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12-08-2003 Verschiedenes
Russlands Gesundheitswesen braucht eine Reform
(MOSKAU) Wie sieht es im russischen Gesundheitswesen nach den elf Jahren der Marktreformen aus? Wo und wie lassen sich die 140 Millionen Bürger Russlands behandeln? Die Antwort lautet: Es sieht sehr bunt aus, und die Bürger lassen sich dort und so behandeln, wo und wie sie eben können.

In der Sowjetunion, die Ende 1991 von der politischen Karte der Welt verschwand, war die medizinische Betreuung staatlich und für die Bürger unentgeltlich. Doch das Problem der Zugänglichkeit und der Qualität der medizinischen Hilfe hatte das unentgeltliche sowjetische Gesundheitswesen nicht gelöst. Es wurde aus dem Haushalt finanziert, aber eben vom Rest der betreffenden Mittel, und hatte keine Entwicklungsressourcen. Zudem blieben in den 70 Jahren Isolierung des Landes die Ausrüstung, die Technologien, Materialien, Medikamente und Pflegemittel, die in der sowjetischen Medizin angewandt wurden, um Jahrzehnte hinter dem Niveau der entwickelten Länder zurück.
Für die einfachen Menschen bedeutete diese Situation Warteschlangen in den medizinischen Einrichtungen, Mangel an den einfachsten Arzneien, das Fehlen wirksamer und qualitativ hochwertiger Medikamente. Schon in der UdSSR-Zeit tauchte innerhalb des staatlichen offiziellen Gesundheitswesens ein „graues", inoffizielles entgeltliches System auf. Wer die Möglichkeit und das Geld hatte, ließ sich von guten Ärzten behandeln und „beschaffte" sich einen Platz in einer guten Klinik, wobei es wiederum auf persönliche Beziehungen und - nun ja, auf das Geld ankam. Gerade in der sowjetischen Zeit entstand der Satz: „Sich umsonst behandeln zu lassen, heißt, umsonst behandelt zu werden." Das staatliche System des Gesundheitsschutzes hat sich in Russland bis heute erhalten. Und alle Bürger Russlands haben das Recht, seine Leistungen in Anspruch zu nehmen. 1996 wurde das Gesetz über die medizinische Pflichtversicherung der Bevölkerung verabschiedet. Die Bürger erhielten unentgeltlich die Policen der staatlichen medizinischen Versicherung in die Hand - es wurde angenommen, dass auf diese Weise die Marktmechanismen in Russlands Medizin Wurzeln schlagen würden, so dass die medizinischen Einrichtungen um das Geld der Patienten miteinander konkurrieren müssten. Aber die Policen haben nichts geändert. Das System, der Form nach marktwirtschaftlich geworden, ist dem Wesen nach sowjetisch geblieben: aufwendig, schwerfällig und wenig rationell.



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