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Flattr this 28-03-2006 Politik
Gerhard Schröder bietet Putin Gründung einer lobbyistischen Struktur an
Altbundeskanzler Gerhard Schröder, heute Vorsitzender des Aufsichtsrates der Ostseepipeline, hat der russischen Regierung die Bildung einer lobbyistischen Struktur angeboten, die Russlands Interessen im Westen verteidigen würde, schreibt die Tageszeitung "Kommersant" am Dienstag.

Deutsche Experten sehen hier ein Problem darin, dass die Arbeit der Struktur aus Mitteln russischer Unternehmen finanziert werden soll, während im Kreml befürchtet wird, dass dies sich negativ auf die Beziehungen mit der jetzigen Kanzlerin Angela Merkel auswirken könnte.

Experten betrachten die Idee zur Durchsetzung der russischen Interessen über deutsche Lobbyisten als durchaus logisch. Nach dem Gaskonflikt mit der Ukraine hat Moskau das Jahr seines G8-Vorsitzes mit beträchtlichen Imageverlusten begonnen. "Die Gasattacke wurde in Europa ungefähr wie Tschernobyl aufgenommen", äußerte Alexander Rahr, Experte der Deutschen Gesellschaft für Außenpolitik. Seit der Zeit betrachtet die Öffentlichkeit in Europa die Ostseepipeline als ein politisches Projekt. Die Versuche des Konzerns Gasprom, auf europäische Einzelhandelsmärkte vorzudringen, stoßen nun auf öffentlichen Widerstand in diesen Ländern. "Das Projekt der Ostseepipeline war von beiden Seiten in Bezug auf die PR blamabel umgesetzt worden", sagte Wladimir Below aus dem Institut für deutsche Studien.

Die Tatsache, dass der Ex-Kanzler bald nach seinem Rücktritt die Leitung des Aufsichtsrats der Ostseepipeline übernommen hatte, schadete seinem Ruf. "Die lobbyistischen Möglichkeiten von Herrn Schröder haben sich verringert", stellt Arkadi Mosches aus dem Finnischen Institut für europäische Studien fest. "Im Brüsseler Hauptquartier der Europäischen Kommission wird Gerhard Schröder nun mit anderen Augen angesehen."

Im Kreml wird vorerst an der Zweckmäßigkeit der Realisierung dieses "Schröder-Plans" gezweifelt. Die Beamten befürchten, dass sich eine offene Unterstützung der Idee des Altbundeskanzlers negativ auf die Beziehungen mit dem offiziellen Berlin im Vorfeld des für Ende April geplanten Russland-Besuchs von Kanzlerin Angela Merkel auswirken könnte. (RIA)


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