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23-10-2003 Verschiedenes
Georgi Jarzew: Die Spiele gegen Wales sind in meiner Laufbahn die wichtigsten!
( MOSKAU ) Der heutige Cheftrainer der russischen Fußball-Auswahl, Georgi Jarzew, hat eine ungewöhnliche sportliche Karriere. In den Leistungsfußball kam er so spät, wie vielleicht sonst keiner. Er war bereits 29 Jahre alt, als er, ein Spieler der unteren Gruppen des sowjetischen Fußballs, unerwartet ein Angebot vom berühmten Klub „Spartak" Moskau bekam, der einen richtigen Torschützen brauchte.

Schon im Jahr darauf, in der Saison 1978, wird Jarzew mit 19 Toren zum Torschützenkönig der UdSSR-Landesmeisterschaft. 1979 gewinnt „Spartak" nach einer langen Pause den Titel des Landesmeisters der Sowjetunion zurück und Georgi Jarzew wird in die UdSSR-Auswahl aufgenommen.

Mit „Spartak" Moskau hängen auch die angenehmsten Kapitel der Trainerlaufbahn Georgi Jarzews zusammen. Eben unter seiner Leitung gewann die Mannschaft 1996 den Titel des Landesmeisters Russlands zurück, den sie ein Jahr zuvor an den Fußballklub „Spartak-Alania" Wladikawkas (Hauptstadt Nordossetiens, eine Republik im Bestand der RF im Nordkaukasus) abgetreten hatte. Der von Jarzew wesentlich verjüngte Klub „Spartak" konnte im Entscheidungsspiel um den ersten Platz die Wladikawkaser Mannschaft mit 2:1 besiegen, die damals übrigens von Valeri Gazzajew trainiert wurde, der vor Jarzew Trainer der Russland-Auswahl wurde. Die Moskauer erhielten die Goldmedaillen und Jarzew den „Strelez"-Preis, der dem besten Fußballtrainer des Jahres zuerkannt wird.

Nach „Spartak" Moskau trainierte Jarzew eine kurze Zeit den hauptstädtishen Fußballklub „Dynamo" und dann „Rotor" Wolgograd (Wolgagebiet), erzielte dabei aber keine großen Erfolge. In den letzten zwei Jahren war Jarzew Präsident des Klubs „Spartak-Veteranen". Aber er hatte natürlich einen Hang zur Trainerarbeit. Es gab keine verlockenden Angebote, bis ihm nicht Ende August dieses Jahres der Präsident des Russischen Fußballverbandes (RFS) Wjatscheslaw Koloskow unerwartet den Vorschlag unterbreitete, den Posten des Cheftrainers der Nationalmannschaft zu übernehmen.

In dieser Zeit war die Situation in der Nationalelf kritisch. Die Russland-Auswahl, die das Qualifikationsturnier der Europameisterschaft'2004 unter der Leitung Gazzajews erfolgreich begonnen und in den ersten zwei Spielen 6 Punkte gesammelt hatte, unterlag dann Albanien mit 1:3, Georgien mit 0:1 und konnte nur mit Mühe gegen die Schweiz zu Gast ein Unentschieden (2:2) erreichen, wobei die Möglichkeit des Erreichens des Finales der Europameisterschaft zweifelhaft wurde. Die Mannschaft steckte offensichtlich in einer Krise, was auch das Freundschaftsspiel am 20. August in Moskau gegen die durchschnittliche israelische Auswahl zeigte, das wir mit 1:2 verloren. Gleich nach diesem Spiel reichte Valeri Gazzajew sein Rücktrittsgesuch ein, und sein Posten wurde Jarzew angeboten. Er stimmte zu.

bei russland.RU
Jarzew neuer Cheftrainer der russischen Fußball-Nationalauswahl (29.08.2003)
Die RIA-„Nowosti" sprach mit Georgi Jarzew

RIA: Gingen Sie ein großes Risiko ein, als Sie dieses Angebot annahmen?

