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15-10-2003 Verschiedenes
GO, RUSSLAND, GO! Russisnen stürmen die Tenniswelt
( MOSKAU ) Der erste Oktobersonntag war ein besonderer Tag für das russische Tennis. Anastassia Myskina gewann als erste Russin den Kremlin Cup und Maria Scharapowa wurde Siegerin beim Japan Open. Wenn man den jüngsten Triumph von Myskina in Leipzig sowie die beiden Septembersiege von Jelena Dementjewa in Schanghai und auf Bali mitrechnet, so bedeutet das, dass die russischen Tennisspielerinnen fünf der letzten ATP-Turniere gewonnen haben.

Weitere neun Russinnen gehören inzwischen zu den Top-Hundert der Weltrangliste. Ist das eine Revolution?

Der Sieg von Myskina gegen Amelie Mauresmo (6:2, 6:4), für den sie nicht nur mit dem Titel, sondern auch mit einer Umarmung von Boris Jelzin belohnt wurde, war wohl der pikanteste Moment des vergangenen Monats. Während Jewgeni Kafelnikow den Kremlin Cup fünfmal gewann, konnte bisher keine der Damen seinen Erfolg wiederholen. Doch nun ist diese traurige Bilanz vorbei. In Tokyo erkämpfte inzwischen Scharapowa den Sieg, obwohl sie im entscheidenden Tiebreak des dritten Satzes drei Punkte im Rückstand lag. Auch dieser erstaunlich reife Auftritt der 16-jährigen hatte zur Folge, dass das russische Tennis in der ganzen Welt Aufsehen erregte.

Noch wichtiger ist aber, dass dieses Aufsehen auf sportliche Leistungen zurückzuführen ist, und nicht auf andere Faktoren - obwohl die blonde Scharapowa dank manchen Kommentatoren bereits zu einer „neuen Kurnikowa" avancierte. In den letzten zwei oder drei Jahren haben die russischen Sportlerinnen unglaubliche Fortschritte gemacht und gelten nun als reale Anwärterinnen auf den Grand Slam. Dementjewa und Myskina belegen jeweils den 8. und den 9. Platz der Weltrangliste. In der neuen WTA-Liste stieß Scharapowa von Platz 48 gleich auf Platz 33 vor. Damit überholte sie Swetlana Kusnezowa und Jelena Lichowzewa leicht. Zwei Plätze vor Schrapowa ist Jelena Bowina und sechs Lina Krasnoruzkaja platziert, die im August im Roger AT&T Cup-Finale spielte. Im russischen Trainingslager herrscht eine heitere Stimmung, die kaum unangebracht ist.

Tennisrangliste
•  WEITERHIN ZWEI RUSSINNEN UNTER TOP TEN DES FRAUENTENNIS (13.10.2003)
•  ZWEI RUSSINNEN IN TOP TEN DES FRAUENTENNIS (15.9.2003)
Natürlich ist der Erfolg in den vier wichtigsten WTA-Turnieren nicht garantiert, wenn die Gegnerinnen Williams-Schwestern heißen oder Kim Clijsters und Justin Henin-Hardenne, die in der Weltrangliste auf Platz 1 steht. Trotzdem ist alles möglich, wie die Erfahrung zeigt. Myskina hat Henin-Hardenne, die Zweitbeste der Welt im Finale des Leipziger Turniers geschlagen. Nadeschda Petrowa erreichte das Halbfinale des French Open. In diesem Turnier gewann Vera Swonarjowa (Platz 15 der Weltrangliste) gegen Venus Williams. Mehr noch: Swetlana Kusnezowa zog ins Wimbledon-Viertelfinale ein, und zwar in drei Kategorien: Einzelwertung, Paare der Damen und gemischte Paare. Zum erstem Mal in der Geschichte gelang es fünf Russinnen, das Viertelfinale von Wimbledon zu erreichen. Dass sie Talent haben, bezweifelt inzwischen keiner mehr. Was ihnen fehlt, ist nur die Erfahrung.

Der Präsident der russischen Tennisföderation, Schamil Tarpischtschew, ist sich sicher, dass der Erfolg auf die Sportlerinnen nicht nur bei individuellen Auftritten, sondern auch im Federation Cup erwartet. Das Team weist stabile Fortschritte auf. Dazu zählt unter anderem der Sieg gegen Slowenien im Viertelfinale. Als Tarpischew im vergangenen Jahr versprach, dass Russland den Davis Cup gewinnt, glaubte ihm kaum jemand. Nun glauben die russischen Fans, dass die Damenmannschaft der Aufgabe gewachsen ist, diesen Erfolg zu wiederholen.

Mehr noch, den russischen Tennisspielerinnen gehört die Zukunft. Mit ihren 27 und 26 Jahren dürften Jelena Lichowzewa und Tatjana Panowa kaum als Veteranen gelten. Myskina ist erst 22, Dementjewa 21, Jelena Bowina 20, Vera Swonarjowa 19 und Scharapowa 16 Jahre alt. Nicht zu vergessen sind auch die 17-jährige Schwester von Marat Safin, Dina, die Platz 53 in der Weltrangliste belegt und ein repräsentatives Turnier in Palermo gewann, sowie die Juniorensiegerin von Wimbledon, Vera Duschewina. Vor diesem Hintergrund begreift man, dass Russland gute Gründe hat, um optimistisch zu sein.

Nach ihrem Sieg beim Kremlin Cup sagte Anastassia Myskina: „Mit jedem gewonnenen Turnier rückt der Grand-Slam-Sieg für mich immer näher." Das könnte wahr sein, bis dahin muss Myskina jedoch mit ihren russischen Konkurrentinnen klarkommen. (RIA)

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