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31-12-2003 Verschiedenes
Die Einwohner Russlands – Sammler von Neujahrstraditionen
Neujahr rückt heran und auf den Tannenbäumen im ganzen Lande werden Lichtergirlanden aufflammen. Der russische Mensch liebt Feste und Vergnügungen. Darum nimmt er alles, was sie mannigfaltiger macht und ihnen ein neues Kolorit verleiht mit Freuden auf.

Bei uns sind aus dem Orient stammende Traditionen, wie zum Beispiel der chinesische Kalender und das Horoskop, sowie auch westliche mit dem Weihnachtsfest zusammenhängende Bräuche heimisch geworden. In Russland lässt sich auch ein starker Widerhall der heidnischen Verganenheit der Slawen spüren. Seit alters her betete das Volk die Sonne an und verknüpfte mit ihr die Hoffnung auf eine gute Ernte und auf Wohlstand, darum glauben die Menschen an Omen, die mit Naturerscheinungen zusammenhängen. Selbst die Traditionen der Sowjetzeit dürfen beim Neujahrsfest nicht fehlen.

Der russische Zar Peter I. gab, von dem Wunsch getragen, dass Russland das Neujahrsfest gemeinsam mit dem aufgeklärten Europa begehe, den Erlass zur Aufhebung der Zeitrechnung von der Erschaffung der Welt an und der Einführung des Christlichen Kalenders heraus. Seit 1700 begeht Russland daher Neujahr am 1. Januar. Damals entstand auch der Brauch, die Wohnstätte mit Tannenzweigen zu schmücken, und erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden in ganz Russland die Tannenbäume zum Hauptschmuck in den Häusern in Stadt und Land.

Weihnachten nach dem orthodoxen Kalender fällt in Russland auf den 7. Januar, aber die Traditionen, die aus dem Westen kommen, wo die katholischen Weihnachten am 25. und 26. Dezember begangen werden, bürgern sich auch bei uns ein. Besonders anschaulich ist das in den Städten, wo bereits Ende Dezember festliche Stimmung herrscht: Es taucht überall Festbeleuchtung auf, in den Schaufenstern der Geschäfte erscheinen Tannenbäume und in den Geschäften selbst herrscht festlicher Trubel.

In Altrussland gab es folgenden Brauch: Am Heiligabend und am Neujahrsabend veranstalteten festlich gekleidete junge Menschen und Kinder Vergnügungen, sangen Lieder, gingen von Haus zu Haus, gaben den Hausherrn Rätsel auf und erbaten Süßigkeiten. Sie wurden freudig empfangen und freigiebig mit Süßigkeiten und Kuchen bewirtet. In der Weihnachtszeit sagten die Mädchen wahr. Es hieß, dass die Natur am Geburtstag Christi den Menschen Zeichen gebe, die ihnen helfen sollten, sich im Leben zurechtzufinden. Es gab eine Menge mit der Natur zusammenhängende Omen, die die Ernte im beginnenden Jahr voraussagten. In der Aufmerksamkeit, die den Omen geschenkt wurde, waren alte heidnische Traditionen der Slawen erkennbar. Wenn der erste Weihnachtstag warm war, so konnte man in dem Jahr eine reiche Ernte erwarten. Im Volk bestehen auch Omen, die wahrhaftig schicksalsträchtig sind. Am Morgen des 7. Januar konnte man den Menschen, für den man bestimmte Gefühle hegte, fragen: „Liebst du mich?". Und er durfte bei der Antwort nicht lügen. Es hieß, dass die Erde einen Menschen, der gelogen hat, zu sich nehmen würde. Der 7. Januar galt auch noch als Tag, an dem das Herz von einer quälenden oder unerwiderten Liebe befreit werden konnte. Dazu musste ein Stein, mit dem eingesäuerter Kohl in einem Gefäß beschwert worden war, erhitzt und in eiskaltes Wasser geworfen werden. Wenn der Stein platzte, verschwand das Gefühl, das den Menschen gequält hatte. Wenn zu Weinachten die Sonne schien, so bedeutete das, dass sich alle dunklen Kräfte in den Winkeln des Hauses versteckten, und die Hausherrin musste sie mit einem Besen aus mit siedendem Wasser begossenen Brennesseln hinwegfegen.

