Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder ist am
Donnerstag zum Aufsichtsratschef des deutsch-russischen Konsortiums für den
Bau der Gas-Pipeline durch die Ostsee gewählt worden. Das
Gemeinschaftsunternehmen teilte mit, die Entscheidung sei auf der ersten
Sitzung des Aufsichtsrats am Morgen in Moskau gefallen. An dem Konsortium NEGP
Company mit Sitz im schweizerischen Zug sind der russische Gasriese Gasprom
und die deutschen Konzerne BASF und Eon beteiligt.
Gasprom hält mit 51 Prozent
die Mehrheit, BASF und Eon sind mit je 24,5 Prozent Minderheitsgesellschafter.
Schröders Tätigkeit für das Pipeline-Konsortium ist in Deutschland
parteiübergreifend auf Kritik gestoßen.
Von den acht Sitzen im Aktionärsausschuss (Aufsichtsrat) der NEGP
(Nordeuropäische Gaspipeline) liegen vier bei Gasprom und jeweils zwei bei
BASF und Eon. Schröder ist neben Gasprom-Chef Alexej Miller einer der vier
Gasprom-Vertreter im Aufsichtsrat. Als Geschäftsführer des Konsortiums wurde
ebenfalls auf der ersten Sitzung der Dresdner-Bank-Manager Matthias Warnig
eingesetzt.
Die NEGP will nach eigenen Angaben in den kommenden Jahren für bis zu 2,5
Milliarden Euro eine 1200 Kilometer lange Pipeline errichten, durch die bis zu
27,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr von der russischen Ostseeküste bis
in die Höhe von Greifswald gepumpt werden können. Die Leitung soll 2010 in
Betrieb gehen. Zur Koordinierung der Bauarbeiten auf dem russischen
Territorium soll in Moskau eine Niederlassung eröffnet werden.
Schröder verdient als Aufsichtsratschef 250.000 Euro
Gerhard Schröder verdient als
Aufsichtsratschef des deutsch-russischen Gaspipeline-Konsortiums 250.000 Euro
im Jahr. Diese Summe sei als Aufwandsentschädigung gedacht, sagte Schröder am
Donnerstag nach seiner Wahl für den Posten in Moskau. Die einfachen
Aufsichtsratsmitglieder erhalten demnach 200.000 Euro. Schröders Vergütung
liegt damit deutlich niedriger als in Presseberichten genannt, gegen die sich
der Ex-Kanzler juristisch zur Wehr gesetzt hatte.
Mit 250.000 Euro verdient Schröder etwa so viel wie ein Aufsichtsratschef
bei den großen deutschen Unternehmen Volkswagen und BASF. Allerdings sticht er
viele Aufsichtsratschefs der 30 größten deutschen Konzerne im Aktienindex Dax
aus. "Mit 250.000 Euro läge er im Dax im oberen Drittel", sagte Jürgen Kurz
von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Laut der
Beratungsfirma Towers Perrin kamen die Dax-Aufsichtsratschefs im vergangenen
Jahr im Schnitt auf einen Verdienst von knapp 200.000 Euro. Mehr als Schröder
verdienen im Dax demnach nur die Chefs der Kontrollgremien des Autokonzerns
BMW, der Deutschen Bank, des Energiekonzerns Eon, des Mischkonzerns Henkel,
des Pharmaunternehns Schering und des Stahlherstellers ThyssenKrupp.
Schröder wies die Kritik an seinem Posten erneut zurück: "Dieses Projekt
ist ein Projekt dreier unabhängiger privater privater Gesellschaften und es
liegt im Interesse Deutschlands, deswegen wird es von jeder deutschen
Regierung unterstützt", unterstrich er. Er fügte aber hinzu: "Mit der Kritik
muss ich leben, gar keine Frage." Seine Übernahme des Postens war in
Deutschland parteiübergreifend auf Kritik gestoßen, da Schröder als
Bundeskanzler das Geschäft politisch in die Wege geleitet hatte.
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