwischen an die dreißig - nicht gerade unbedeutende - Staaten anerkannt. Damit hat der UN-Sicherheitsrat absolut nichts zu tun. Schließlich kann er nicht von den Staaten verlangen, die das Kosovo als neuen Staat akzeptiert haben, sie sollten ihre Anerkennung zurücknehmen.

Unter den neuen Bedingungen bleibt Russlands Vorschlag, für die Kosovo-Regulierung eine "Straßenkarte" auszuarbeiten, in der Luft hängen. Vor gut zehn Jahren wäre er sehr aktuell gewesen, heute ist er objektiv gegenstandslos. Übrigens klingt das Wort "Straßenkarte", das unangenehme "nahöstliche" Assoziationen aufwirft, wie speziell ausgewählt, um die Hoffnungslosigkeit des ganzen Unternehmens noch zu betonen.

Will Russland einfach das Gesicht wahren? Nein, so sieht es nicht aus. Wenn man immer wieder zum Fiasko verurteilte Vorschläge einbringt, geht man das Risiko ein, das Gesicht gänzlich zu verlieren. Andere Staaten, die das Kosovo nicht anerkannt haben, sagen wir, China, wirken irgendwie solider: Sie haben ihre Position bekannt gegeben, machen jedoch keinen Skandal. Russland dagegen lässt seinen Emotionen freien Lauf. Serbien leidet schwer am Verlust des Kosovo, aber Russland scheint ihn noch mehr zu Herzen zu nehmen. Schon wird davon geredet, wie mächtig die serbische Armee sei. Im Vergleich mit ihr seien die nur auf Sauberkeit bedachten Nato-Soldaten einfach Schwächlinge. Wozu rasseln die russischen "Falken" mit serbischen Waffen? Keine Antwort.

Übrigens wäre Russlands Position in der Kosovo-Frage bei all seiner etwas zu dick aufgetragenen Emotionalität juristisch und moralisch tadellos, wären da nicht ärgerliche "Kleinigkeiten". Russland, das die Kosovo-Separatisten und ihre ehrlosen Helfershelfer scharf verurteilt, steht irgendwie beinahe väterlich zu den abchasischen Separatisten; besteht auf dem Konsens zu allen Fragen der Kosovo-Regulierung, schafft aber einseitig die von den GUS-Ländern vereinbarten Sanktionen gegen Abchasien ab. Eine der Schlüsselfragen der Regelung - Rückkehr von hunderttausenden georgischen Flüchtlingen nach Abchasien - steckt hoffnungslos in einer Sackgasse. Ist unter diesen Umständen der Ausstieg Russlands aus dem Sanktionsregime gegen Abchasien eine Form der Förderung von dessen separatistischer Politik und zugleich ein Mittel, auf Georgien Druck auszuüben? Die Frage ist angebracht, denn Russland hat - ein merkwürdiges Zusammentreffen von Umständen! - seine Sympathien für die transnistrischen Separatisten gemäßigt, und zwar genau nach der Anbahnung der Beziehungen zu Moldawien. Es bleibt also unklar, was nun doch wichtiger ist: Prinzipien oder Interessen.

„Nesawissimaja Gaseta": Russlands Abchasien-Pläne forcieren GUS-Spaltung

Die heutigen Anhörungen in der russischen Staatsduma über die nicht anerkannten Republiken könnten zu einer endgültigen Spaltung der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) führen, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta" am Donnerstag. Russland hatte zuvor die einseitigen Sanktionen gegen Abchasien aufgehoben, was gegen die zwischenstaatliche Vereinbarung verstößt und in der GUS einen Präzedenzfall schafft.

Jetzt könnte nach dem russischen Beispiel Moldawien den zweiseitigen Vertrag über die Friedensmission in Transnistrien aufkündigen. Georgien, das im vergangenen Herbst im UN-Sicherheitsrat die Frage nach dem Abzug der russischen Friedenskräfte aus der georgisch-abchasischen Konfliktzone aufwarf und keine Antwort erhielt, ist heute berechtigt, die Frage erneut zu stellen.

Russland baut faktisch zwischenstaatliche Beziehungen zu Abchasien auf und schafft damit mehrere Probleme für sich selbst. Das Image der russischen Friedenstruppen, bisher von keinen internationalen Institutionen angezweifelt, wird durch Moskaus Initiativen gefährdet.

Doch ist die Friedenssicherung nicht das einzige Gebiet der russischen Außenpolitik, das durch die Improvisationen der Staatsduma und des Außenministeriums über das Thema des Präzedenzfalls Kosovo Schaden erleiden könnte. Am gestrigen Mittwoch warnte Georgiens Außenminister David Bakradse ohne Umschweife: "Nicht nur das Fassen des Beschlusses über die Unabhängigkeit der Separatisten, sondern auch nur der einfache Beginn dieses Prozesses wird Russland selbst an seiner Südflanke gefährden."