Neujahrsspecial
Zur Einstimmung auf die Festtage haben wir einige Kleinigkeiten in einem Weihnachts – Neujahrsspezial zusammengestellt. Etwas zum mitsingen, eine Postkartenauswahl von 1959 bis 1992 und nicht zu vergessen, die Schläge der Turmuhr des Spasskaja-Turmes.
Nach der Revolution von 1917 wurde die Begehung des Neujahrsfestes in Russland aufgehoben. Die Menschen feierten es aber, wenn auch nicht so lärmend, so doch zu Hause. Damals entstand wahrscheinlich auch die Tradition, an der Tafel zu sitzen. Seitdem gilt das Neujahrfest in Russland in höherem Maße als ein Familien- und Hausfest. Wenn der Tisch bereits gedeckt ist und alle sich versammelt haben, wird das Fernsehgerät, ein ständiger Teilnehmer am Neujahrsfest, eingeschaltet. Der Staatschef begrüßt über den Bildschirm das Volk und wünscht ihm alles Beste. In dem Moment, wo das Glockenspiel am Spasskaja Turm des Kreml zwölft schlägt, muss man sich etwas wünschen. Wie es heißt, geht dieser Wunsch unbedingt in Erfüllung. Seit nahezu 30 Jahren schon ist auch der Kultusfilm des Regisseurs Eldar Rjasanow „Die Ironie des Schicksals" ein ebensolcher nicht weg zu denkender Bestandteil des Neujahrsfestes wie die Gratulation des Staatschefs. In der Nacht vom 31. Dezember zum 1. Januar wird er zu verschiedener Zeit in mehreren Fernsehprogrammen ausgestrahlt. Wer erfahren möchte, wie in Russland das Neujahrsfest begangen wird, sollte sich diesen großartigen Streifen ansehen.

Das Neujahrsgelage ist in Russland eine ziemlich schwere Prüfung. Selbstverständlich lassen sich nicht alle Gerichte, die zu diesem Fest zubereitet werden, aufzählen. In der Regel gehören dazu Krabbensalat, der Salat „Olivier", Lachs, Kaviar und Schaumwein. Absolut unvorstellbar ist die russische Festtafel ohne einen guten Wodka. Der russische Brauch, nach einem Gläschen Wodka, Salzgurken zu essen, ist sehr praktisch, denn sie enthalten Salze und Mineralien, die den Alkohol aus dem Organismus auswaschen.

Die Einwohner Russlands sind nicht sonderlich abergläubisch, zeigen aber ein fast kindliches Interesse für die Omen, die im chinesischen Kalender angeführt werden und mit dem Neujahr zusammenhängen. 2004 ist nach dem chinesischen Kalender ein Jahr des hölzernen Affen. Die Affen leben in Familien, das bedeutet aber, dass im anbrechenden Jahr die Familie, ungeachtet des immer stärker werdenen Hanges zum Amüsement, im Vordergrund stehen wird. Der Planet des Jahres 2004 ist die Venus, die Summe aus den einzelnen Ziffern der Jahreszahl ergibt 6 - das ist auch die Zahl der Venus, der sechste Planet. Ensprechend wird alles, was in einer Beziehung zur Liebe steht, das Hauptanliegen in diesem Jahr sein. Die Venus nimmt jene unter ihren Schutz, die um der Liebe willen nicht mit Geld geizen und es mit Geschmack ausgeben. Das Neujahrsfest sollte man in einer Kleidung begehen, in der Grün, Hell- und Tiefblau präsent sind. Auf der Festtafel müssen unbedingt säuerliche Gerichte mit entsprechendem deutlich ausgeprägtem Duft vorhanden sein.

Die Reihe der Festtage endet in Russland am 14. Januar, wo das „Alte Neujahr" begangen wird. An diesem Tag ist es üblich, Besuche abzustatten und die Freunde zu beglückwünschen.

Die Einwohner Russlands sind nicht konservativ. Ungeachtet dessen, dass viele von ihnen es vorziehen, das Neujahr zuhause zu feiern, ist die Zahl jener, die nicht abgeneigt sind, es irgendwo anders zu begehen, groß. Junge Menschen versammeln sich gern zu großen Gesellschaften, empfangen Gäste oder feiern das Fest in Restaurants. Einige feiern das Neujahrsfest in der Stadtmitte von Moskau, auf dem Roten Platz. Die Straßen der Stadt sind in dieser Nacht voller freudiger lärmender Menschen. In Russland sind Feste sehr beliebt, mit dem Neujahrsfest werden aber besondere Hoffnungen verknüpft. Die Menschen erwarten an diesem Tag, unabhängig von ihrer sozialen Lage und ihrem Alter, ein Wunder. ( Marija TUPOLEWA, Kommentatorin der RIA „Nowosti" )

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