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28-09-2003 Verschiedenes
Frauenfussball in Russland
Die russischen Frauen, die früher haupsächlich den Fußballspielern die Daumen gedrückt haben, laufen heute selbst aufs Spielfeld. Die Zahl der Damenfußballmannschaften wächst an. Es gibt auch die ersten Erfolge. Bei der Weltmeisterschaft 1999 belegte die Russland-Auswahl den fünften Platz. Und heute kämpft unsere Mannschaft bei der Weltmeisterschaft, die in den USA stattfindet, wenn nicht um Medaillen, so wenigstens um ein „Flugticket" zu den Olympischen Sommerspielen'2004 in Athen.

Als offizielles Datum des Auftauchens des Frauenfußballs in Russland gilt 1992, als die erste Landesmeisterschaft durchgeführt wurde. Lange Zeit gaben die Moskauer Mannschaften den Ton an. Aber seit nunmehr zwei Jahren ist „Energija" Woronesh (mittlerer Landstrich Russlands) zu Recht die stärkste Mannschaft des Landes. „Lada" Togliatti (Zentrum der Automobilindustrie Russlands im Wolgegebiet) wurde in den letzten beiden Jahren Pokalsieger.

In der Oberliga der russischen Landesmeisterschaft spielen 8 Mannschaften. Die erste Liga hat eine Mannschaft mehr. Jedes Jahr werden die russischen Landesmeisterschaften unter den Mädchen in zwei Alterskategorien - bis zu 17 und bis zu 19 Jahren - durchgeführt. Und in diesem Jahr fand die erste Spartakiade der russischen Schüler statt, auf deren Programm auch der Frauenfußball stand. Die besten russischen Mannschaften spielen nicht ohne Erfolg bei repräsentativen internationalen Turnieren, unter anderem in der UEFA Champions League. Drei Jahre hintereinander erreichten die russischen Fußballspielerinnen bereits das Viertelfinale der League. Das heißt, sie gehören zu den acht stärksten Mannschaften Europas. Aber es gelingt ihnen nicht, ins Halbfinale dieses angesehenen Wettkampfes zu kommen. Beim Turnier der Euroleague in diesem Jahr trat „Energija" Woronesh vortrefflich in der Untergruppe auf, indem sie die Überhand über die Landesmeisterinnen Italiens, Ungarns und Kroatiens gewann und wiederum ins Viertelfinale kam. Jetzt stehen der russischen Mannschaft zwei Spiele mit der schwedischen Landesmeisterin „Uve" um das Recht bevor, im Halbfinale zu spielen.

Obwohl die Russland-Auswahl im Weltfußballrating den 11. Platz belegt, wird ihre reale Stärke von den Experten viel höher eingeschätzt. Das bekräftigten auch die Qualifikationsspiele der Weltmeisterschaft, die heute in den USA stattfindet. Die russischen Sportlerinnen belegten in ihrer Qualifikationsuntergruppe den ersten Platz und waren den Mannschaften Italiens, Spaniens und Islands voraus.

Viele russische Fußballspielerinnen genießen in Europa Popularität und werden unter den besten Meisterinnen des Lederballs der Alten Welt genannt. Das sind vor allem die Stürmerin Natalia Barbaschina („Lada" Togliatti) und die Mittelstürmerin Jelena Fomina („WWS" Samara - Mannschaft der Luftstreitkräfte). Barbaschina und Fomina erhielten mehr als einmal Angebote von ausländischen Klubs, aber beide wollen in Russland bleiben und vertreten weiter die Farben ihrer Klubs.

Barbaschina und Fomina sind schon erfahrene Meister. Aber in Russland gibt es nicht wenig junge, entwicklungsfähige Fußballspielerinnen, die in der Nachwuchsauswahl des Landes spielen, die als eine der aussichtsreichsten auf dem Kontinent gilt. Vielen von ihnen sagen die Experten eine große Zukunft voraus. Aber besonders beifällig äußert man sich über das Spiel des Torwartes Elwira Todua („WWS" Samara), der Stürmerinnen Jekaterina Sotschnewa („Tschertanowo" Moskau) und Olga Petrowa („Nadeshda" Noginsk).

