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17-11-2003 Verschiedenes
Freundschaftsbrücke zwischen Russland und Armenien
( MOSKAU ) Seit Jahrhunderten leben in Russland Vertreter vieler Nationalitäten nebeneinander. Eine der zahlenmäßig größten Diasporas ist die armenische, die sich vor drei Jahren im Verband der russischen Armenier zusammengeschlossen hat. Der Verband zählt mehr als zwei Millionen Mitglieder.

Armenier leben seit dem 9. Jahrhundert in Russland. Sie haben stets eine wichtige Rolle im gesellschaftspolitischen, kulturellen und wissenschaftlichen Leben des Landes sowie in der Entwicklung des russischen Staates gespielt. Man könnte Namen vieler Vertreter des armenischen Volkes nennen, die in Russlands Geschichte ihre Spur hinterlassen haben. Als "samtener Diktator" wurde Graf Michail Loris-Melikow bezeichnet, einer der Helden des russisch-türkischen Krieges 1877 - 1888 und faktischer Regierungschef unter dem Zaren Alexander II. Eine Reihe herausragender sowjetischer Militärs armenischer Herkunft hat sich während des 2. Weltkrieges ausgezeichnet, wie der Marschall der Sowjetunion, Iwan Bagramjan, der Chefmarschall der Luftstreitkräfte, Sergej Chudjakow (Chanferjanz), der Marschall der Panzertruppen, Amasasp Babadschanjan oder der Flottenadmiral der UdSSR, Iwan Issakow. Die Geschichte der russischen und der sowjetischen Kultur und Kunst ist eng mit den Namen des Marinemalers Iwan Aiwasowski (Aiwasjan), des Theaterregisseurs Jewgeni Wachtangow, des Opernsängers Pawel Lissizian und der Komponisten Aram Chatschaturjan und Arno Babadschanjan verbunden. Einen großen Beitrag zur Entwicklung der russischen Wissenschaft haben die herausragenden Wissenschaftler und Akademiemitglieder, die Brüder Jossif und Lewon Orbeli, geleistet. Iossif Orbeli war im Laufe von vielen Jahren Direktor der berühmten St. Petersburger Ermitage und hat während der Blockade der Stadt durch die Faschisten die einmalige Museumssammlung gerettet, Lewon Orbeli war ein bedeutender Physiologe und während des Krieges Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften der UdSSR.

Angesehene Staatsmänner der Sowjetepoche waren Anastas Mikojan, der 30 Jahre Lang (1935 bis 1965) zum Politbüro des ZK der KPdSU gehört hat, und Iwan Tewossjan, Vizeregierungschef und Minister für Eisenhüttenwesen der UdSSR.

Auch im postsowjetischen Russland spielen Armenier eine wesentliche Rolle. Artur Tschilingarow ist bereits in der 3. Legislaturperiode Staatsduma-Abgeordneter und seit rund zehn Jahren Vize-Sprecher des russischen Parlamentsunterhauses. Der stellvertretende Vorsitzende der Zentralbank Russlands, Gennadi Melikjan, war früher Arbeitsminister der RF. Die Vereinigung der russischen Banken wird von Garegin Tossunjan geleitet. Zu den populärsten russischen Filmschauspielern gehören Armen Dschigarchanjan und Dmitri Charatjan. Nahezu alle von ihnen sowie der seinerzeit berühmte Fussballspieler Nikita Simonjan, der namfhafte Politologe Prof. Andranik Migranjan und der Vorsteher der Armenischen Apostelkirche von Russland und Nowo-Nachitschewan, Ersas Nersissjan, nehmen an der Arbeit des Verbandes der Armenier Russlands aktiv teil.

Der Verband hat Abteilungen und Vertretungen in 62 Regionen und 140 Städten der Russischen Föderation und wird vom namhaften Unternehmer Ara Abramjan geleitet. Dieser hatte auch die Gründung einer Weltorganisation der Armenier initiiert, deren Gründungskongress vor kurzem in Moskau stattgefunden hat. Für seinen großen Beitrag zur Festigung der bürgerlichen Gesellschaft in Russland wurde Ara Abramjan mit dem Nationalpreis "Person des Jahres 2001" ausgezeichnet. Im Jahre 1999 erhielt er eine UNESCO-Ehrenurkunde für seine Teilnahme an der Rekonstruktion des Kreml. Abramjan wurde mit dem Orden des Heiligen Konstantin des Großen und dem Freundschaftsorden Russlands ausgezeichnet.

In der Festigung der jahrhundertelangen Freundschaft zwischen den Völkern Russlands und Armeniens sehen sowohl Ara Abramjan, als auch der von ihm geleitete Verband ihre Hauptaufgabe. Der Verband der Armenier Russlands setzt sich für einen starken russischen Staat, für Stabilität, Frieden und Ordnung ein. Der Verband der Armenier Russlands sieht seine Pflicht darin, zur Aufrechterhaltung der nationalen Eigenart, der Sprache und der Konfession beizutragen, an der Festigung der vielfältigen Bündnis- und Integrationsbeziehungen zwischen Russland und Armenien aktiv mitzuwirken, die russische und die russischsprachige Bevölkerung im nahen und im fernen Ausland zu unterstützen, die Entwicklung der russischen Sprache und Kultur in Armenien sowie das Zusammenwirken in der Wirtschaft und im Investitionsbereich im Interesse beider Völker zu unterstützen. So formuliert Verbandspräsident Ara Abramjan die Ziele des Verbandes, an deren Umsetzung intensiv gearbeitet wird.

