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20-08-2005 Politik
Hat der Westen Angst vor Annäherung zwischen Russland und China?
Angst vor den ersten großangelegten russisch-chinesischen Militärübungen war in den westlichen Medien bereits einige Tage vor ihrem Beginn zu spüren.

Wie sonst ließe sich eine Welle von besorgnisvollen und zuweilen sogar unverhüllt alarmierten Veröffentlichungen in einigen angesehenen Printmedien erklären?

Das offizielle Ziel der gemeinsamen Militärübungen "Friedensmission-2005" besteht im Trainieren einer gemeinsamen Operation im Rahmen der Regelung regionaler Konflikte und des Kampfes gegen den Terrorismus. Die Aktion wird vom 18. bis 25. August im Rahmen der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) auf dem Territorium beider Staaten durchgeführt. An den Manövern werden 10 000 Militärangehörige, darunter rund 2000 russische, teilnehmen.

Trotz der Erklärungen Moskaus und Pekings, die Übungen haben keinen demonstrativen Charakter und sind nicht gegen dritte Länder gerichtet, äußern die USA, Japan und Südkorea regelmäßig ihre "Besorgnis" über die Abhaltung dieser Übungen. Diese voreingenommene Einstellung Washingtons und seiner regionalen Verbündeten zu den Übungen ist nur eine Folge ihrer Unzufriedenheit mit der politischen Annäherung zwischen Russland und Peking sowie mit dem wachsenden Ansehen der SOZ, die bereit ist, Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Stabilität in Asien zu übernehmen. Denn all diese Fakten zeugen von einer durchaus realen Bildung einer multipolaren Welt.

Alexander Dugin, Chef der "Internationalen Eurasischen Bewegung", behauptet: "Heute kollidieren zwei Zukunftsbilder immer mehr miteinander: Die amerikanische Vorstellung von einem Weltimperium mit der dominierenden Rolle der USA gegen die Konzeption der Völker und Länder, die der monopolaren Architektur eine multipolare vorziehen."

Zur Aufnahme einer ernsthaften geopolitischen Partnerschaft wurden Moskau und Peking, so Dugin, "von den jüngsten Ereignissen angespornt, als sich der Prozess der ‚samtenen Revolutionen' im postsowjetischen Raum richtig entfaltet hat. Die amerikanische Spur in den Ereignissen in Georgien, in der Ukraine, in Kirgisien und in Usbekistan zeugte deutlich davon, dass sich die USA ernsthaft mit einer Neuformatierung des postsowjetischen Raums im eigenen strategischen Interesse befassen. Das wurde gegen die Interessen Russlands und Chinas unternommen, deren Positionen immer anfechtbarer wurden".

Moskau und Peking erwiderten diese Herausforderung auf ihre Art. "Im Zentrum Eurasiens, im Zentrum des Planeten entsteht eine Vereinigung, zu der mit China und Russland zwei globale Welteinheiten gehören, die als strategische Partner ins 21. Jahrhundert eingetreten sind, und die Länder mit riesigen und gegenseitig ergänzenden Potentialen umfasst", schreibt Russlands Vizeaußenminister Alexander Jakowenko über die SOZ. "Die Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit ist eine einmalige politische Chance und ein prinzipiell neues Modell der geopolitischen Integration", betont der Diplomat. "Die Organisation umfasst fast zwei Drittel des Eurasischen kontinentalen Raums und vereint Staaten mit unterschiedlichen Zivilisationswurzeln."

Die gemeinsamen russisch-chinesischen Militärübungen, die strategische Partnerschaft mit China und die Entwicklung der SOZ - all diese Fakten zeugen zweifellos von einer Veränderung des geopolitischen Kurses Moskaus. Es wäre aber falsch, von einer eindeutig asiatischen Wahl Russlands zu sprechen. Erinnert sei an die Worte des herausragenden russischen Reformers Pjotr Stolypin: "Unser aus der Byzanz stammendes Wappentier ist ein Doppeladler. Natürlich sind auch die einköpfigen Adler stark und mächtig. Wird aber unserem russischen Adler der gen Osten gerichtete Kopf abgehackt, so wird er dadurch nicht in einen einköpfigen Adler verwandelt, er wird lediglich verbluten."

Heute sind wir eher Zeugen der Bildung einer realen Multivektor-Außenpolitik Russlands, deren präzise Realisierung zu einer Steigerung des Ansehens Moskaus sowohl im Westen führen wird, der bemüht sein wird, ein Bündnis zwischen Moskau und Peking mit allen Mitteln zu verhindern, als auch im Osten, der in Russland einen natürlichen Partner zur Ausbilanzierung des westlichen Hegemons sieht. (Arseni Oganessjan, politischer Kommentator, RIA Nowosti).

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