russland.RU berichtet in Wort und Bild aus Russland und über Russland. Ungebunden, unabhängig und überparteilich. Ohne Vorurteile und Stereotypen versucht russland.RU Hintergründe und Informationen zu liefern um Russland, die Russen und das Leben in Russland verständlicher zu machen. Da wo die großen Verlage und Medienanstalten aufhören fängt russland.RU an.


Archiv:
2003   2004   2005   2006   2007   2008   2009   2010   2011   2012   2013


22-07-2003 Verschiedenes
ISS kann ohne russische Hilfe nicht auskommen
(MOSKAU) Flüge der amerikanischen Weltraumfähren könnten nach Einschätzung von Juri Koptew, Leiter der russischen Weltraumbehörde, bestenfalls Mitte 2004 wieder aufgenommen werden. Das bedeute, dass alles, was mit dem Betrieb der Internationalen Weltraumstation (ISS) verbunden ist, noch lange ausschließlich in der Kompetenz der russischen Raumfahrt bleiben werde, denn gegenwärtig könne nur diese bemannte Raumschiffe zur Raumstation entsenden.


Diese Betrachtung der Dinge erscheint im Gegensatz zu den Plänen der NASA-Führung, die Shuttle-Flüge bereits im Oktober 2003 wiederaufzunehmen, als durchaus realistisch. NASA-Chef Sean O'Keefe erklärte in einem Ende Juni in der „New York Times" veröffentlichten Interview völlig offen: Ausgehend von den Schlussfolgerungen des unabhängigen Kongress-Ausschusses, der sich mit der Untersuchung der Ursachen des Absturzes der Columbia befasst hatte, wäre noch ein Jahr notwendig, um alle mit dem Unglück verbundenen Materialien auszuwerten und Schlüsse bezüglich der weiteren Einsätze der Weltraumfähren zu ziehen. „Die Station selbst erfordert aber, dass wir die Flüge im Oktober wiederaufnehmen", so O'Keefe.

Offenbar haben zwei Umstände O'Keefe gezwungen, eine solche Erklärung abzugeben. Erstens: Die Amerikaner wollen - zumindest vorerst - keine Erweiterung der russischen Beteiligung am ISS-Programm. Diese wäre aber unvermeidlich, sollten die Raumfähren noch für eine unbestimmte Zeit auf der Erde bleiben. Eine Bestätigung dafür wäre die ablehnende Haltung der NASA zu einem Einsatz des neuen russischen Transporters, der speziell für die Lieferung schwerer Güter zur ISS bestimmt ist. Zweitens: Die NASA ist ernsthaft darüber besorgt, ob Russland angesichts der komplizierten Situation bei der Finanzierung der Weltraumstation in der Lage sein wird, die Raumstation im Alleingang zu betreuen, neue Weltraumteams ins All zu bringen und Raumfahrer zur Erde zu befördern. Mit anderen Worten: ob die bemannten Raumschiffe vom Typ Sojus und die automatischen Raumtransporter vom Typ Progress dazu ausreichen würden.

Die erste Überlegung kann wohl dem Gewissen der NASA überlassen bleiben, wogegen der zweite Umstand, der die Besorgnis der Amerikaner hervorruft, völlig gegenstandslos ist.

Bereits im Frühjahr 2003 hat das russische Finanzministerium in Übereinstimmung mit einem Regierungsbeschluss die Bereistellung von Geldmitteln in Höhe von 1,3 Milliarden Rubeln, die für die Finanzierung von Raumschiffstarts zur ISS bestimmt waren, vom 3. und 4. Quartal auf das 2. Quartal 2003 vorgezogen. Darüber hinaus wurde auch die Finanzierung des ISS-Programms im Haushaltsplan 2004 erweitert. Diese Schitte erlaubten es, nicht nur die 7. Besatzung Ende April 2003 zur Raumstation zu bringen, sondern auch die Operationen zur Betreuung der Station in vollem Umfang auszuführen.

Nach Angaben der russischen Luft- und Raumfahrtbehörde Rosaviakosmos würden derzeit drei zusätzliche Progress-Raumschiffe in den Produktionsstätten der russischen Weltraumraketenbaugesellschaft Energija montiert. Eines davon wird noch 2003 mit Gütern für die Station starten, und die anderen sollen 2004 ins All geschickt werden.

Was die bemannten Raumschiffe der Sojus-Serie anbelangt, so bleiben die diesbezüglichen Pläne von Rosaviakosmos unverändert. Im Rahmen einer entsprechenden Vereinbarung mit der NASA werden diese Raumschiffe alle sechs Monate internationale Besatzungen zur Station bringen und auch Raumfahrer zur Erde befördern.

So laufen auch die Vorbereitungen für den Start der 8. Stammbesatzung zur ISS am 18. Oktober strikt nach Plan. Am 21. Juli wird die neue Besatzung, zu der der russische Kosmonaut Alexander Kaleri, der USA-Astronaut Michael Fowley und der Spanier Pedro Duque, ein Astronaut der Europäischen Weltraumbehörde, gehören, ein intensives Training im Kosmonautenausbildungszentrum bei Moskau aufnehmen. Für Pedro Duque ist ein kurzer Aufenthalt an Bord der Station vorgesehen.

Zu den amerikanischen Raumfähren muss noch gesagt werden, dass das Hauptproblem bei weitem nicht im Zeitpunkt des nächsten Starts besteht, sondern in der Zuverlässigkeit der Shuttles als Weltraumtransportsystem überhaupt. Nicht von ungefähr hat der Untersuchungsausschuss, der die eigentliche Ursache des Columbia-Absturzes nicht klären konnte, von der NASA-Führung gefordert, die Shuttles als Experimentaltechnik zu betrachten. Wohl nicht ohne Grund vermutet der Ausschuss:„Die hohe Störanfälligkeit steckt in dem Shuttle-System selbst".

Jedenfalls ist es offensichtlich, dass die bestehende Shuttle-Flotte selbst im Falle einer grundlegenden Modernisierung, die sehr kostenaufwendig wäre und mehrere Jahre bis zur praktischen Anwendung dauern würde, nicht noch weitere 20 Jahre genutzt werden kann, wie das von den NASA-Experten vorgesehen war.

bei russland.RU
• USA setzen russische Isotope in Mars-Landerobotern ein (19.7.2003)
• Russland und Europa erforschen die Venus (16.7.2003)
Das bedeutet, dass die NASA vor dem geplanten Zeitpunkt mit dem Problem des Austausches der bestehenden Fähren gegen neue konfrontiert ist. Dabei mangelt es nicht an Ideen, wie das passieren soll. Die NASA forciert die Arbeit an einem Weltraumflugzeug, das die Rolle eines „Übergangs"- und „Krisen"-Modells spielen soll. Nach Ansicht der Konstrukteure würde das die Möglichkeit bieten, den Park der Fähren zu erweitern und das Transportsystem bis zur Entwicklung einer ISS der nächsten Generation zu betreiben.
im Internet
• Die NASA - ISS Homepage
russland.RU ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten
Selbst nach den optimistischsten Prognosen könnte das Weltraumflugzeug jedoch frühestens 2010 starten. Wie das Weltraum-Schicksal der drei verbliebenen Fähren aussehen wird - das wird die Zeit zeigen.
(von Andrej Kisljakow, politischer Beobachter der RIA-„Nowosti")

Archiv:
2003   2004   2005   2006   2007   2008   2009   2010   2011   2012   2013