Dank den Bemühungen des Verbandes der Armenier Russlands wurde ein Zentrum für die Entwicklung der russischen Sprache in Jerewan eröffnet. Der Verband unterstützt die slawische Universität in der armenischen Hauptstadt sowohl mit notwendigen Ausrüstungen, als auch mit Stipendien für die besten Studenten. An der Moskauer Staatlichen linguistischen Universität wurde 2001 dank der aktiven Teilnahme des Verbands ein Zentrum zum Studium der armenischen Sprache und Literatur eröffnet. Der Verband eröffnete ein Armenisches Institut für Völkerrecht und Politologie in Moskau. Dort werden thematische Seminare veranstaltet, zu denen führende Experten auf den Gebieten Orientalistik, Recht, Diplomatie und Sicherheit eingeladen werden.

Schon seit den Zarenzeiten gibt es in Moskau ein armenisches Gymnasium, das nach seinem Gründer, dem namhaften armenischen Mäzenen Lasarew, benannt ist. In der russischen Hauptstadt gibt es armenische Schulen und einen Kindergarten, der mit einer Schule kombiniert ist. "Wir helfen bei der Eröffnung von Kindergärten und Schulen für die armenische Diaspora in ganz Russland und bei der Bildung nationaler Ensembles, damit die Menschen ihre Sprache und Kultur nicht vergessen", sagt Ara Abramjan. "Natürlich haben wir auch ein großes soziales Programm der Unterstützung Armeniens. Wir befassen uns beispielsweise mit der Computerisierung armenischer Schulen." Der Verband der Armenier Russlands hilft aber auch russischen Schulen in Russland. Abramjan selbst betreut nach eigenen Worten seit zehn Jahren ein Kinderheim im Gebiet Archangelsk. Der Verband der Armenier Russlands hilft sowohl der russisch-orthodoxen wie auch der armenischen Apostel-Kirche. Geplant ist der Bau einer großen armenischen Kathedrale in Moskau. Sie soll spätestens in zwei Jahren errichtet werden.

Auf die Frage, wie es den Armeniern in Russland geht, antwortet Ara Abramjan üblicherweise: "Nicht schlecht. Man könnte zwar auch besser leben, die Armenier in Russland leben aber wie die Russen selbst." Natürlich sollte die Situation, in der sich die Armenier in Russland befinden, nicht idealisiert werden. Man darf nicht vergessen, dass die durch den UdSSR-Zerfall bedingte erzwungene Migration von mehreren Hunderttausend Menschen verschiedener Nationalitäten, darunter auch Armenier, zahlreiche Probleme nach sich gezogen hat. So haben sich Zehntausende Armenier, die zwischen 1988 und 1990 aus Aserbaidschan vertrieben wurden, in Russland niedergelassen. Ein Teil von ihnen hat in Moskau und im Moskauer Umland Fuß gefasst. Viele siedelten sich im Süden Russlands an, in den Regionen Stawropol und Krasnodar, die in klimatischer Hinsicht Armenien ähnlich sind. Ein solcher Zustrom von Flüchtlingen in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit für die russische Bevölkerung hat zu negativen Reaktionen von Einheimischen geführt und eine Explosion von Xenophobie und nationalistischer Stimmungen ausgelöst, die von einigen gewissenlosen Politikern angeheizt wurden. Mancherorts kam es zu ethnischen Konflikten. Besonders akut wurden sie in der Region Krasnodar, wo schon vor dem Zustrom an Flüchtlingen recht viele Armenier lebten. Es kam sogar zu einem Pogrom auf einem armenischen Friedhof.

"Wir haben den Behörden der Region gesagt: ‚Es gibt den Verband der Armenier Russlands, lasst uns dieses Problem regeln", so Abramjan. "Sollten wir es nicht lösen, dann könnt ihr tun, was ihr wollt. Armenier leben schon seit den Zeiten der Zarin Katharina II. in der Region Krasnodar. Dieses Territorium ist ihre Heimat. Jetzt haben wir die Beziehungen geregelt, die Situation geklärt und Einvernehmen erzielt. Seit mehr als einem Jahr ist es in der Region ruhig, gibt es keine Konflikte." Trotz aller Schwierigkeiten, nicht nur im Süden, sondern auch in anderen Regionen des Landes, schaut Abramjan mit Optimismus in die Zukunft. "Wir sind stolz auf unsere Zugehörigkeit zu Russland", betont er. "Im Laufe von vielen Jahrhunderten hatte der armenische Staat zwei besonders zuverlässige Verbündete: die armenische Diaspora und das große Russland. Der Verband der Armenier Russlands ist eine lebendige Brücke zwischen Russland und Armenien, eine Brücke der ewigen und aufrichtigen Freundschaft." (Von RIA-"Nowosti"-Kommentator Valeri Asrijan)

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