Jarzew: Wir riskierten beide - sowohl der Präsident des russischen Fußballverbandes, Wjatscheslaw Koloskow, der sich für mich entschieden hatte, als auch natürlich ich durch die Übernahme der Mannschaft in einem derart schweren und verantwortungsvollen Moment, da die Chancen für einen Erfolg minimal waren. Die Situation war sehr kompliziert, aber ich glaubte, dass noch nicht alles verloren sei, und man die Situation ändern könne, wenn man die Mannschaft aus den gegenwärtig wirklich stärksten Spielern, unabhängig von ihrem Alter und davon, wo sie heute spielen, zusammensetzt. Deshalb brachte ich Veteranen in die Nationalmannschaft zurück, auf deren Dienste man nach dem Misserfolg bei der vorjährigen Weltmeisterschaft unbegründet verzichtet hatte, und zog jene heran, die ich von der früheren Arbeit in den Klubs gut gekannt und an die ich geglaubt hatte. Ich muss sagen, dass sie meine Hoffnungen gerechtfertigt haben. Ich meine den 35-jährigen Alexander Mostowoi vom spanischen FC „Celta", den 31-jährigen Dmitri Alenitschew vom portugiesischen FC „Porto", den 32-jährigen Valeri Jessipow von „Rotor" Wolgograd, den 28-jährigen Alexej Smertin vom englischen „Portsmouth", den 27-jährigen Jegor Titow von „Spartak" Moskau und andere Fußballspieler. Auch die Aufnahme des 24-jährigen Stürmers von „Dynamo" Moskau Dmitri Bulykin in die Nationalmannschaft rechtfertigte sich, er schoss im September im Spiel gegen die schweizerische Mannschaft in Moskau drei Tore. Dieses Spiel gewannen wir mit 4:1. Vier Tage zuvor gelang es uns, das schwierigste Spiel in Dublin gegen die Irland-Auswahl unentschieden (1:1) zu beenden. Es blieb nur übrig, das Heimspiel gegen die georgische Mannschaft zu gewinnen. Diese Aufgabe lösten wir. Wir gewannen die Oberhand mit 3:1. Leider konnten wir in unserer Gruppe nicht den ersten Platz belegen, der das Recht gewährt, direkt ins Finale der Europameisterschaft zu kommen. Zu viele Punkte hatten wir zum Zeitpunkt der Krise verloren. Aber wichtig ist, dass die Nationalmannschaft diese Krise überwand, und unser zweiter Platz es uns ermöglicht, in den Spielen gegen Wales um das „Flugticket" nach Portugal zu kämpfen, wo im kommendem Jahr die 16 stärksten Nationalmannschaften Europas zusammentreten werden.

RIA: Hoffen Sie, die Waliser zu besiegen? Antwort: Ich glaube, dass die Chancen der Mannschaften gleich sind, obwohl nach der Auslosung in einer Reihe von Kommentaren der russischen Presse ein übermäßiger Optimismus zu beobachten war: Wir haben angeblich einen schwachen Rivalen. Aber es gibt keinen Grund, Wales als Außenseiter zu bezeichnen. Die Waliser konnten stets Fußball spielen. Das können jene russischen Fußballspieler bekräftigen, die in den 60er Jahren gegen solche Meister aus Wales gespielt hatten. Auch heute ist die Auswahl von Wales eine starke Mannschaft, der erfahrene Fußballspieler hoher Klasse angehören, die in den besten Klubs der englischen Premier-Liga spielen. Es genügt, Ryan Giggs, einen der Schlüsselspieler von „Manchester United" zu nennen. So dass die Waliser ein ernsthafter Rivale sind. Das bewiesen sie in ihrem Gruppenturnier, wo die sehr starken Mannschaften Italiens, Jugoslawiens und Finnlands spielten. Es ist alles andere als einfach, in einer solchen Gruppe den zweiten Platz zu belegen. Außerdem hatten die Waliser ihr Heimspiel gegen die italienische Nationalmannschaft gewonnen. Das bedeutet, dass es sehr kompliziert sein wird, in Cardiff zu spielen.

RIA: Das erste von den beiden Spielen gegen Wales wird in Moskau stattfinden. Ist das gut?

Jarzew: Wir würden es vorziehen, zunächst auswärts zu spielen und das Rückspiel auf dem eigenen Platz zu haben, denn in diesem Fall würden wir wissen, welches Ergebnis wir brauchen. Aber Auslosung bleibt letzten Endes Auslosung. Es lohnt sich nicht, darüber zu lamentieren. Man muss sich auf das erste Spiel auf dem eigenen Platz vorbereiten.

RIA: Welche der britischen Mannschaften ist stärker, wenn man die Wales-Auswahl mit der von Irland vergleicht, die durch unsere Mannschaft verdrängt wurde?

