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06-11-2003 Verschiedenes
Afghanische Drogen – Ein Problem für Russland und Europa
( Moskau ) Die von Afghanistan ausgehende Drogengefahr sei für Russland beträchtlich, erklärte Antonio Maria Costa, stellvertretender UNO-Generalsekretär und Exekutivdirektor des Büros für Drogenkontrolle und Kriminalitätsvorbeugung.

Für Russland selbst ist das alles andere als neu. Der Vorsitzende der Staatlichen Drogenaufsicht Russlands, Viktor Tscherkessow, konstatiert: „In den letzten zehn Jahren ist Russland, früher ein Transitland, zu einem aktiven Verbraucher von harten Drogen geworden." Laut Angaben der Internationalen Vereinigung zur Bekämpfung von Rauschgiftsucht und Drogenhandel ist in Russland die mit dem illegalen Drogenumsatz verbundene Kriminalität in den letzten 10 Jahren auf das 13fache und die Zahl der Rauschgiftsüchtigen auf mehr als das 20fache gestiegen.

Nach Expertenschätzungen beträgt die wirkliche Anzahl der Drogenkonsumenten ein Mehrfaches der offiziellen Statistiken und erreicht gegenwärtig mindestens 6 Millionen.

Es stimmt, dass Afghanistan für Russland die Hauptquelle der Drogen ist. Russlands schwarzer Markt ist zu mehr als 70 Prozent mit afghanischem Heroin gesättigt. Doch ist das nicht nur ein russisches Problem. Experten in Moskau weisen darauf hin, dass der größte Verbraucher von afghanischen Drogen Westeuropa ist. 90 Prozent des Rauschgifts, das in Großbritannien konsumiert wird, bilden afghanisches Opium und Heroin. Auch in den USA, in Japan und Australien nimmt der Anteil der afghanischen Rauschgifte zu. Wie Antonio Maria Costa sagt, ergieße sich der breiteste Strom von afghanischen Drogen über den so genannten südlichen Weg: Iran, die Türkei und den Balkan. Der größte Umschlagplatz seien die Niederlande. Deshalb erfordere die Lösung des Problems konsolidierte Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft.

2002 ergriff Moskau die Initiative zur Ausarbeitung einer internationalen Strategie des komplexen Widerstandes gegen die afghanische Drogengefahr. Gemäß dieser Strategie sind die Maßnahmen, die zur Bekämpfung der Rauschgiftherstellung innerhalb Afghanistans ergriffen werden, organisch durch solche außerhalb des Landes, vor allem an seiner gesamten Grenze, zu ergänzen. Es ist offensichtlich, dass das Abfangen einer Drogenpartie an der Grenze nur einen Bruchteil dessen kostet, was das Aufspüren der Lieferung und die Vernichtung beim Endverbraucher in den europäischen Ländern kosten würde. Ebenso besteht die Notwendigkeit, die ganze transnationale Kette „Produktion - Transport - Verteilung - Verkauf" aufzudecken und zu liquidieren.

Wie der Außenminister der Russischen Föderation, Igor Iwanow, sagte, „muss die UNO gemeinsam mit den interessierten Staaten als Ideologin, Organisatorin und Koordinatorin der Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft in dieser Richtung agieren". Die internationale Gemeinschaft unterstützte das russische Konzept in der Sitzung des UN-Sicherheitsrates über Afghanistan, die Mitte Juni 2003 stattfand.

Der UN-Sicherheitsrat billigte außerdem den Plan der Administration von Hamid Karzai, bis 2013 die Drogenproduktion in Afghanisatan gänzlich einzustellen, und verwies auf die Notwendigkeit, Kabul bei der Verstärkung der Institute der Rechtsordnung und Sicherheit zu helfen.

Sowohl russische als auch internationale Beamte stellen fest: Nach der Durchführung der antiterroristischen Operation auf dem Territorium von Afghanistan hat der Strom der Drogen nicht ab-, sondern sogar zugenommen.

Gemäß einem Bericht der UNO produziert Afghanistan drei Viertel des weltweiten Volumens an ungesetzlichem Opium. Anmerkenswert ist, dass die internationale Gemeinschaft Afghanistan im Jahre 2002 eine Unterstützung in Höhe von 2,3 Milliarden Dollar zukommen ließ, d. h. genauso viel, wie der Gesamtgewinn der afghanischen Drogendealer und Opiumproduzenten ausmachte. 2,3 Milliarden Dollar machen über 50 Prozent des veranschlagten Bruttoinlandsproduktes des Landes aus. Am ungesetzlichen Drogenhandel sind 1,7 Millionen Afghanen, d. h. 7 Prozent der Landesbevölkerung, beteiligt.

