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09-11-2003 Verschiedenes
Baseball macht in Russland Fortschritte
( MOSKAU ) Der russische Baseball ist sehr jung. Es ist erst 15 Jahre alt. Es lässt sich natürlich kaum behaupten, dieses Spiel sei in Russland in dieser Zeit sehr beliebt geworden. Kaum 2000 Sportler spielen regelmäßig Baseball. Dennoch kann der russische Baseball einige Fortschritte aufweisen.

Dafür spricht etwa die Tatsache, dass eine junge russische Baseballmannschaft während des USA-Besuchs von Präsident Putin ebenfalls nach Amerika reiste. Dieses Team zeigt das neue Gesicht von Sport-Russland. Im Heimatland des Baseballs versuchten die Gäste, sich nicht zu blamieren. Und das ist ihnen gelungen. Es stellte sich heraus, dass die Jungs gar nicht schlecht spielen. Nicht umsonst ist die russische U-12-Mannschaft im vergangenen Jahr Europameister und in diesem Jahr Vizemeister geworden.

Vor drei, vier Jahrzehnten waren weder Fortschritte junger russischer Baseballer noch eine Reise nach Amerika vorstellbar. Es war nicht mal zu ahnen, dass Russen Baseball spielen würden. Denn in der Sowjetunion war Baseball lange Zeit tabu. Obwohl diese Sportart dem russischen Spiel Lapta ähnelt, galt sie als Bestandteil des amerikanischen Lebensstils. Deshalb wurde Baseball während des Kalten Krieges eher ironisch erwähnt. Niemand hatte vor, dieses ideologisch fremde Spiel zu kultivieren. Die Lage änderte sich in der zweiten Hälfte der 80er Jahre, als die Perestroika einen Annäherungskurs an den Westen brachte. Der Wind der Veränderung berührte auch den Sport. Somit wurde auch das Verhalten zum Baseball anders. Dieses Spiel wurde eingebürgert.

Bereits 1989 wurde die erste Baseball-Meisterschaft der UdSSR ausgetragen. Meister wurde ZSK PWO, der Zentrale Sportclub der Luftabwehr aus Balaschicha bei Moskau. Seitdem kämpfen in der Regel Mannschaften aus Moskau und diesem Moskauer Vorort um den Titel. Sechsmal in Folge, von 1990 bis 1995, waren die "Roten Teufel" aus der Hauptstadt die Besten. Danach gewannen die Spieler aus Balaschicha öfter. Heute kommen zwei Teams aus diesem Ort: neben dem Militärclub gibt es noch "Tornado", den Landesmeister von 2002 und 2003.

Insgesamt nehmen zwölf Mannschaften an der russischen Meisterschaft teil. Sie sind in zwei Zonen eingeteilt, die zentrale und die fernöstliche. Die Zonensieger treffen aufeinander und spielen um den Titel. Man mag sich fragen, wieso es eine fernöstliche Zone gibt und keine sibirische oder südliche. Das ist darauf zurückzuführen, dass Baseball gerade in Fernost immer mehr an Popularität gewinnt. Das betrifft unter anderem Wladiwostok, Chabarowsk, Nachodka, die Sachalin-Insel. Diese Beliebtheit lässt sich leicht erklären, denn in den Nachbarländern wie Japan, China und Südkorea ist Baseball sehr populär. Es kommt also ein Virus über die Grenze, das allerdings nicht zu fürchten, sondern zu begrüßen ist.

Das Problem Nummer Eins für den russischen Baseball ist der Mangel an guten Spielfeldern. Es gibt zwar auf Sachalin einen guten Rasen, für den gesamten Fernen Osten Russlands ist es jedoch zu wenig. In der zentralen Zone hat die Moskauer Staatliche Lomonossow-Universität ein gutes Spielfeld mit einem künstlichen Rasen. Der Rasen des Militärstadions in Balaschicha entspricht leider nicht den geltenden Standards, obwohl dort Spiele der russischen Meisterschaft ausgetragen werden. Moskau will die Baseball-EM 2007 veranstalten und die Stadtverwaltung verspricht, ein modernes Baseball-Stadion zu bauen, das allen Anforderungen entspricht. Die russischen Baseballfreunde hoffen also, nicht nur die Europameisterschaft, sondern auch ein neues Stadion zu bekommen.

Große Schwierigkeiten haben die russischen Baseballer auch mit der Ausrüstung. Es ist kein Geheimnis, dass Handschuhe, Schläger, Helme und die speziellen Schuhe recht teuer sind. Ein Ball kostet etwa fünf US-Dollar, und für die russische Landesmeisterschaft werden 600 Bälle gebraucht. Das heißt, um ein Turnier zu veranstalten, sind gut 3000 Dollar erforderlich. Das Geld ist aber knapp. Das Staatliche Sportkomitee bezahlt zwar Reisen zu Wettkämpfen, stellt jedoch kein Geld für die Ausrüstung bereit. Es bleibt nichts anderes übrig, als Sponsoren zu suchen. Die sind aber schwer zu finden. Einmal hat der bekannte Ölkonzern Yukos geholfen, die Ausrüstung für Kinderteams zu kaufen. Hilfe braucht man jedoch nicht nur einmal, sondern ständig.

Trotz aller Schwierigkeiten kommt der russische Baseball voran und hat inzwischen viel erreicht. Die Nationalmannschaft der Herren wurde 2001 Vize-Europameister. Bei der Weltmeisterschaft auf Kuba im laufenden Jahr wurde das russische Team Dreizehnter. Dabei gewannen unsere Baseballer sensationell gegen Taiwan, eines der stärksten Teams der Welt. Erfolgreich spielt auch die U15-Mannschaft. Sie nimmt regelmäßig an Europameisterschaften teil und ist immer unter den ersten vier.

Die Namen vieler russischer Baseballspieler sind inzwischen nicht nur in Europa, sondern sogar in Amerika bekannt. Pitcher Oleg Kornejew von "Tornado" aus Balaschicha spielte in Seattle für die "Mariner". Zwei weitere Russen, Catcher Andrej Seliwanow und Spieler am dritten Base, Ruslan Nabijew, spielten in Belgien. Auch andere russische Baseballspieler werden ins Ausland eingeladen. Das ist ein Beweis dafür, dass der russische Baseball bereits einen guten Ruf hat und deutliche Fortschritte macht. ( Valeri Asrijan, RIA-„Nowosti"-Kommentator )

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