russland.RU berichtet in Wort und Bild aus Russland und über Russland. Ungebunden, unabhängig und überparteilich. Ohne Vorurteile und Stereotypen versucht russland.RU Hintergründe und Informationen zu liefern um Russland, die Russen und das Leben in Russland verständlicher zu machen. Da wo die großen Verlage und Medienanstalten aufhören fängt russland.RU an.


Archiv:
2003   2004   2005   2006   2007   2008   2009   2010   2011   2012   2013


06-11-2003 Verschiedenes
Russland hat mehr Einwohner, als früher vermutet wurde
( MOSKAU ) Das Staatliche Komitee Russlands für Statistik hat die wichtigsten Angaben veröffentlicht, die im Rahmen der automatisierten Aufbereitung der Unterlagen der Gesamtrussischen Volkszählung von 2002 vorrangig ermittelt wurden.

Das Hauptergebnis ist wohl, dass Russland nicht so wenig Bürger zählt, wie früher auf der Grundlage weniger genauer Befragungen und Einschätzungen angenommen wurde.

Die Kennziffer „Gesamtzahl der Bevölkerung" übersteigt die frühere, die so genannte rechnerisch ermittelte Kennziffer, um 1,8 Mio. Personen. Die Bevölkerung Russlands ist zwar gegenüber den Angaben der Volkszählung von 1989 gerade um diese Größe - 1,8 Mio. - zurückgegangen, aber keineswegs um 3,6 Millionen oder noch mehr, wie man früher dachte.

Die Wohnbevölkerung Russlands beträgt 145,2 Mio. Personen, davon entfallen 106,4 Mio. (73 Prozent) auf die Städte und 38,8 Mio. (27 Prozent) auf die ländlichen Gebiete.

Der Bevölkerungszahl nach steht Russland an siebenter Stelle in der Welt: nach China (1 285 Mio.), Indien (1 025 Mio.), den USA (286 Mio.), Indonesien (215 Mio.), Brasilien (173 Mio.) und Pakistan (146 Mio.). Ebenso wie in den meisten anderen entwickelten Ländern der Welt hat die Urbanisierung der Bevölkerung aufgehört: Das Verhältnis zwischen den städtischen und den ländlichen Einwohnern hält sich auf dem Niveau der Volkszählung von 1989. Fast 20 Prozent der Bevölkerung leben in den 13 Großstädten mit einer Einwohnerzahl von mehr als einer Million Menschen: Moskau, Sankt Petersburg, Nowosibirsk, Nischni Nowgorod, Jekaterinburg, Samara, Omsk, Kasan, Tscheljabinsk, Rostow-am-Don, Ufa, Wolgograd und Perm.

Der Einwohnerzahl nach gehört die Hauptstadt der Russischen Föderation zu den 20 größten Städten der Welt.

In Russland leben über 160 Nationen und Völkerschaften. Bemerkenswert ist, dass es im Zuge der vergangenen Volkszählung erstmals in der Geschichte des russischen Staates gelang, die freie nationale Selbstidentifizierung der Bürger zu gewährleisten. Dabei wurden insgesamt über 800 unterschiedliche Varianten der Antworten der Bevölkerung über die nationale Zugehörigkeit erhalten. Die Volkszählung stützt sich also auf die persönliche Meinung des Menschen darüber, welcher Nationalität er angehört.

Sieben Völker, die Russland besiedeln - die Russen, Tataren, Ukrainer, Baschkiren, Tschuwaschen, Tschetschenen und Armenier - zählen je mehr als eine Million Personen.

Die Zählung erfasste 67,6 Mio. Männer und 77,6 Mio. Frauen, was bedeutet, dass auf je 1 000 Männer 1 147 Frauen kommen. Das Überwiegen der Frauen wird ab dem 33. Lebensjahr konstatiert.

Charakteristisch für die Ehestruktur der Bevölkerung ist Folgendes: Von je 1 000 Personen im Alter von über 16 Jahren waren 210 Personen niemals verheiratet, 572 sind verheiratet, 114 verwitwet, 94 geschieden.

Auffällig ist, dass laut Angaben des Staatlichen Komitees für Statistik die Zahl von Frühehen in Russland in den letzten fünf Jahren um 30 Prozent zurückgegangen ist. Auch der Anteil der Verlobten im Alter bis 18 Jahre ist gesunken. Während er 1989 rd. fünf Prozent ausmachte, waren es 2002 nur noch drei Prozent.

Einerseits sind es erfreuliche Kennziffern: Es ist klar, dass es für ganz junge Leute kompliziert ist, die Verantwortung für eine Familie zu übernehmen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wie jedoch Viktor Medwedkow, Dozent der soziologischen Fakultät der Moskauer Staatlichen Universität, meint, sinke die Zahl der Frühehen deshalb, weil der Anteil der jungen Leute an der Bevölkerungsstruktur abnehme. Das aber ist ein besorgniserregendes Signal.

Wie Medwedkow sagte, „sind jetzt die Menschen, die Mitte der 80er Jahre, während des letzten Mini-Babybooms, geboren wurden, dabei, die Schule zu beenden und Ehen zu schließen. 2005 wird diese Welle abflauen und es wird auch viel weniger Ehen geben." Folglich geht die Zahl der potentiellen Eltern zurück, wobei die Frage der Eheschließung am ehesten von zweitrangiger Bedeutung ist im Vergleich zu dem realen Problem der weiteren Schrumpfung der Landesbevölkerung.

Tatsächlich wird die Bevölkerung Russlands, wie in den meisten europäischen Ländern, älter. Gegenüber der Zählung von 1989 ist das durchschnittliche Alter der Landeseinwohner um 3 Jahre gestiegen und beträgt 37,7 Jahre.

Das ist erst eine anfängliche Analyse der Volkszählung, das Staatliche Komitee Russlands für Statistik wertet weitere Ergebnisse aus. So sollen noch Angaben, die auf die Bevölkerungszunahme einen unmittelbaren Einfluss haben - ökonomische Aktivität, Beschäftigungsgrad, Migration und Wohnverhältnisse - zu einer Aufstellung zusammengefasst werden.

Wie Wladimir Sorin, Minister der Russischen Föderation für Fragen der nationalen Politik, Journalisten gegenüber mitteilte, bilden heute die aufbereiteten Angaben der Volkszählung 12 Bände. Geplant ist, dass die vollständigen Statistiken Anfang 2004 erscheinen, und zwar in Form von 14 thematischen Bänden mit einer Gesamtauflage von über 30 000 Exemplaren. Vorgesehen ist die Verbreitung der Ergebnisse in den Massenmedien sowie ihre Unterbringung auf einer speziellen Internet-Site. (Andrej Kisljakow, politischer Kommentator der RIA „Nowosti".)

Archiv:
2003   2004   2005   2006   2007   2008   2009   2010   2011   2012   2013