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07-08-2003 Verschiedenes
Skinheads in Russland: Wer sind sie?
Erst vor kurzem wurde in Surgut eine Strafsache gegen die Mitglieder einer dortigen Gruppe von jugendlichen Skinheads verhandelt, die viel Aufsehen erregte. Am Vorabend des Geburtstags von Adolf Hitler hatten sie im vorigen Jahr den Bürger Tadshikistans Chadshijew erschlagen. Die minderjährigen Mörder wurden vom Gericht zu vier bis acht Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Für einige der Verurteilten wurde eine zwangsweise psychoneurologische Behandlung angeordnet.

Was bewegt die jungen Menschen, die sich Skinheads nennen, und worin liegen die Ursachen für die Entstehung der Skinhead-Bewegung in Russland und in der Welt?

Die ersten Skinheads erschienen in England Ende der sechziger Jahre. Sie kamen aus der „Arbeiteraristokratie" der britischen Industriebezirke. Die Skinheads der ersten Welle verkörperten eine Protest-Klassenkultur der Jugend gegen die offizielle bürgerliche Kultur, aber auch gegen die Gegenkultur der 60er Jahre - also die der Hippies, Punks und Rocker.

Um ihre Klassenzugehörigkeit zu unterstreichen, zogen sich die Skinheads wie Docker an und schnitten sich die Haare ganz kurz, weswegen sie die Skinheads genannt wurden. Die Frisur übernahmen die Skinheads aus der Subkultur der jungen Schwarzen von Jamaika, was ihre Sympathie für die Kultur der „Farbigen" betonte. Die Skinheads der ersten Welle waren keine Rassisten.

Die Skinheads der „zweiten Welle" erschienen in England Ende der 70er Jahre. Sie waren ein Produkt der Wirtschaftskrise in England, die Massenarbeitslosigkeit zur Folge hatte. Damals hatten die Neofaschisten Großbritanniens, die unter den Skinheads rassistische Ansichten propagierten und Wirtschaftskrise sowie Arbeitsplatzmangel den eingewanderten ausländischen Arbeitern zur Last legten, einen großen Einfluss. Bald wurde die Losung „Britannien muss weiß bleiben!" zum Lieblingsmotto der Skinheads. Die rechtsorientierten Skinheads wurden als Nazi-Skins bezeichnet. Außer in Großbritannien erschienen Nazi-Skins in Polen, Tschechien, Ungarn, Kroatien, Slowenien und Bulgarien. Besonders starke Gruppen von Nazi-Skinheads, die sich in der Regel aus Gruppen von Fußballfans zusammensetzen, entstanden in den USA und in Deutschland.

Zugleich tauchten auch rote Skinheads auf, die nazistische und rassistische Ideen ablehnten. Sie traten gegen die Nazi-Skinheads auf, bis hin zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Die Ideologie der roten Skinheads basierte auf den Prinzipien des Internationalismus und der sozialen Gerechtigkeit. Heute sind sie in England, Deutschland, Frankreich, den USA, Polen und im spanischen Baskenland aktiv.

In Russland kam die Skinhead-Bewegung Anfang der 90er Jahre auf. Ebenso wie andere Jugendsubkulturen - Hippies, Punks, Baker, Breaker, Trasher, Acid - hatte sie ihren Ursprung im Westen. Zentren der russischen Skinheads sind Moskau, St. Petersburg und Nishni Nowgorod.

Moskau zählte Mitte 1998 nach verschiedenen Schätzungen 700 bis 2000 Skinheads, St. Petersburg - 700 bis 1500, Nishni Nowgorod rund 1000, Woronesh, Samara, Saratow, Krasnodar, Rostow am Don, Jaroslawl, Krasnojarsk, Irkutsk, Omsk, Tomsk, Wladiwostok, Rjasan und Pskow bis zu einigen Hundert. Ende 1999 betrug ihre Zahl in Moskau bereits bis zu 3800, in St. Petersburg bis zu 2700, in Nishni Nowgorod mehr als 2000, in Rostow am Don mehr als 1500, in Jaroslawl, Pskow und Kaliningrad überstieg sie je 1000. Vergleichshalber sei gesagt, dass in Moskau im Jahre 1992 zehn, in St. Petersburg fünf Skinheads gezählt worden sind. Nach Meinung russischer Politologen hätten zwei Faktoren die Verbreitung der Skinhead-Bewegung unter der Jugend beeinflusst: die Wirtschaftskrise und der Zerfall des Bildungs- und Erziehungssystems.



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