Wie Antonio Maria Costa in seinem Referat in Moskau betonte, „haben einige Beamte in den Provinzen und Feldkommandeure einen beträchtlichen Anteil an den Einkünften aus dem Opiumverkauf". Der Schlafmohnanbau sei hauptsächlich in den Gebirgsregionen verbreitet, über die die Regierung keine Kontrolle habe. Deshalb „gilt es, energische Maßnahmen zu ergreifen, um die Terroristen und Feldkommandeure von der Beteiligung an der Opiumwirtschaft auszuschließen"; zudem müssten die Koalitionskräfte sich darum bemühen, „die Laboratorien für die Heroinproduktion zu liquidieren und den Drogenschmuggel zu unterbinden", erklärte der Exekutivdirektor des Büros für Drogenkontrolle und Kriminalitätsvorbeugung. In diesem Zusammenhang unterstrich Costa die Bedeutung der am 13. Oktober angenommenen Resolution 1510 des UN-Sicherheitsrates, die eine Erweiterung des Mandats der Internationalen Sicherheitskräfte in Afghanistan sanktioniert.

Außerdem sei es seiner Ansicht nach notwendig, die Finanzierung der Programme für den Wiederaufbau Afghanistans zu erhöhen. Der Anbau von Rauschgiftpflanzen sei für die meisten Afghanen die einzige Einkommensquelle, wobei sie daran ganz gut verdienen. Deshalb werde die internationale Gemeinschaft nicht wenig Anstrengungen unternehmen müssen, um der Administration Karzai bei der Umorientierung der afghanischen Wirtschaft zu helfen. Wie Costa sagte, beträgt die internationale Hilfe in Afghanistan heute jährlich 100 Dollar pro Kopf der Bevölkerung, während dieser Betrag im Kosovo und in Bosnien 255 Dollar ausmache.

Falls die internationale Gemeinschaft Afghanistan nicht die erforderliche Hilfe leiste, bestehe die reale Gefahr, dass dieses Land „erneut in einen Kollaps gestürzt wird und diesmal in die Hände der Drogenkartells und Drogenterroristen gerät".

Der Außenminister der Russischen Föderation hob seinerseits Folgendes hervor: „Die Einnahmen aus dem Absatz der afghanischen Narkotika werden dazu verwendet, die terroristischen Organisationen und transnationalen verbrecherischen Gruppierungen zu stützen, die sich mit Menschenhandel und illegalem Waffenumsatz, mit Geldwäsche und anderen äußerst gefährlichen rechtswidrigen Tätigkeiten befassen." Laut UNO-Schätzungen belaufen sich die weltweiten Einnahmen aus dem ungesetzlichen Drogenhandel auf rund 25 Milliarden Dollar, und die Russische Föderation sei darüber besorgt, für welche Zwecke diese Mittel ausgegeben würden. Laut vorliegenden Informationen werde ein bestimmter Teil davon als Finanzspritzen für die Banditenformationen in Tschetschenien verwendet.

Im Zuge von Costas Moskau-Besuch wurde es als zweckmäßig anerkannt, im Rahmen der grenznahen Zusammenarbeit mit den GUS-Ländern Projekte zur Festigung des „Sicherheitsgürtels" um Afghanistan vorzubereiten. Laut Tscherkessow würde das helfen, den Schmuggel von afghanischem Heroin nach Russland einzuschränken.

2002 leistete Russland erstmalig einen freiwilligen Beitrag von etwa einer halben Million Dollar zum Fonds der UNO-Verwaltung für Drogenkontrolle und Kriminalitätsvorbeugung. 490 000 Dollar davon wurden zur Verstärkung des Potentials zur Bekämpung der Rauschgiftkriminalität der zentralasiatischen Staaten verwendet.

Aber den größten Beitrag zum Widerstand gegen die afghanische Drogengefahr leisten die russischen Grenzer. 2002 gelang es ihnen, an der afghanisch-tadschikischen Grenze über 2,3 Tonnen Heroin und rund 1,5 Tonnen Rohopium zu beschlagnahmen. Gemäß dem UNO-Bericht machte der Anteil der GUS, einschließlich Russlands, 1992 an den Operationen zur Beschlagnahme afghanischer Opiate auf den Schmuggelwegen nach Europa 0,1 Prozent aus; im Jahre 2002 lag dieser Anteil bereits bei 13 Prozent.

Im Sommer 2003 wurde die Staatliche Drogenaufsicht der Russischen Föderation gebildet. Das wird es Russland erlauben, seine Anstrengungen im Kampf gegen die Drogengefahr zu aktivieren. Außerdem beabsichtigt die russische Regierung, die prophylaktische Arbeit unter den Jugendlichen zu intensivieren, besonders unter denen von ihnen, die sich im frühen Stadium der Drogenabhängigkeit befinden. Antonio Maria Costa gab der Hoffnung Ausdruck, dass sowohl Russland als auch Osteuropa, das mit dem gleichen Problem konfrontiert sei, alles Mögliche tun würden, um die Ausbreitung der Rauschgiftsucht unter der Bevölkerung nicht zuzulassen. (Von Marianna Belenkaja, politische Kommentatorin der RIA „Nowosti")

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