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08-09-2005 Verschiedenes
Russisch-Orthodoxe Kirche kämpft gegen HIV-Epidemie
Die Russisch-Orthodoxe Kirche hebt die Notwendigkeit ihrer Beteiligung an der Bekämpfung der HIV/AIDS-Epidemie in Russland hervor. In Moskau hat die Präsentation der „Konzeption der Beteiligung der Russisch-Orthodoxen Kirche am Kampf gegen die Ausbreitung von HIV/AIDS und an der Betreuung von Menschen, die mit HIV/AIDS leben“ stattgefunden.

„Die Epidemie des Immundefizit-Virus ist ein Problem der Gesellschaft, der Kirche, des Staates und eines jeden Menschen, es muss die gesamte Gesellschaft zusammenschließen“, sagte der Prorektor des Bereiches Wissenschaftlich-theologische Arbeit der Moskauer Geistlichen Akademie, Wladimir Schmalij.

„Die Gesellschaft darf sich nicht vor der Erkenntnis sozialer Krankheiten drücken“, bemerkte der stellvertretende Vorsitzende der Abteilung für kirchliche Auslandsbeziehungen des Moskauer Patriarchats, Oberpriester Wsewolod Tschaplin. Ihm zufolge gibt es schon heute nicht wenig kirchliche Projekte für die Bekämpfung der Epidemie und „ist ein ganzes kirchliches Netz zur Hilfeleistung für die mit dem Virus infizierten Menschen geschaffen worden“. Unter den wichtigsten Richtungen ihrer Arbeit hebt die Kirche die Fürsorge für HIV-Infizierte - Erwachsene wie Kinder - und ihre Pflege in Krankenhäusern und Hospizen sowie die psychologische und rechtliche Hilfe für sie und ihre Familien hervor. Die Russisch-Orthodoxe Kirche ist bereit, die soziale Rehabilitation der mit dem Virus infizierten Menschen und den Schutz ihrer Rechte zu fördern sowie mit infizierten Häftlingen zu arbeiten. Sie befasst sich ferner mit der Aufklärungstätigkeit. Die Kirche ist ferner gewillt, an der Ausbildung von Sozialmitarbeitern, so beispielsweise von Fürsorgeschwestern, und von Beratern für Sorgentelefone und Konsultationszentren für HIV-Infizierte, mitzuwirken. „Die Kirche ist bereit, all denen zu helfen, die sich an sie wenden“, betont Wladimir Schmalij. „Es kommt darauf an, den Menschen dabei zu helfen, ihre Verzweiflung zu überwinden und die Hoffnung wiederzuerlangen“, heißt es in der Konzeption.

„Die gegenwärtige Konzeption ist ein historischer Schritt im Kampf gegen die Entwicklung der Epidemie“, sagte der Chef der Abteilung für die Organisation der HIV/AIDS-Aufsicht des Föderalen Dienstes für die Aufsicht im Bereich des Schutzes der Verbraucherrechte und des Wohlergehens des Menschen, Alexander Goliussow. Das Ministerium für Gesundheitswesen und Sozialentwicklung betrachtet die Kirche als „eine wichtige und nützliche Partnerin bei der Bekämpfung der Epidemie“.

„Heute wirken viele Projekte zur Prophylaxe und zur Bekämpfung von HIV/AIDS für Konsumenten injizierbarer Narkotika und für Menschen, die ungeregelten Geschlechtsverkehr haben“, bemerkte Goliussow. „In Russland gibt es jedoch faktisch keine Projekte, die auf die geistliche und moralische Wiedergeburt der Gesellschaft ausgerichtet sind. Hierbei ist die Rolle der Kirche nicht zu überschätzen.“
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russland.RU Schwerpunkt - Aids in Russland
Ihm zufolge „sind die Rauschgiftsucht und das deviante (abweichende) Sexualverhalten nur Folgen, die Wurzel des Problems liegt aber in der Verhaltens- und der Erziehungsweise.“ Wie der Chef der Abteilung für die Organisation der HIV/AIDS-Aufsicht betont, „ist es notwendig, die moralischen, die familiären Werte ins Leben zurückzurufen, AIDS ist ein Problem des veränderten Verhaltens der Menschen“.

In der Konzeption wird festgestellt: „Als Nährboden für die HIV-Epidemie dient die Massenverbreitung asozialer und unmoralischer Verhandlungsnormen.“ Die wahre Ursache für die Entwicklung der Epidemie ist „der Verlust der fundamentalen moralischen Grundfesten durch die Gesellschaft“. „Es muss eine wirkliche Alternative zur geistigen Armut in der Gesellschaft aufgezeigt werden“, bemerkt Oberpriester Wsewolod Tschaplin. „Mit ihrem Bekenntnis zur Toleranz gegenüber dem devianten Sexualverhalten kann die Gesellschaft in der Tat keine Kräfte aufbringen, um der Propaganda der sexuellen Zügellosigkeit entgegenzuwirken und die betroffenen Menschen zu unterstützen“, sagt Vater Wladimir Schmalij. „Indessen sind die angesteckten Menschen vor allem Opfer, meistens Jugendliche.“

Nach Angaben von Alexander Goliussow sind bis zu 80 Prozent der Infizierten jungen Menschen zwischen 15 und 30 Jahren alt. In der Regel handelt es sich um Konsumenten intravenöser Narkotika. Aber auch Fälle, da es wegen Fahrlässigkeit von Medizinern zu einer Ansteckung kommt, sind nicht selten; die Zahl der Kinder, die von HIV-infizierten Müttern geboren werden, nimmt zu. Es häufen sich die Fälle von HIV-Übertragung beim Geschlechtsverkehr. Die Krankheit greift in immer breitere Schichten der Gesellschaft ein, wird von Experten festgestellt. Nach ihren Schätzungen gibt es 800 000 bis eine Million HIV-infizierte Menschen in Russland.

Zu einer wirksamen Bekämpfung der Epidemie ist es notwendig, dass sich alle Strukturen - staatliche, gesellschaftliche, religiöse und wissenschaftliche - sowie Massenmedien vereinen. Dies ist de jure durch die Bildung des Koordinierungsrates für HIV/AIDS zustande gekommen. De facto befindet sich die Konsolidierung erst im Anfangsstadium. (Olga Sobolewskaja, Kommentatorin der RIA Nowosti).

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