Von einer sich in der GUS abzeichnenden Spaltung zeugt auch eine Erklärung des ukrainischen Außenministeriums, worin die Schritte Moskaus gegenüber Abchasien verurteilt werden und Georgien in seinem Streben unterstützt wird, die territoriale Integrität zu behaupten. Zweifellos wird Kiew ebenso wie Tiflis seine Anstrengungen in Richtung Nato verstärken.

Wenn das Prinzip der Unverletzbarkeit der Grenzen, zu dem die russische Führung vor der einseitigen Ausrufung der Kosovo-Unabhängigkeit neigte, wirklich ein Eckstein der internationalen Beziehungen ist, darf es nicht aufgegeben werden. Die Prinzipien dürfen nicht deshalb verändert werden, weil sie jemand nicht befolgt.

Im Interesse Moskaus läge es, mit Tiflis ernsthafte Verhandlungen über den Status Abchasiens im Bestand Georgiens einzuleiten. Es gibt viele Varianten einer erweiterten Autonomie, die Suchumi, Tiflis und Moskau gleichermaßen zufrieden stellen könnten. Auf dieser Grundlage die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und Georgien zu normalisieren, darunter bei den Vorbereitungen auf die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi. Abchasien bekäme in diesem Fall große Aufträge, und der Warentransport über die russisch-georgische Grenze würde nicht gegen die international anerkannten Zoll- und Grenzgesetze verstoßen.

"Kommersant": Russischer Goldförderer verklagt Mongolei

Der Goldförderer mit russischer Beteiligung Solotoi Wostok-Mongolija hat beim Stockholmer Schiedsgericht eine Klage gegen Gesetzesänderungen in der Mongolei in Bezug auf ausländische Nutznießer von Bodenschätzen eingereicht, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Donnerstag.

Ihre direkten Verluste wegen der 2006 eingeführten Übergewinnsteuer schätzt die Gesellschaft auf eine Milliarde Dollar. Wenn die Russen diesen Prozess gewinnen, wird die Mongolei ihnen einen Betrag zahlen müssen, der mit ihrem Jahreshaushalt vergleichbar wäre.

"Die Steuer von 68 Prozent bei Goldmarktpreisen über 500 Dollar für die Troy-Unze ist in Wirklichkeit eine zweite Gewinnsteuer und widerspricht folglich dem Prinzip der Vermeidung der doppelten Besteuerung", behauptet Sergej Pauschok, Generaldirektor von Solotoi Wostok-Mongolija.

Das Unternehmen gehört zur Gruppe Solotoi Wostok und ist seit 1997 in der Mongolei tätig (Goldprospektierung und -gewinnung, vier Tonnen im Jahr). Der Gesamtumsatz der Gruppe "Solotoi Wostok" beläuft sich auf mehr als 100 Millionen Dollar.

Übrigens zahlen bei weitem nicht alle Ausländer, die die mongolischen Bodenschätze ausbeuten, die Übergewinnsteuer. So wurde die Steuer für das Unternehmen Boroo Gold mit kanadischer Beteiligung erlassen. Auf sie erstreckt sich das Gesetz der Mongolei über ausländische Investitionen, dem zufolge Ausländern einige Steuererleichterungen gewährt werden. Mehr noch: die mongolische Regierung hat mit dieser Gesellschaft einen Stabilitätsvertrag abgeschlossen. Es handelt sich um einen einzelnen Akt der Regierung, der es erlaubt, für eine Gesellschaft verschiedene Steuerausnahmen einzuführen. Mit russischen Unternehmen gibt es solche Verträge nicht.

Heute sind drei Unternehmen die wichtigsten mongolischen Steuerzahler: das Joint Venture Erdenet (Russischer Anteil: 49 Prozent, Mongolischer Anteil: 51 Prozent), Solotoi Wostok und Boroo Gold. Da diese die Übergewinnsteuer nicht zahlt, sind die Russen die größten Steuerzahler. Nach Schätzungen von Sergej Pauschok hat Erdenet einen Gewinnverlust von 700 Millionen Dollar gehabt, folglich Russland die ihm zustehenden Dividenden nicht bekommen. Nach Ansicht einer Erdenet nahe stehenden Quelle hat Solotoi Wostok Chancen, den Prozess zu gewinnen.

Der Orientalist Juri Krutschkin, Vorsitzender des Koordinationsrates der russischen Landsleute in der Mongolei, nennt jedoch das Beispiel eines missglückten Prozesses gegen die Mongolei. Vor einigen Jahren lieferte die japanische Firma Marubeni Ausrüstung für die Kaschmirproduktion, aber die mongolischen Zahlungen bleiben aus. Als Garant des Geschäfts galt die mongolische Regierung. Vor drei Jahren verklagten sie die Japaner in London. Die Verhandlung läuft noch immer. RIA Novosti

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