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29-11-2003 Verschiedenes
Ölgewinnung auf Sachalin – Umweltschützer schlagen Alarm
Russische Umweltschützer haben ein Strafverfahren gegen das Ministerium für Naturressourcen der Russischen Föderation angestrengt, das eine ökologische Expertise des Erdöl- und Gasprojekts Sachalin-2 positiv begutachtet hatte.

Einstweilen wird der Fall in erster Instanz - am Gericht des Moskauer Stadtbezirks Krasnopresnenski - behandelt. Als Kläger tritt die Koalition nicht staatlicher Organisationen auf, in der 50 Rechtsschutz-, Umweltschutz- und andere russische und ausländische gesellschaftliche Organisationen vereint sind. Die Umweltschützer meinen, dass die Aktivitäten der Erdölförderer den gültigen Naturschutzgesetzen zuwiderlaufen sowie eine Umweltkatastrophe auf dieser Insel im Ochotskischen Meer und in der gesamten Region auslösen könnten. Gegenwärtig werden in der Region bis zu 70 Prozent aller Fische und anderer Meeresprodukte Russlands gefangen.

bei rusland.RU
Russland braucht neue Investitionsprojekte im Erdöl- und Erdgasbereich (5.11.2003)
Die Investitionsgesellschaft Sakhalin Energy, die das Sachalin-2-Projekt betreibt, ist durch den britisch-niederländischen Konzern Royal Dutch/Shell sowie durch zwei japanische Unternehmen - Mitsui und Mitsubishi - vertreten. Das Sachalin-2-Projekt, mit dem im Jahre 1996 parallel zum Sachalin-1-Projekt begonnen wurde, stellt die ersten Erfahrungen einer Kooperation Russlands mit ausländischen Gesellschaften auf der Grundlage eines so genannten Product-Sharing-Abkommens dar. Dieses Dokument hatte die umfassende Erschließung von Kohlewasserstoff-Vorräten in der Region eingeleitet.

Die erste Phase ist bereits beendet: Auf dem Sachalin-Festlandsockel ist die Bohrinsel "Molikpak" im Einsatz. Die negative ökologische Auswirkung dieses anthropogenen Objekts wurde bereits registriert: Die Fischbestände in der Region haben sich bereits stark verringert, die Zahl der jungen Grauwale ist an ihren Nahrungsplätzen drastisch zurückgegangen, sie leiden an Erschöpfung. "Die zweite Bohrinsel soll noch näher an diese Stellen gebaut werden. Damit droht diese seltene Population, die Alles in Allem rund 100 Tiere zählt, vollkommen zu verschwinden", befürchtet Igor Tschestin, Direktor des World Wildlife Fonds (WWF). "Wir bestehen darauf, dass diese Bohrinsel in einer Entfernung von zwölf Seemeilen von der Küste errichtet wird, statt zehn, wie es das Projekt vorsieht.

bei rusland.RU
Erdöl von Sachalin: Wohl oder Übel? (19.11.2003)
Die Ökologen und Rechtsschützer sind der Ansicht, dass sich die Investoren gegenüber dem fremden Land nicht korrekt verhalten, und offen mit zweierlei Maß an die Sache herangehen. "Wir sind nicht gegen die Erdölförderung auf Sachalin, wollen aber, dass hier die gleichen ökologischen Prinzipien angewandt werden wie bei der Verlegung einer ähnlichen Rohrleitung auf Alaska", sagt Igor Tschestin.