Die Erfolge des russischen Frauenfußballs (und diese sind offensichtlich, insbesondere unter Berücksichtigung seiner kurzen Geschichte) verdienen eine umso größere Anerkennung, da sie unter sehr schwierigen Bedingungen erreicht wurden. Der russische Frauenfußball hat ernsthafte Schwierigkeiten mit der Finanzierung, denn das Staatskomitee für Körperkultur und Sport stellt Mittel lediglich für die Belange der Nationalmannschaft des Landes bereit. Hier könnten die Geschäftsleute helfen, aber sie beeilen sich nicht, die Begeisterung des „schwachen" Geschlechts für den Lederball zu sponsern, die ihnen vorläufig keine besonderen Gewinne verheißt. Der russische Frauenfußball braucht dringend "seine Abramowitschs". Da sie aber fehlen, kann man sich lediglich auf die Tatkraft der Enthusiasten verlassen, die bereit sind, um der Liebe zum Fußball willen zu arbeiten. Es gibt nicht wenig solche Enthusiasten, und ihre Arbeit trägt ihre Früchte. In russischen Stadien und auf Schulplätzen erscheinen immer mehr Mädchen, die gewillt sind, Fußball zu spielen, und die von Siegeslorbeeren träumen.

In Krasnojarsk, einer der größten sibirischen Städte, wurde vor einigen Jahren in 43 Schulen eine Pflichtfußballstunde im Sportunterricht für Jungen und Mädchen eingeführt. Und viele Krasnojarsker Schülerinnen, denen in der Schule das Fußballspiel beigebracht wurde, schwärmen für immer für den Lederball. Zwei von ihnen wurden zu bekannten Meistern im Lande. Das sind Anna Astapenko, die heute bei „Nadeshda" Noginsk spielt, und Ljudmila Korobizina, die die Farben von „Energetik" Kislowodsk vertritt. Dieser Kurort im Nordkaukasus ist übrigens eines der Entwicklungszentren des Frauenfußballs in Russland. Das günstige Klima und die guten Sportstätten ermöglichen es, dort praktisch das ganze Jahr hindurch Fußball zu spielen.

Zu einem anderen Fußballzentrum wird Sibirien. Obwohl sich das dortige Klima von dem in Kislowodsk gewaltig unterscheidet, lieben die Sibirier den Sport und sind bereit, die Popularisierung des Frauenfußballs auf sich zu nehmen. In Irkutsk gibt es eine Dameneishockeymannschaft, und jetzt wollen dortige Sportfreunde auch eine Frauenfußballmannschaft organisieren. Solche Pläne hat auch Kemerowo, eine andere sibirische Stadt. Auf der Tagesordnung steht die Durchführung von regelmäßigen Sibirien-Meisterschaften im Frauenfußball.

Nach UEFA-Angaben spielen heute 3,5 Millionen Frauen in Russland Fußball. Aber in Wirklichkeit sind diese Angaben schon veraltet, und die reale Zahl der Fußballspielerinnen beträgt aller Wahrscheinlichkeit nach mehr als 4 Millionen, teilte Wladimir Modelewski, Präsident der Frauenfußball-Vereinigung der RF, dem Verfasser dieser Zeilen mit. Er blickt mit Optimusmus in die Zukunft und hofft, dass der Tag nicht mehr fern ist, da es in ganz Russland ein engmaschiges Netz von spezialisierten Kinderfußballschulen geben wird, gleich der, wie sie vorläufig nur im Moskauer Stadtbezirk Tschertanowo besteht. Eben in diesen Schulen müssen Meister erzogen werden, die die höchsten Auszeichnungenen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften für Russland erkämpfen können. (Valeri ASRIJAN, Kommentator bei RIA „Nowosti")

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