Jarzew: Die Waliser sind wohl stärker. Irland hat keinen solchen Spieler wie Giggs. Auch die Ergebnisse der Wales-Auswahl sprechen für sich. So dass es für uns komplizierter sein wird, die walisische Barriere zu überwinden. Um so mehr, als sich die Spieler von Wales heute der optimalen Form annähern und unsere Spieler ermüdet sind, denn sie haben eine schwere Saison hinter sich: Die Landesmeisterschaft geht zu Ende.
bei russland.RU
Cheftrainer der Fussball-Nationalmannschaft zurückgetreten (21.08.2003)


RIA: Wann wird die Mannschaft mit der Vorbereitung auf die Spiele gegen Wales beginnen, die auf den 15. und 19. November anberaumt sind?

Jarzew: Die Vorbereitung wird am 10. November beginnen. Aber heute kann ich nicht konkret sagen, wo, denn der November in Moskau ist nicht die beste Zeit für den Fußball. Und wir müssen einen für diese Jahreszeit idealen Platz für die Vorbereitung der Nationalmannschaft bestimmen.

RIA: Welche Fußballspieler werden zum Training eingeladen?

Jarzew: Ich bin überzeugt, und mit mir ist auch das RFS-Exekutivkomitee einverstanden, dass den Qualifikationszyklus dieselben Fußballspieler abschließen müssen, die sich an den letzten Spielen der Auswahl beteiligt haben. Für die Vorbereitung auf das letzte Spiel gegen Georgien, das am 11. Oktober stattfand, habe ich lediglich 18 Sportler eingeladen. Jetzt wird sich die Liste erweitern, und ich werde auf die Kandidaturen jener Spieler zurückkommen, die aus verschiedenen Gründen nicht gegen die georgische Mannschaft gespielt haben. Das sind unter anderem die schon erwähnten Dmitri Alenitschew und Valeri Jessipow sowie der Mittelstürmer Dmitri Chochlow und der Verteidiger Gennadi Nishegorodow (beide „Lokomotiv" Moskau) sowie die Mittelfeldspieler Vladislaw Radimow („Zenit" Petersburg) und Igor Semschow („Torpedo" Moskau).

RIA: Werden Sie neue Fußballspieler anheuern?

Jarzew: Das ist kaum notwendig. Wir haben eine hinreichende Zahl von Kandidaten, die sich in den letzten Spielen und beim Training gut gezeigt haben. Das einzige, was mich heute wirklich beunruhigt, ist der Umstand, dass unser Schlüsselläufer Alexej Smertin wegen einer Operation nicht gegen Wales spielen kann. Das ist natürlich ein großer Verlust für uns. Aber wie es scheint, hat auch unser Rivale einen Verlust. Nach Pressemeldungen wird Craig Bellamy, „Newcastle"-Stürmer, einer der führenden Spieler der Wales-Auswahl, am Bein operiert. Wenn das stimmt, so wird er nicht spielen können. Das bedeutet, dass wir und die Waliser in der gleichen Lage sind und je einen Spieler verloren haben.

RIA: Was bedeuten die bevorstehenden Spiele gegen Wales für Sie persönlich?

Jarzew: Das sind die wichtigsten Spiele in meiner Karriere als Trainer. Ich verhalte mich dazu wie zu einer besonders ernsthaften Prüfung meines ganzen Sportlebens. Ich hoffe, dass auch alle Spieler der Russland-Auswahl eine ebensolche Einstellung dazu haben werden, von denen ich nicht nur die Demonstration eines hohen Fußballkönnens, eine exakte Erfüllung der Traineranweisungen, sondern auch Kampfgeist und den Willen zum Sieg erwarte.

RIA: Wie sind die Perspektiven Ihrer weiteren Arbeit als Trainer der Russland-Auswahl?

Jarzew: Der Russische Fußballverband hat mir dieser Tage angeboten, einen Vertrag bis zum Jahre 2006 zu unterzeichnen. Aber ich habe das abgelehnt. Ich meine, dass man zunächst die gestellte Aufgabe erfüllen muss, im Spiel gegen die Wales-Mannschaft zu siegen, ins Finalturnier der Europameisterschaft zu kommen und erst dann Finanz- und andere Fragen lösen darf. Meine Zukunft als Trainer der Nationalmannschaft hängt von den beiden Spielen gegen Wales ab. Ich hoffe, dass sie uns Erfolg bringen werden. (Valeri Asrijan, Kommentator der RIA „Nowosti")

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