
Ein Moskauer Gericht hat die Festnahme von acht mutmaßlichen Piraten wegen der Kaperung des Frachters "Arctic Sea" offiziell genehmigt. Die Verdächtigen, zu denen außer zwei Russen auch sechs Esten und ein Lette gehören, müssten inhaftiert werden, entschied das Gericht am Freitag.
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Die meisten von ihnen sollen aus der estnischen Hauptstadt Tallinn stammen. Die Verdächtigen waren vor den Kapverdischen Inseln auf der "Arctic Sea" gefangen genommen worden. Nach ihrer Befragung vor Ort wurden sie in die russische Hauptstadt gebracht. Die acht Männer weisen die Vorwürfe der russischen Justiz zurück. „Wir haben den Frachter nicht gekapert. Unser Schiff war untergegangen, wir wollten uns nur retten", sagte der Verdächtigte Igor B. vor dem Gericht. Er und seine Kollegen hätten keine Waffen bei sich. Seinem Anwalt zufolge handelt es sich bei den Verdächtigen um „friedliche Umweltschützer".
Die Boulevardzeitung "Komsomolskaja Prawda" fand anscheinend Nachbarn der „Piraten“ in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Die meisten sollen in einem von Russen bewohnten Bezirk in Tallin wohnen. Ein Internet-Blogger erkannte einen Mitschüler.
Der Tote ist wieder da
Vor drei Jahren soll der Fischer Andrej Lunev im Meer ertrunken sein. Wie der englische „Telegraph“ berichtete, soll die Familie von Andrej Lunev „den Schock ihres Lebens“ bekommen haben als sie im russischen Fernsehen einen Mann sahen, der den gleichen Namen hatte und ihrem Andreij ähnlich sah. Dieser im russischen Fernsehen gezeigte Mann wurde auf der Arctic Sea angeblich festgenommen und als Gefangener in ein russisches Militärflugzeug gebracht.
"Ich sah ihn und die Mutter sah ihn, es ist eine ältere Person, aber es passt zu Andrej, alles passt, wie die Tatsache, dass es sich um einen Fischer handeln soll," sagte die Tante von Andrej Lunev, Tatjana Altavil, aus dem Gebiet Kursk. "Wenn wir sein Geburtsdatum wüssten, oder seinen Vatersnamen, dann könnten wir es ganz sicher sagen."
Tatjana Altavils Neffe wird auf der Webseite für vermisste Personen geführt. Dort steht: "Wir suchen nach Andrej Wladimirowitsch Lunev. Er arbeitete in Petropavlvsk-Kamtschatka auf einem Fischereischiff. Er verschwand am 18.08.2006. "
Zuerst wurde ihr von russischen Beamten erzählt, dass er ertrunken sei als sein Schiff, die Pelagial, kenterte. Später erfuhr sie, dass er möglicherweise nach einem Streit mit seinem Chef verschwand - und was mit ihm dann passiert ist bleibt ein Rätsel, denn die Besatzung hatte den Arbeitstag schon beendet.
Andrejs tief religiöse Mutter konsultierte danach einen Mönch in einem Kloster, um herauszufinden wo er war. "Da gab es keine überzeugende Erklärung, dass er tot sein solle. Der Mönch soll den Hinweis gegeben haben ihn in Estland und den baltischen Staaten zu suchen", sagte Tatjana Altavil.
„Entführer“ und auch die Seeleute der Arctic Sea, die nach Moskau gebracht wurden, werden immer noch verhört und sitzen im Moskauer Gefängnis Lefortowo.
Die Angehörigen der Mannschaft der Arctic Sea beklagen, dass bisher keinen Kontakt zu ihren Familienangehörigen haben und fragen sich, auf welcher Rechtsgrundlage die „befreiten Seeleute" immer noch festgehalten werden.
"Arctic Sea" war nie verschollen
Laut einem Zeitungsbericht der "Süddeutsche Zeitung" war die Arctic Sea, entgegen offiziellen Verlautbarungen, nie verschollen. Wie die
"Süddeutsche Zeitung" berichtet, hat die NATO immer gewusst, wo sich der Frachter befand. "Man hat seinen Weg durch den Ärmelkanal, durch die Biskaya und vor der portugiesischen Küste permanent verfolgt", zitierte die Zeitung aus NATO-Kreisen. Die russische Regierung habe jedoch von Anfang an darauf bestanden, das Problem selbst zu lösen. "Da haben wir uns bewusst rausgehalten. Sonst hätte es mächtige Verwicklungen gegeben", hieß es demnach bei der NATO.
Die NATO hat Russland bei der Suche nach dem Schiff unterstützt und laufend mit Daten versorgt.
Der russische Nato-Botschafter Dmitrij Rogosin sagte dem SPIEGEL, dass er Nato-Chef Anders Fogh Rasmussen am 11. August über die Suche nach der "Arctic Sea" informiert habe, am nächsten Tag habe Russland von dem Bündnis die Koordinaten erhalten. Anschließend seien die Daten täglich präzisiert worden.
Der EU-Kommissionssprecher Martin Selmayr erklärte: "Wenn wir nichts gesagt haben, dann heißt das nicht, dass wir nichts wussten. Mit dem Fall "Arctic Sea" sollen Geheimdienste aus 20 Ländern beschäftigt gewesen sein“.
Nato und EU-Kommission halten sich auf Bitten der Russen weiter an ihr Schweigegelübnis.
Die angeblich mit Holz beladene "Arctic Sea" war am 23. Juli nach Algerien aufgebrochen. Einen Tag später verschwand das Schiff, das unter maltesischer Flagge fährt und im Auftrag einer finnischen Reederei unterwegs war. Die mysteriöse Fahrt endete am letzten Montag vor der Küste der Kapverden, wo ein russisches Kriegsschiff den Frachter aufbrachte. Laut Kreml soll das Schiff jetzt auf den russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk gebracht werden. Der finnische "Arctic Sea"-Betreiber Solchart sowie die russische Seefahrergewerkschaft fragen, wieso Moskau den Frachter, der unter maltesischer Flagge fuhr, nicht freigebe. [ russland.RU ]
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