Dort wurden 1 200 Kilometer Rohrleitungen für 20 Milliarden Dollar verlegt. Russland wird aber eine billigere Variante angeboten - 900 Kilometer für 850 Millionen Dollar. Dabei wurden jedoch keine Mittel für den Umweltschutz eingeplant. Das bedeutet, dass die Erdölleitung in gewöhnlichen Gräben verlegt wird, die mit dem Bulldozer nach dem Prinzip der minimalen Entfernung vom Ziel ausgehoben worden sind. "Dabei werden mehr als 1 000 Gewässer, darunter 310 Flüsse und Fischbrutstätten, die seit vielen Jahrhunderten bestehen, durchschnitten. Es liegt klar auf der Hand, dass bei einer derart barbarischen Baumethode von einem Lachs-Fang keine Rede mehr sein kann, wodurch die Wirtschaft der Insel untergraben wird", meint der Wissenschaftler Vitali Gorochow, Exekutivdirektor des Instituts für ökologische Rechtsprobleme "Ökojuris".

bei rusland.RU
RD/Shell will eine Milliarde Dollar in Ölgewinnung in Russland investieren (17.9.2003)
Auf Alaska steigt das Rohr vor jedem Fluss an die Oberfläche, überwindet das Wasserhindernis in der Luft und versinkt am anderen Ufer wieder im Boden. Dort wurden alle Wanderwege der Tiere berücksichtigt, die Pipeline selbst ist erdbebensicher gebaut. Die Insel Sachalin ist ebenfalls ein Erdbeben gefährdetes Land, ein regelrechter aktiver Vulkan. Dem Projekt zufolge soll sich die Rohrleitung längs der Insel von Nord nach Süd hinziehen, darunter auch durch Neftegorsk, das 1995 von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht wurde, dem 2 000 Menschen zum Opfer fielen. Aber neben den menschlichen Tragödien ereigneten sich dort rund 1 000 Rohrleitungsbrüche, große und kleine. Beim Bau von Sachalin-2 werden die seismischen Gefahren der Region nicht berücksichtigt. Selbst die zurückhaltendste Phantasie kann sich leicht die dramatische Realität eines "schlechten Szenariums" vorstellen.

Eine weitere prinzipielle Forderung der Ökologen ist der Verzicht auf das Aufschütten von Gestein beim Bau einer Gasverflüssigungsfabrik in Korsakow im Süden der Insel sowie auf die Ableitung von Industrieabwasser in die Aniwa-Bucht, wo bereits 60 000 Tonnen Gestein verkippt worden sind und voraussichtlich noch eine Million Kubikmeter folgen sollen. Diese im Süden von Sachalin liegende Bucht ist sehr seicht, hier gibt es einmalige natürliche Strukturen. Die Störung ihres hydrologisches Regimes würde den Untergang ihres endemischen ökologischen Systems zur Folge haben. Baugestein kann ohne Schaden für die Natur auf hoher See verkippt werden.

Auch die "Vereinigung der kleinen Völker des Nordens und des Fernen Ostens" ist über die ungestüme Industrialisierung von Sachalin gar nicht begeistert. Die Ureinwohner - Niwchen, Ewenken und Nanajer - meinen, dass ihnen "das Land der Ahnen" und die gewohnte Lebensweise weggenommen werden. "Der Schutz der Urvölker, deren Kultur sich stark davon unterscheidet, was als moderne Kultur bezeichnet wird, ist eine Umweltschutzmaßnahme, weil diese Völker die Ressourcen der Gebiete, in denen sie leben, nutzen, ohne sie zu erschöpfen. Für die Gemeinschaften der Urbewohner ist nicht der ökonomische Vorteil ausschlaggebend, sie stützen sich auf die jahrhundertelangen Erfahrungen und das geistige Prinzip", sagt Olga Jakowlewa, Leiterin des Zentrums "Rodnik", einer Organisation ökologischer Berufsjuristen.

Die russischen Gesetze, insbesondere das im Jahr 2001 angenommene Gesetz "Über die Territorien der traditionellen Naturnutzung der Urvölker Sibiriens und des Fernen Ostens", schreiben den Schutz vor einer groß angelegten industriellen Tätigkeit fest, wodurch eine starke rechtliche Basis für die Ökojuristen geschaffen wird. (Tatjana Sinizyna, Kommentatorin der RIA Nowosti)

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