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20-12-2003 Verschiedenes
Das Wetter in Russland ist nun noch schwerer vorauszusagen
( MOSKAU ) Der letzte russische Wettersatellit „Meteor 3M" ist endgültig ausgefallen. Nun ist Russland außer Stande, nicht nur seine internationalen Verpflichtungen zum Datenaustausch im Rahmen der Meteorologischen Weltorganisation (WMO) zu erfüllen, sondern auch Informationen über sein eigenes Wetter von der Erdumlaufbahn zu bekommen.

Die Situation ist, gelinde gesagt, peinlich. Denn für die nächsten vier Jahre ist Russland, vertreten durch den Chef der Hydrometeorologie-Behörde, Alexander Bedrizki, das WMO-Präsidentschaftsland.

Peinlich ist es auch, weil Russland eines der ersten Länder war, das unter den zivilen Satelliten volkswirtschaftlicher Bestimmung auch Wettersatelliten eingesetzt hatte. Alleine innerhalb der letzten drei Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts wurden 33 solcher Satelliten ins All gebracht.

Um gerecht zu sein, muss darauf verwiesen werden, dass sich die russische Staatsführung über die Bedeutung der Weltraum-Meteorologie im Klaren ist. Ein Beweis dafür ist die am 3. April 2003 erlassene Regierungsverfügung über die Beteiligung Russlands an der internationalen Weltraumkooperation. In diesem Dokument werden die Wettersatelliten als vorrangige Weltraumobjekte bezeichnet.

„Der Beschluss der russischen Regierung, den Wettersatelliten den Vorrang zu geben, ist darauf zurückzuführen, dass heute die Fortschritte auf dem Gebiet der Hydrometeorologie weltweit vor allem mit der Entwicklung der Satelliten-Beobachtungssysteme in Verbindung gebracht werden. Neben Kommunikations- und Navigationssatelliten wurden die Wettersatelliten von der Weltgemeinschaft als Technologien anerkannt, die den Alltag der Menschen am stärksten beeinflussen", sagte Wladimir Djadjutschenko, der in der russischen Hydrometeorologie-Behörde für meteorologische Satellitenbeobachtung zuständig ist.

Heute liefern Wettersatelliten den Meteorologen und anderen Kunden eine Menge von Daten, die auf andere Weise kaum zu erhalten sind. Dazu gehören etwa Karten von sich bewegenden Wolken, der Eisdecken auf den Ozeanen und Meeren, die Temperatur der Erd- und der Meeresoberfläche, Hochwasserkarten von Flüssen und Gewässern, Brand- und Dürregebiete, Stürme, Taifune sowie Karten von technogenen Havarien und Katastrophen.

Nach dem Ausfall des letzten russischen Wettersatelliten ist nun die russische Hydrometeorologie-Behörde von ihren WMO-Partnern völlig abhängig. Das bezieht sich vor allem auf die Amerikaner, die eine ganze Reihe von NOAA Satelliten betreiben. Bei dem Datenumfang handelt es sich um etwa 60 Arten von Weltraum- und meteorologischen Informationen, die für Wetter- und Umweltforscher, Katastrophenschützer und andere Verbraucher notwendig sind.

Das Problem der russischen Satelliten-Meteorologie besteht auch darin, dass die Satelliten aus der „Meteor"-Reihe bis zum letzen Moment mit Empfangs- und Sendegeräten ausgestattet waren, deren Parameter den WMO-Bestimmungen nicht entsprachen. Zur Hauptaufgabe bei der Entwicklung des Satelliten „Meteor 3M" Nummer Zwei, dessen Start für 2005 geplant ist, wurde deshalb, dass er den internationalen Mindestanforderungen entsprechen soll. Doch nach Auffassung Djadjutschenkos kann die russische Luft- und Raumfahrtbehörde bei dem aktuellen Finanzierungsstand der Weltraumbranche diese Aufgabe kaum bewältigen.

Andererseits versprach die russische Staatsführung mehrmals, die Finanzierung des russischen Weltraumprogramms ab 2004 ständig zu erweitern. Es wird auch erwartet, dass die Hydrometeorologie-Behörde wieder zum Auftraggeber für Wettersatelliten wird, indem sie diese Funktion von der Luft- und Raumfahrtbehörde übernimmt. Diese Maßnahme wird es ermöglichen, die Produktionsdauer zu verringern und die Qualität der Satelliten zu erhöhen. So war es eigentlich von 1968 bis Anfang der 90er Jahre, als die Sowjetunion und Russland die Parität in Sachen Satellitenbeobachtung sowie hohe Qualität der Wettervorhersagen bewahren konnten. (Andrej Kisljakow, politischer Kommentator der RIA „Nowosti" )

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