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06-06-2005 Kultur
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Russland spricht die Sprache Puschkins, doch vergisst seine Werke |
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Am 6. Juni begeht Russland den Geburtstag des größten Dichters des Landes, den von Alexander Puschkin (1799 - 1837). Zwei Jahrhunderte lang lebt Russland schon mit seiner Poesie und seiner Prosa.
Die Russen sprechen in der Sprache, die er zum großen Teil schuf. Doch es muss eingeräumt werden, dass die Jugend seine Werke kaum kennt.
Jedes Jahr am 6. Juni versammeln sich an seinem Denkmal im Zentrum von Moskau berufsmäßige Dichter und Liebhaber. Es erklingen Puschkins Gedichte. Das Fernsehen erinnert an diesem Tag erneut an das russische Genie, welches zur Stimme Russlands wurde und sein Selbstbewusstsein ausmacht.
Unter den Anhängern der Poesie Puschkins finden sich berühmte Darsteller, Wissenschaftler, Diplomaten und Politiker, darunter auch ausländische wie zum Beispiel der französische Präsident, Jacques Chirac. Doch trotz alledem kann die junge Generation großteils nicht begreifen, wie sehr Puschkin für Russland unverzichtbar ist, und verhält sich ihm gegenüber herablassend. Bittet man Schüler, seine Gedichte aus dem Gedächtnis vorzutragen, dann vermögen sie es nicht.
Zu sowjetischen Zeiten galt der große Dichter als Vorbote der Revolution. Er stand der Geheimorganisation der Dekabristen nahe und engagierte sich gegen die Selbstherrschaft. In der postsowjetischen Epoche erinnerte man an seine Warnung vor einem russischen Aufruhr: „sinnlos und unerbittlich". Das gegenwärtige 21. Jahrhundert vermochte es indessen, sich an den unflätigen Scherzen Puschkins zu ergötzen. Unaufhörlich wird darüber gestritten, ob seine Ehefrau, die schöne Natalja Gontscharowa, Mutter seiner vier Kinder, ihm treu war.
Den heutigen Kindern werden Puschkins Märchen vorgelesen. In der Schule behandelt man seinen Roman „Eugen Onegin" über die Einsamkeit, über die Kraft der Bedingtheit und den scharfen Widerspruch zwischen Verstand und Gefühl. Wenig später entdecken die Russen dann den „Ehernen Reiter" für sich, das Poem über Russland, seinen möglichen Weg und sein ewiges Unglück, den Graben zwischen Staat und Individuum. Alexander Puschkin ist ein Fall für alle Lebensumstände, ein Gemeingut, ohne das Russland schon nicht mehr das wäre, was es ist.
(RIA)
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